WM-Tagebuch Von Duftmarken und Kreisläufern

Sebastian Schmid über den Schrecken der meisten  Handballer
Sebastian Schmid über den Schrecken der meisten Handballer © Foto: Könneke Volkmar
Köln / Sebastian Schmid 24.01.2019

Es gibt Dinge in einer Handball-Mannschaft, die gelten in allen Spielklassen, von der Kreisliga bis zur Bundesliga und sogar in den Nationalteams. Dazu gehört zum Beispiel, dass der Kassenwart beim Schulden eintreiben unheimlich penetrant ist. Gewissenhaft geht er seinem Job nach, schließlich soll genügend Geld in der Mannschaftskasse sein, um auf der Saisonabschluss-Fahrt ein paar Runden Bier bezahlen zu können.

Mit am Lukrativsten ist für ihn, einen Mitspieler zu erwischen, wie er vor dem Spiel in der eigenen Kabine seine Duftmarke hinterlassen hat. Das große Geschäft wird einfach nicht in der eigenen Umkleide hinterlassen, sondern in einer neutralen Toilette der Halle oder am besten in der Kabine des Gegners, damit der gleich einmal weiß, was ihn erwartet.

Die spanische Nationalspieler haben gegen Island gezeigt, dass sie in einer Sache ebenfalls ticken, wie jede andere Mannschaft auch. Als Kreisläufer Gedeon Guardiola im linken Rückraum auftauchte und zum Sprungwurf hochstieg, sprangen alle nicht im Kader befindlichen Akteure auf der Tribüne  auf und schrien „No, no, no!“. Erst als er den Ball weiterspielte, setzten sie sich lachend hin. Es gibt kaum Schlimmeres, als einen Kreisläufer im Rückraum. Das wissen alle, der Kassenwart hatte wohl schon vergeblich den Strafzettelblock gezückt.

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