1. Februar: Journalisten blamieren sich
Als amtierender Welt- und Europameister war die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Journalisten beim Medien-Turnier natürlich der Titel-Favorit. Doch bereits im 20-minütigen Halbfinale war für die deutschen Medienvertreter gegen den späteren Europameister Frankreich Endstation (11:13). Enttäuschung pur. Immerhin blieben die nervigen Fragen der Journaille nach den Gründen für die Blamage erspart, in der Interview-Zone war nix los.

Das Medien-Turnier war eine witzige Aktion des Veranstalters für die Journalisten. Einlaufen zum offiziellen EM-Song, Nationalhymne, Teamvorstellung, Namen auf der Anzeigentafel, Hallensprecher, Harz - an alles wurde gedacht. Sogar die Cheerleader tanzten in den Auszeiten. Zwar hatten sich 14 999 Zuschauer entschieden, zu Hause zu bleiben, doch das deutsche Team zeigte sich von der nicht vorhandenen Atmosphäre in der Krakauer Tauron-Arena unbeeindruckt und behielt im wichtigen Spiel gegen Gastgeber Polen um die goldene Ananas mit 8:6 die Nerven. Immerhin Bronze! In Frankreich soll 2017 der WM-Titel verteidigt werden.

Tolle Geste am Rande: DHB-Zeugwart Volker Schurr schenkte den Journalisten für das Turnier einen getragenen Trikotsatz des Teams. Eine super Erinnerung an eine sensationelle EM.


30. Januar: Kein Schutz vor der Kartenflut
Die Fächer im Portemonnaie reichen schon gar nicht mehr aus, der Geldbeutel platzt aus allen Nähten. Die Aufbewahrung in der Gesäßtasche ist gar nicht mehr möglich, sonst sitzt man die ganze Zeit schief.
Wer das nicht will, muss sich gut überlegen, welche Plastikkarten er annimmt - und welche nicht. Am einfachsten ist, man erspart sich die Teilnahme an jeglichem Rabatt-System. Treuepunkte gibt's nur von der Ehefrau oder dem Ehemann, andere Punkte lediglich mit dem Handball-Team oder in Flensburg. Angesichts der inzwischen schon obligatorischen Frage beim Bezahlen kann man schon direkt, wenn man an die Kasse tritt vorab sagen: "Nein ich sammle keine XYZ-Punkte. Und nein, ich möchte keine XYZ-Karte!"
Auch in Polen ist man nicht mehr sicher. Der Kauf eines Kaffees und einer Flasche Cola an einer Breslauer Tankstelle führt zu einem längeren Monolog der Angestellten auf polnisch, von dem nur eines ganz klar zu verstehen ist: "Punkte Payback." So läuft das mit der Völkerverständigung in Zeiten der Rabattkarten.


29. Januar: Promi-Auflauf im Internet
Was soll da jetzt noch kommen? Bereits vor dem Dänemark-Spiel zog Stefan Kretzschmar alle Register und mobilisierte alle Prominenten, denen er habhaft werden konnte. Die sollten eine Video-Grußbotschaft an die deutschen Handballer schicken.
Das hat "Kretsche" bereits bei den Spielen zuvor gemacht, unter anderem war da Tote-Hosen-Frontmann Campino zu sehen, doch vor dem Dänen-Knaller setzte er noch einen drauf. Fußball-Bundestrainer Jogi Löw, Basketball-Superstar Dirk Nowitzki, Fußball-Nationalspieler Thomas Müller und Liverpool-Coach Jürgen Klopp - alle drückten den Deutschen die Daumen.
Wo soll das noch enden? Steht am Sonntag tatsächlich Angela Merkel in der deutschen Umkleidekabine und twittert ein Sieger-Selfie mit dem neuen Europameister? Schaut man bei Facebook nach, sind dem Hype um die deutschen Handballer keine Grenzen mehr gesetzt - außer sie verlieren heute. Aber dann wird es zumindest für "Kretsche" einfacher. Statt vor dem Finale die ganz großen Geschütze auffahren zu müssen, reicht vor dem Spiel um Platz drei auch ein Anruf im RTL-Dschungelcamp in Australien, von wo aus "Motivations-Gott" Thorsten Legat und Sophia Wollersheim, die sich offensichtlich mit Handbällen auskennt, ein Video schicken.

28. Januar: Fragwürdiges Kriegsspielzeug
Spielzeug ist, wie der Name schon sagt, in erster Linie zum Spielen da und soll Spaß machen. Wenn die Kinder dabei noch etwas lernen können, können die Eltern beim Kauf sogar ein gutes Gewissen haben.
Dachten sich wohl auch die Designer des polnischen Spielzeugherstellers Cobi, dessen kleine Plastik-Bauklötzchen denen von Lego erstaunlich ähnlich sehen. Praktischerweise verkündet Cobi, dass die Steine "auch mit anderen Marken kompatibel sind".
Aber ob das der anderen Marke so recht ist? Ein Großteil des Sortiments thematisiert nämlich den Zweiten Weltkrieg. Beispielsweise das Set "VW Typ 82 Kübelwagen". Fröhlich lächelnd wirft auf dem Verpackungsbild ein Mann aus einer zerbombten, brennenden Häuserfassade eine kleine, grüne Flasche auf den grauen Kübelwagen, dessen ebenfalls lächelnder Fahrer zum Gruß sein Maschinengewehr hebt. Mit 59,99 Zloty (etwa 13,50 Euro) ist das Set ein Schnäppchen im Vergleich zur Krönung der Weltkriegsreihe. 159,90 Zloty (etwa 36 Euro) sind für die "Schlacht von Berlin" fällig. Dafür gibt es dann vier Figuren, ein Fahrzeug, eine Miniatur-Ausgabe des Brandenburger Tors - und einen deutschen Schäferhund.
Pädagogisch wertvoll ist das alles nicht. Dann lieber doch den Duplo-Zahlenzug. Mathe ist eh wichtiger als Geschichte.

27. Januar: Es geht auch ohne Hose
Wir Deutschen dürfen seit der Fußball-WM 2006 nicht mehr über Maskottchen schimpfen, bei der wir den hosenlosen Löwen Goleo VI mit seinem sprechenden Ball Pille auf die Menschheit losgelassen haben. Während für den trotteligen und zotteligen Löwen nach dem Sommermärchen die Karriere beendet war, konnte sich Hanniball, Maskottchen der Handball-WM 2007, als Spaßmacher etablieren und ist bei Heim-Länderspielen des DHB-Teams noch immer dabei - Hanniball trägt allerdings auch eine Hose.
Ohne Beinkleid kommt hingegen das EM-Maskottchen in Polen aus, was aber nicht so anzüglich wirkt, wie einst bei Goleo. Die Idee von der goldenen Hand mit Gesicht und dem Namen High Five sprüht jetzt nicht gerade vor Kreativität, aber egal. Denn gegen die weiblichen Stimmungsmacher in Breslau kommt High Five ohnehin nicht an. Die Cheerleaders Wroclaw haben immerhin meistens etwas mehr Hose an, als einst Goleo, aber selbst wenn sie ohne Hose auftreten (also im Kleid; was dachten Sie?), ist der Jubel der (männlichen) Fans riesig. Was wir daraus lernen können? An der fehlenden Hose lag Goleos Misserfolg nicht.

26. Januar: Ausverkauft, aber nicht voll
Ausverkauft heißt bei der Handball-EM leider nicht automatisch auch eine voll besetzte Halle. Zumindest nicht in der Breslauer Jahrhunderthalle, in der 6500 Zuschauer Platz finden. Während in der ersten Gruppenphase alle Spiele sehr gut besucht waren, hat sich in der Hauptrunde das Bild geändert. Zwar wird offiziell vermeldet, dass 6500 Zuschauer da waren, doch der Blick auf die Tribüne offenbarte Gegenteiliges.
Das 29:19 der Deutschen gegen Ungarn sahen zu Beginn nur etwa 4000 Fans, auch gegen Russland war die Halle beim Anpfiff nicht voll besetzt. Das Problem ist, dass die Fans der Teams, die das zweite Spiel bestreiten, erst nach und nach eintrudeln. Immerhin waren in der spannenden Schlussphase beim 30:29-Krimi gegen die Russen nur noch vereinzelt Plätze frei.
Anders als in Krakau, wo die Polen vor 15.000 begeisterten Zuschauern spielen und auf dem blühenden Schwarzmarkt sogar gefälschte Karten im Umlauf sind, kam nun in Breslau vor dem Spiel sogar die Durchsage, dass es für die restlichen Hauptrundentage noch Karten gibt. Immerhin wird morgen gegen die Dänen, die sich auf eine lautstarke Fan-Schar verlassen können, die Stimmung gut sein. Und sollte tatsächlich ein Sieg gelingen, wartet in Krakau eine wirklich ausverkaufte Halle.


25. Januar: Pünktlich wie die Busfahrer
Pünktlich wie die Maurer, den Spruch gibt es offensichtlich auch in Polen, wobei es dort eher „pünktlich wie die Busfahrer“ heißen sollte. Die Gastgeber haben bei der Handball-EM alles im Griff: Internetverbindungen, Pressebereiche, Arbeitsplätze, Catering – alles ist perfekt organisiert. Ein kleiner Schönheitsfehler ist allerdings, dass das vom europäischen Handball-Verband (EHF) ausgewählte Medienhotel in Breslau renoviert wird.
Die Zimmer für die Journalisten sind zwar top und erwecken teilweise den Eindruck, dass noch niemand davor darin genächtigt hat, doch in der ersten Wochen weckte einen morgens nicht der Wecker, sondern Hammer und Bohrmaschine. Mittlerweile nehmen die Handwerker aber erst mittags ihre Arbeit auf.
Ein Vorteil des Medienhotels ist der im Halbstundentakt verkehrende Bus-Shuttle zur und von der Jahrhunderthalle. Immer zur vollen und zur halben Stunde ist Abfahrt – und zwar auf die Sekunde genau! Sobald auf der Uhr im Bus die Anzeige von 29 auf 30 beziehungsweise 59 auf 00 umspringt, ist Abfahrt. Keine Sekunde vorher, aber auch keine später. Wer beispielsweise nach dem Spiel um 22:00:50 ankommt, sieht den Bus nur noch von hinten – und kann 29 Minuten und zehn Sekunden warten, bis der nächste zum Hotel fährt.

23. Januar: Zwerge erobern die ganze Stadt
Es ist eine Sensation, was da auf der polnischen Internetseite www.krasnale.pl zu lesen ist: „Die Forscher der zwergischen Genealogie haben eine Chronik der Zwerge gefunden, in der sie eine erstaunliche Notiz fanden: der erste Zwerg, der auf der Erde gesichtet wurde, erschien auf Wroclawer Boden!“ Seitdem ist Breslau (polnisch: Wroclaw) die Zwergenhauptstadt der Welt. Über 260 der lebenslustigen Kerlchen haben sich in den Straßen und Gassen niedergelassen – und es werden immer mehr. Für die Besucher der Stadt ist es ein vergnüglicher Zeitvertreib, während der Besichtigung Ausschau nach den 30 Zentimeter kleinen Wesen zu halten, die überall in Breslau ihr Unwesen treiben und überaus beliebte Fotomotive sind.
Doch so witzig die bronzenen Zwerge auch sind, ihr Erscheinen hat einen historischen Hintergrund. In den 80er Jahren tauchten die ersten von ihnen in Wroclaw auf. Unter dem Motto „Zwerge aller Länder vereinigt euch“ wurden sie zum Symbol für den Widerstand gegen das kommunistische Regime. Als der Kampf gewonnen war, blieben die Zwerge in der Stadt – und da sie gesellige Typen sind, werden es immer mehr.

22. Januar: Wehe, das Bier geht aus
So eine Handball-EM kostet trotz Sponsoren viel Geld. Da benötigt der europäische Handball-Verband (EHF) jede Zusatzeinnahme.
Getreu dem Motto "Kleinvieh macht auch Mist" freute sich der EHF-Schatzmeister über den ersten EM-Auftritt der Schweden und Slowenen, denn bereits beim Aufwärmen war klar, dass es 1000 Euro in die Kasse gibt.
Sloweniens Dean Bombac wollte einen bleibenden Eindruck hinterlassen und sich mit seinen schwarzen Socken von seinen Mitspielern abheben, die weiße trugen. 500 Euro Strafe verhängte die EHF dafür, genauso viel wie gegen die Schweden, bei denen ein Spieler ein andersfarbiges langärmliges Shirt trug als der Rest der Truppe.
Damit so etwas der deutschen Mannschaft erspart bleibt, wurde bei der EM Carsten Lichtlein zum Klamottenwart ernannt. Der Co-Kapitän, dem als Torwart das Wart quasi in die sportliche Wiege gelegt wurde, kümmert sich nicht nur darum, dass alle DHB-Akteure in einheitlicher Spielmontur in der Halle erscheinen, sondern setzt auch eine schöne Tradition bei Handball-Teams fort: Für alles gibt es einen Wart. Da wären beispielsweise der Wasserwart, der sich um die Trinkflaschen kümmert, der Harzwart, der schaut, dass immer eine Dose des klebrigen Zeugs parat ist, und der Ballwart, der die Spielgeräte schleppt. Es gibt sogar Teams, die über einen Pornowart verfügen, der dafür verantwortlich ist, dass auf den Auswärtsfahrten immer zwei, drei Schmuddelheftchen im Bus an Bord sind.
Der wichtigste Wart und meistens der wichtigste Mann in einer Mannschaft ist aber der Bierwart. Kein anderer trägt so viel Verantwortung für die Team-Chemie wie er - vor allem in den unteren Spielklassen. Wehe, das Bier geht aus, da kippt die Stimmung. Das ist dann ein Fall für den Kassenwart - den hat die EHF auch. Und der versteht keinen Spaß.

21. Januar: In Breslau rockt der Winter
Die meiste Körperwärme geht über den Kopf verloren, heißt es. Wissenschaftlich lässt sich diese Behauptung nicht untermauern, da der Kopf flächenmäßig zu klein ist, als dass man alleine wegen einer vergessenen Mütze erfriert.
Fakt ist aber, und das kann der Tagebuch-Autor erblich bedingt aus eigener Erfahrung berichten, dass es im Winter ohne Haare und Mütze am Kopf bitterkalt ist.
Doch auch eine lange Mähne schützt nicht in jedem Fall vor Hirnfrost. Wie ist es sonst zu erklären, dass die Damenwelt in Polen auf möglichst üppige Fellmützen setzt? Natürlich kann man an dieser Stelle das Argument anbringen, dass Frauen generell kälteempfindlicher als Männer sind. Aber das wird in Breslau anschaulich widerlegt. Beim Thema Schönheit hört das Kälteempfinden der polnischen Damen nämlich auf. Denn während auf dem Kopf nicht genug Wolle sein kann, scheint die Region vom Oberschenkel bis zum Knie völlig kälteresistent zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass trotz Minusgraden auffallend viel Polinnen im Gegensatz zum restlichen Körper an genau dieser Stelle durch Kleider und Röcke nur unzureichend gewärmt werden. Was sich wissenschaftlich daraus für den Wärmeverlust über den Kopf schließen lässt? Keine Ahnung.

20. Januar: Pompöse Eröffnungsfeier
Noch nie ist eine Handball-EM so pompös eingeläutet worden, wie die Titelspiele an diesem Wochenende in Breslau. Dass die Feierlichkeiten, die sich das ganze Wochenende über hinzogen, gar nicht der Sportveranstaltung galten, sondern die feierliche Auftaktveranstaltung zur Kulturhauptstadt 2015 waren, störte die über 5000 Handball-Fans aus Deutschland, Schweden, Slowenien und Spanien nicht. Sie waren eingeladen mitzufeiern - und folgten dieser Aufforderung gerne.
Mit über 100 Veranstaltungen legte sich Breslau, das die Polen 1945 in Wroclaw umbenannten, am Eröffnungswochenende richtig ins Zeug. Noch am Sonntagmittag wurde die gesamte Innenstadt lautstark von den Proben für den Höhepunkt des Abends beschallt. Die Anwohner nahmen es gelassen zur Kenntnis, sie sind stolz auf ihre Stadt, die gemeinsam mit dem spanischen San Sebastián ein Jahr lang Europas Kulturhauptstadt ist. Über 1000 Veranstaltungen, darunter ein Jazz-Festival, eine Literatur-Nacht, ein Theater-Marathon und ein Konzert des italienischen Komponisten Ennio Morricone, werden bis Dezember in Breslau stattfinden. Sechs Millionen Besucher erhofft sich die Stadt dadurch.
Der Auftakt war schon einmal vielversprechend. Überall waren kleine Pavillons und Feuerstellen aufgestellt, vor denen die Leute musizierten, sangen, tanzten und gemeinsam Glühwein tranken. Die Häuser rund um den zentralen Marktplatz waren abends bunt illuminiert und sahen aus, als ob sie frisch der Augsburger Puppenkiste entsprungen wären. Die Bewohner versammelten sich auf dem Platz, um sich und ihr Wroclaw zu feiern.
Der Höhepunkt des Wochenendes war die Performance "Erwachen" des britischen Regisseurs Chris Baldwin, bei der 1300 Künstler aus vier Richtungen auf den Marktplatz zogen, um dort gemeinsam das einzuläuten, was Krzysztof Maj, Festivaldirektor des Europäischen Kulturjahrs, als "das wichtigste Jahr in der Nachkriegsgeschichte Breslaus" bezeichnete.
Nach dem Auftaktwochenende ist es nun etwas ruhiger geworden. Doch der erste Eindruck, den Breslau in diesen Tagen bei seinen Besuchern hinterlassen hat, ist beeindruckend.

19. Januar: Neue Sprache häppchenweise
Bei einer Reise ins Ausland gehört es dazu, sich mit der landestypischen Küche zu beschäftigen. Ist man der Landessprache mächtig, ist schon einmal eine wichtige Hürde bei der Bestellung genommen.
Ist das nicht der Fall, kann es mitunter schwierig werden, etwas Schmackhaftes zu bekommen. Vor allem, wenn sich wie in Polen alle Worte scheinbar aus einer wahllosen Aneinanderreihung von Ys, Cs, Zs und Ws zusammensetzen.
Da sind Ausspracheprobleme für deutsche Zungen garantiert. Selbst wenn die Gerichte sichtbar ausliegen, ist es schwierig, herauszufinden, was sich in den Klößchen und fritierten Teigtaschen befindet. Englisch hilft nur begrenzt weiter.
Umso erfreulicher ist es, wenn sich ein erster Lichtblick am dunklen Sprachfirmament auftut. "Bratwursty" verkündet ein Imbiss-Schild. Was sich dahinter verbirgt, erschließt sich auch dem der Landessprache nicht mächtigen Journalisten. Geht doch. Wenn man erst einmal dahintergekommen ist, wie die polnische Sprache funktioniert, ist es gar nicht mehr so schwer. Also schnell rein, bestellt und "Guty Appetity!"

18. Januar: Motiviert bis in die Haarspitzen
Sport und Ernährung ist ein komplexes Thema. Sportberichterstattung und Ernährung aber auch. Vor allem bei einer Großveranstaltung wie der Handball-EM kommt da einiges durcheinander. Erst kommt die Arbeit, dann das Essen. Dass im Pressezentrum für das leibliche Wohl der Journalisten gesorgt wird, ist erfreulich – allerdings ist die Kost zweckmäßig und auf den schnellen Verzehr ausgelegt. Der Schreiberling ist ja permanent im Stress, der Redaktionsschluss drängt. Ein paar Sandwiches, ein paar süße Stückchen – gesund und ausgewogen ist das nicht, was da geboten wird.
Das zweite Problem: Obwohl der Sport allgegenwärtig ist, kommt er zu kurz – zumindest beim Journalisten. Dabei waren die Vorsätze da, die Motivation noch nie so groß wie vor dieser EM. Vorab wurde sogar gecheckt, ob das Hotel über ein Fitnessstudio verfügt – tut es. Also schnell Sporthosen, Trainingsshirts und Joggingschuhe eingepackt, mit dem Vorsatz, jeden Tag aktiv zu sein. Die Ernüchterung folgt allerdings bereits an Tag eins. Motiviert bis in die Haarspitzen wird das Fitnessstudio gesucht. An der Rezeption dann die bittere Info: „Das wird renoviert.“ Da nur kurze Sportbekleidung im Gepäck ist, fällt Joggen im Freien flach. Also bleibt es dabei: Der gute Wille war da – und der zählt, oder? 

16. Januar: Anreise mit ’nem Elefanten

Bevor ein Journalist von der Handball-EM berichten kann, muss er erst einmal hinkommen. In diesem Fall mit dem Auto. Zwischen der Redaktion und dem Spielort liegen über 750 Kilometer und sechseinhalb Stunden Fahrt. Ein paar Hörspiele sollten die Anreise etwas kurzweiliger gestalten. Dumm nur, dass der Dienstwagen lediglich über ein Kassettenradio verfügt. CDs, MP3, iPod – bringt alles nichts. Also ab nach Hause zu Mutti, irgendwo muss doch noch ein Koffer mit den in der Kindheit so geliebten Geschichten sein. Blöd nur, dass die etwas cooleren Kassetten (Drei Fragezeichen usw.) nicht auffindbar sind. Lediglich 22 Folgen Benjamin Blümchen sind ohne größere Suchaktion greifbar. Naja, besser als gar nichts. Hauptsache die Fahrt vergeht schneller.
In der Tat, auch wenn die Geschichten früher spannender erschienen, vergeht die Zeit ab dem Erklingen des Titellieds („Auf ’ner schönen grünen Wiese. . .“) überraschend flott. Bis zur Ankunft in Breslau war Benjamin Blümchen unter anderem in der Steinzeit, Lehrer an der Schule, Pirat und hatte eine Begegnung mit den Astrofanten Mirx Millimeter und Murx Mikromü vom Planeten Elefantos Blauos.
Und so wird aus der Fahrt nach Polen nicht nur die Anreise zur EM, sondern auch ein kleiner Trip in die Kindheit.