Metzingen TusSies: Zwei Neue, zwei bleiben

Metzingen / ALEXANDER MAREIS KRISTIN MEYER 26.04.2013
Im Riedericher Industriegebiet fand gestern ein kleiner Saisonrückblick der Metzinger Handball-TusSies mit Podiumsdiskussion statt. Dabei wurden zwei Vertragsverlängerungen und zwei Neuzugänge verkündet.

Es war nicht das erste Mal, das sich Frauenhandball-Bundesligist TuS Metzingen in den Räumen eines Sponsors präsentierte und dorthin Anhänger sowie Medien einlud. Die gestrige Veranstaltung im Riedericher Industriegebiet bei Ruoff Energietechnik GmbH, deren Geschäftsführer Karsten Lindner mit einer Vorstellung der Firma und Erklärungen über die Zusammenarbeit mit den TusSies den Abend eröffnete, freilich bot den neugierigen Augenzeugen erstmals die Gelegenheit, einen Eindruck vom neuen TuS-Trainer Alexander Job zu bekommen. Gleichzeitig verkündete die TuS die Vertragsverlängerungen von Lisa Mößinger und Tanja Padutsch. Kritiker mögen hierbei gedacht haben - besser spät als nie: Diese Devise gilt wohl bei den Verlängerungen von Rechtsaußen Tanja Padutsch und der in dieser Saison vor allem auf Linksaußen eingesetzten Lisa Mößinger. Denn abgesehen von diesen beiden Spielerinnen waren sämtliche Personalien des aktuellen Kaders bereits geklärt.

Die fast 23-jährige Lisa Mößinger kam im Jahr 2011 ins Ermstal. Vom damaligen Zweitliga-Konkurrenten HSG Bensheim/Auerbach folgte sie dem Lockruf von Edina Rott, mit der sie bei der HSG in Südhessen zusammen spielte und bereits unter ihr trainierte. "Von meiner Seite war es schon ewig klar, dass ich in Metzingen bleibe. Ferenc Rott und ich haben uns schließlich geeinigt, der Vertrag lag mir schon eine Weile vor", gibt die Lehramtsstudentin auf die Frage des späten Zeitpunkt zu Protokoll.

Begonnen hat die Hessin ihre Karriere bei der TSG Groß-Bieberau, bevor sie als 17-Jährige Ende 2007 nach Bensheim wechselte und dort fünf Jahre blieb. In Metzingen feierte sie in ihrem Premierenjahr direkt den Aufstieg in die 1. Liga, in der sie in dieser Spielzeit in 22 Spielen 39 Treffer erzielen konnte. Ihre Spielzeiten waren zum Teil rar gesät. Neu-Coach Alexander Job war eines der Kriterien für die Verlängerung "Alex bringt eine große Fachkompetenz mit. Ich denke, er wird uns alle individuell weiterbringen."

Ebenfalls für ein weiteres Jahr bleibt Tanja Padutsch bei den TusSies. Vom Oberligisten SG Schorndorf wechselte die Rechtsaußen 2010 zum VfL Waiblingen. Zwei Jahre lang war sie beim Drittligisten eine feste Größe, und auch in dieser Saison kam sie dort per Zweitspielrecht zum Einsatz. Bei den TusSies unterschrieb Padutsch Anfang 2012 - damals stand noch nicht fest, ob in Metzingen Erst- oder Zweitligahandball gespielt werden würde. Mit ihren 19 Jahren gehört sie zu den Jüngsten im Team, hinterließ bei ihren Einsätzen aber stets einen positiven Eindruck. Auf sieben Tore bracht sie es in der Bundesliga. Derzeit plagt die Studentin allerdings eine schwere Verletzung. Im Januar erlitt sie im Training einen Knorpelschaden, der umgehend operiert wurde. Freilich verlief die Heilung bisher nicht wie gewünscht, sodass Padutsch ein weiteres Mal unters Messer muss. Wann sie wieder auflaufen kann, ist derzeit noch offen.

Damit nicht genug in Sachen Personalneuigkeiten: Zudem wurden zwei Neuverpflichtungen bekanntgegeben - allerdings nicht im Detail. "Unser zweiter externer Neuzugang nach der bereits vor Wochen verpflichteten Saskia Putzke vom Drittligisten HSG Blomberg-Lippe II steht fest, der Vertrag ist wasserdicht. Nach Absprache mit ihrem bisherigen Verein dürfen wir aber den Namen der Spielerin noch nicht nennen. In einem weiteren Fall haben wir die mündliche Zusage einer Spielerin, die zu uns kommen will", verriet TuS-Manager Ferenc Rott gestern in Riederich.

In seinem Rückblick, der gleichzeitig zu Visionen für die Zukunft überleitete, kam Ferenc Rott nochmals auf die schwierige finanzielle Lage in Metzingen vor fast vier Jahren zu sprechen. "Die 20 000 Euro Schulden, die wir damals übernahmen, können voraussichtlich in der kommenden Saison komplett abgebaut werden, sodass wir total saniert sind und bei Null anfangen können", sagte der Ungar.

"Das erste Jahr in der 1. Liga bescherte uns erstmals einen Gewinn. Ich will in Metzingen langfristig etwas aufbauen. Um den Frauenhandball bei der TuS auf längere Sicht gesichert in der 1. Bundesliga zu etablieren, werden wir unseren Etat jedoch von den 420 000 Euro der ersten Bundesligasaison auf mindestens 500 000 bis 600 000 Euro steigern müssen. Ich strebe jedoch zunächst eher kleinere Schritte in Form einer Budgetsteigerung von 20 Prozent für die Bundesligasaison 2013/2014 an", verriet Ferenc Rott den Zuhörern in Riederich.

Stichwort Steigerung: TuS-Torfrau Sabine Stockhorst, die nach ihrem Riss des vorderen Kreuzbandes und Anriss des Außenminiskus Ende Februar im September wieder ins Gehäuse der Pink-Ladies zurückkehren will, verwies auf die bessere Stimmung in der Öschhalle: "Die Rahmenbedingungen für uns Spielerinnen haben sich verändert. Durch die höheren Zuschauerzahlen macht es noch mehr Spaß, in Metzingen zu spielen."

Knapp 800 zahlende Zuschauer pilgerten in der abgelaufenen Erstligarunde im Schnitt in die stimmungsvolle Spielstätte unweit des Metzinger Bahnhofs - in der 2. Bundesliga lag der Schnitt oft nur bei etwa 400 Augenzeugen, die zu den Heimspielen pilgerten.

Edina Rott, gefeierte Trainerin der Ermstälerinnen, die mit den Pink-Ladies den Erstliga-Aufstieg und -klassenerhalt binnen eines Kalenderjahres schaffte, betonte, wie viel ihr Team während der Monate im deutschen Handballoberhaus gelernt habe. Sie selbst bleibt der TuS erhalten - nach dem Rücktritt als Trainerin des Erstligateams wird sie sich vermehrt der Nachwuchsarbeit - schon zuvor ein Steckenpferd der Ungarin - widmen. "Wir müssen unsere A-Jugend in der neugeschaffenen Bundesliga etablieren. Hinzu kommt, dass wir unbedingt einen anderen Unterbau schaffen müssen. Unsere Zweite Mannschaft ist derzeit nur in der Landesliga angesiedelt - das reicht keineswegs aus. Ein schneller Aufstieg in die Württembergliga muss das sofortige Ziel sein, danach sollte es aber nochmals hoch gehen - mindestens bis zur viertklassigen Baden-Württembergliga. Ansonsten können wir jungen Talenten, die nicht sofort den Sprung ins Bundesligateam schaffen, keinen Anreiz bieten, sich bei uns im Aktivenbereich weiterzuentwickeln", macht Edina Rott klar.

Gespannt waren die Anwesenden auf den neuen TuS-Trainer Alexander Job, derzeit noch in Diensten der Pfullinger Baden-Württembergliga-Herren. Der ehemalige Pfullinger und Balinger Bundesligahandballer verriet: "Nach vier Jahren beim VfL mit viel Zeitaufwand gab es Abnutzungserscheinungen, ich wollte nicht mehr weitermachen. Als Ferenc Rott mich anrief und mein Interesse am Trainerjob in Metzingen erfragen wollte, wurden wir uns binnen weniger Tage einig. Für mich ist der anstehende Trainerjob bei einem Frauenteam eine vollkommen neue Erfahrung. In Pink - der TusSies-Farbe - will ich aber nicht am Spielfeldrand stehen." Beim Prüfungslehrgang im Juni will Job seine Trainer-A-Lizenz bauen und dann mit voller Energie ins Abenteuer Bundesliga starten. "Mein Ziel ist es, unter den besten zehn Teams mit der TuS zu landen. Wir wollen den Klassenerhalt so früh wie möglich sichern."

Neuer Bundesligamodus

Die Handball-Bundesliga der Frauen verabschiedet sich mit Beginn der Saison 2013/2014 vom umstrittenen Playoff-Modus. Das beschloss der Ligaverband HBF auf seiner Mitgliederversammlung in Rotenburg an der Fulda im Juni 2012. Als Spielmodus ist zukünftig eine Normalrunde mit Hin- und Rückspielen vorgesehen und danach eine Teilung der Liga in zwei Sechsergruppen - in eine Meister- und eine Abstiegsrunde.

Die ersten sechs Teams der Tabelle kommen in eine Gruppe, die den Meister und die Europacup-Teilnehmer ermittelt.

Die unteren sechs Mannschaften der Bundesligatabelle kommen in eine weitere Gruppe und spielen die beiden Absteiger aus.

Alle Spielergebnisse aus der Hauptrunde werden auch in die Meisterrunde und in die Abstiegsrunde mitgenommen, kein Ergebnis wird also gestrichen.

Für Mannschaften und Zuschauer bedeutet die Neuerung, dass es mehr Spiele geben wird. Bisher waren maximal 28 Partien möglich - 22 in der Hauptrunde und sechs Playoff-Spiele für die beiden Finalisten. Künftig bestreiten alle Teams 32 Spiele - 22 in der Hauptrunde und zehn in der Meister- oder Abstiegsrunde.

TuS-Termine

Am Samstag, 4. Mai, treten die TusSies in der Neckartenzlinger Rundsporthalle zum 125-Jährigen Vereinsbestehen des dortigen TSV Neckartenzlingen an. Gegner des Bundesligisten bei diesem Spiel wird Drittligist TG Nürtingen sein. Nur vier Tage später am Mittwoch, 8. Mai, steht das Saisonabschlussspiel in der Metzinger Öschhalle auf dem Programm. Gegner der Pink-Ladies wird eine Süddeutsche Auswahl mit namhaften Akteurinnen sein. Highlights sind dann die Verabschiedungen der fünf Spielerinnen, die Metzingen verlassen, die Jahrestombola mit reizvollen Gewinnen und die Ehrung der TuS-Spielerin des Jahres.

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