Stuttgart / Wolfgang Seitz  Uhr

Schon der Einmarsch war etwas ganz Besonderes. Dem großen Ereignis angemessen ging eine pinke Lightshow ab, die jedem Silvester-Feuerwerk Konkurrenz machen könnte. Dass dann vor dem Spiel auch noch die EM-Fahrerinnen der TusSies geehrt wurden, verzögerte den Anpfiff etwas. Vielleicht hat man aber auch einfach nur gewartet, bis der allerletzte Zuschauer in der Porsche-Arena war. Das war das eigentliche Thema des Abends. 6157 waren in der Halle. Eine neue Rekordmarke für den Deutschen Frauenhandball.

Einen recht seltsamen Verlauf nahm die Anfangsviertelstunde. Die TusSies schossen nach kurzer Orientierung auf ungewohntem Stuttgarter Terrain aus den Startlöchern, führten schnell 3:0 (6.),  7:3 in Minute elf. Maren Weigel durfte da schon drei Mal jubeln, Jasmina Jankovic noch öfter, weil die TuS-Keeperin praktisch alles hielt. Und dann war Schluss. Nellingens Keeperin Anne Bocka hielt in Serie, wobei Wurfbilder zu beklagen waren, die auf dem Index stehen. Und die Hornets setzten ihre Stiche, waren auf 7:6 dran (14.). Es wurde in der Folge wieder besser für die TusSies. Sie führten mit 12:8 in Minute 21 – ehe sich Unfassbares tat. Anna Loerper setzte einen Siebenmeter Bocka an den Kopf. Sicher keine Absicht, aber auch klare Vorgabe des Regelwerks: Rote Karte (22.). Fortan mussten die Pink-Ladies also ohne ihre Chefin auf dem Feld auskommen.

Man tat sich schwer, wieder eine Spielordnung zu finden. Der 14:10-Pausenstand war in Ordnung. Tonje Loseth gefiel mit fünf Toren, Wendy Obein hielt zwei Siebenmeter von Louisa Wolf und Roxana-Alina Ioneac. Es ging schlecht weiter. Stina Karlsson bekam in der Mitte das Spiel nicht in den Griff, Nellingens Wolf hatte bei Siebenmetern nun den Bogen raus, überhaupt trafen die Schwaben Hornets Ostfildern fast immer, während sich die TuS bei Tonje Loseth bedanken durfte, die in der Anfangsphase der zweiten Hälfte das Toremachen ganz alleine in die Hand nahm, als Spielerin des Tages prämiert wurde.

Alarm für pink war aber praktisch immer angesagt. Zum Beispiel nach Blankes 18:17 (41.). Szekerczes, Behnke und Beddies konnten die Gemüter einigermaßen beruhigen (21:17, 44.).  Manche „Basics“ wollten immer noch nicht klappen, simple Pässe gerieten zum Problem. Ein weiteres war Hornets-Keeperin Bocka.

Und dennoch wurde es in der Schlusssequenz noch entspannt für alle, die für die TusSies die  Daumen drückten. Stetig wuchs der Vorsprung, in den letzten Minuten wurde es sogar noch richtig klar. Beim finalen 31:23 mussten einem die Nellingerinnen fast schon leid tun. Aufopferungsvoll haben sie gekämpft.

Am Ende war bei der TuS die „zweite Reihe“ am Start, wobei man zum Beispiel Delaila Amega gerne früher auf dem Feld gesehen hätte, schließlich ist sie Spielmacherin. Zumindest konnte sie sich mit einer unfassbaren Schleuder zum 30:22 noch bemerkbar machen. Marija Obradovic hatte zuvor den Takt angegeben – sicher auch nicht schlecht. Selbstkritische TusSies waren nach dem Match zu hören. Natürlich war auch TuS-Coach Csaba Konkoly nicht begeistert: „Der Ausfall von Anna war ungewohnt, wir konnten zuletzt immer auf sie bauen. Am Schluss haben wir die Verantwortung geteilt, dann hat es geklappt. Der Schlüssel war die Abwehr. Das ganze Event war ein schöber Erfolg für den Handballsport.“ Tonje Loseth: „Wir waren zu Beginn aufgeregter als sonst. Die Kulisse ist doch etwas Besonderes. Nellingen hat nie aufgesteckt. Es war ein schwieriges Spiel. Wir wissen, dass wir es besser können.“ Ina Großmann fand es großartig so ein Heimcomeback zu feiern. „Man hat gemerkt, dass nach der EM-Pause die Abläufe noch nicht flüssig sind. Das Publikum war toll und es war toll, dabei zu sein.“

Bundesliga, Frauen

Buxtehude – Celle 27:22

Thüringer HC – Göppingen 30:27

Neckarsulm – Bad Wildungen 22:25

Leverkusen – Dortmund 15:19

Blomberg-Lippe – SG Bietigheim 31:39

Metzingen – Ostfildern-Nellingen 31:23

 1 SG Bietigheim  9 9 0  0 314:206 18: 0

 2 Thüringer HC 10 9 0  1 311:251 18: 2

 3 Metzingen 10 9 0  1 302:243 18: 2

 4 Buxtehude 10 7 0  3 313:279 14: 6

 5 Göppingen 10 5 2  3 294:290 12: 8

 6 Dortmund 10 4 3  3 229:224 11: 9

 7 HC Leipzig  9 4 2  3 265:238 10: 8

 8 Oldenburg  9 4 1  4 242:245  9: 9

 9 Leverkusen 10 4 0  6 246:261  8:12

10 Neckarsulm  9 3 0  6 217:247  6:12

11 Bad Wildungen 10 2 2  6 248:307  6:14

12 Celle 10 2 0  8 230:299  4:16

13 Blomberg-L. 10 1 0  9 249:290  2:18

14 Nellingen 10 0 0 10 231:311  0:20

So spielten sie

TuS Metzingen – TV Nellingen

31:23

TuS Metzingen: Obein, Jankovic – Zapf (1), Amega (1), Szekerczes (2/2), Loerper (3), Karlsson, Loseth (8), Ingenpaß (1/1), Großmann, Weigel (6), Vollebregt (2), Obradovic (2), Michielsen, K. Beddies (2), Behnke (3).
TV Nellingen: Grob, Bocka – Schoeneberg, Wolf (6/5), Blanke (4), Tuc, Ioneac (6/1), Winger, Namat (3), Schraml, Stuttfeld (3), Padutsch (1), Issifou, Stockhammer, Thiero.
Siebenmeter: 5/3 (Loerper und Amega scheitern) – 9/6 (Wolf, Blanke und Ioneac scheitern).
Rote Karte: Loerper (22.).
Zeitstrafen: Loseth, Obradovic – Wolf Blanke, Namat, Padutsch.
Schiedsrichter: Steven Heine, Sascha Standke (Braunschweig).
Zuschauer: 6157 (Porsche-Arena).