Wenn heute zur Prime Time um 20 Uhr der Anpfiff zum Handballderby zwischen den Viertligisten TSG Söflingen und TSV Blaustein erfolgt, steht ein Mann ganz besonders im Fokus. Nicht, wie vielleicht erwartet, der scheidende TSG-Coach Gabor Czako, sondern einer seiner Torhüter. Just vor dem brisanten Lokalduell, in dem es um nicht weniger als Punkte für den Klassenerhalt geht, gaben beide Klubs den Wechsel des Söflingers Samuel Beha zum TSV Blaustein bekannt – zur Sommerpause wohlgemerkt.

Lässt Trainer Czako den zuletzt stark aufspielenden Keeper neben dem gleichwertigen Manuel Weinbuch auflaufen, bringt das noch einmal einen ganz anderen Aspekt ins ohnehin stets leidenschaftlich geführte Lokalduell: Schafft Beha wie zuletzt gegen Remshalden wieder 15 Paraden und wäre damit der entscheidende Mann bei einem Sieg im fremden Revier, könnte er seinem künftigen Klub letztlich die beiden Punkte verwehrt haben, die er zum Klassenerhalt braucht – und schließlich selbst als Verlierer dastehen.

Das ist dem 26-Jährigen, der am Saisonende sechs Jahre in Ulm spielte, zwar bewusst. „Aber diese Tatsache geht für mich komplett außen vor“, schwört Beha, sich dennoch voll für seinen aktuellen Klub ins Zeug zu legen: „Ich bin bis zum letzten Spieltag Spieler der TSG Söflingen, und da wäre es schlimmer, wenn ich mir irgendetwas vorwerfen lassen müsste. Deshalb gebe ich erst recht Vollgas.“ Zumal es dem inzwischen in Ulm lebenden und arbeitenden Samuel Beha nicht leicht gefallen sein dürfte, den Verein zu verlassen, der ihm stets das volle Vertrauen zwischen den Pfostsen gegeben hatte.

„Wir haben es bei ihm schon seit ein paar Jahren probiert“, sagt Blausteins Coach Tim Graf, „aber jetzt hat es endlich geklappt, ihn zu uns zu lotsen.“ Nach dem Karriereende von Adi Konkel war der TSV Blaustein schon vergangene Saison fieberhaft auf der Suche nach einem gestandenen Nachfolger. Doch Beha blieb zunächst standhaft, und die Youngster Yannick Ruhland (22) und Lars Wittlinger (18) mussten es richten – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. „Uns fehlt hier einfach die Konstanz und die Erfahrung“, erklärt Graf.

Beha selbst sagt, er habe „nach sechs schönen Jahren bei der TSG einfach eine neue Herausforderung gesucht“ – unabhängig von der Tatsache, dass in Söflingen durch den bevorstehenden Trainerwechsel ebenfalls ein Umbruch ansteht. „Das hat damit nichts zu tun“, beteuert Beha, der nach eigener Aussage „viele Gründe für und viele gegen den Wechsel“ gefunden hat.

Vor dem Derby heute jedenfalls ist er emotional heiß wie eh und je. „Wer will das Derby schon verlieren?“, fühlt sich der TSG-Stammkeeper an der Ehre gepackt. Er will einfach an die starke Leistung der Vorwoche anknüpfen. „Eine gute Formkurve hilft natürlich“, sagt der 26-Jährige. Blaustein verspüre mit fünf Punkten Rückstand auf Söflingen zwar den größeren Druck, „aber auch wir sind noch nicht ganz durch“, meint Beha angesichts der Tatsache, dass bis zu fünf Teams absteigen können. „Wir brauchen die Punkte unbedingt und wollen sie auch holen“, sagt TSV-Trainer Tim Graf. Mal sehen, wer diemsal das Zünglein an der Waage sein wird.

Die Ausgangslage vor dem Lokalduell


Der eine muss, der andere möchte gerne gewinnen. So könnte man die Konstellation zwischen dem TSV Blaustein und der TSG Söflingen heute Abend um 20 Uhr in der Blausteiner Lixsporthalle gut beschreiben. Die Söflinger wähnen sich mit 22:26 Punkten und Mittelfeldrang neun vermeintlich in Sicherheit, während die Blausteiner als Zwölfter mit 17 Pluspunkten gleichauf mit vier Teams auf den Abstiegsrängen 13, 14 und 15 sind. TSV-Trainer Tim Graf hofft durch diese Konstellation allerdings auf einen kleinen Vorteil: „Wenn sich das Spiel über den Kampf entscheidet, haben wir es mit der Drucksituation im Hinterkopf vielleicht etwas besser“, meint Graf. mha