Belgrad Sturmlauf des Gastgebers

Gleich acht Mal überlistete der Serbe Momir Ilic, der für Kiel aufläuft die kroatischen Torhüter, hier Mirko Alilovic. Foto: dpa
Gleich acht Mal überlistete der Serbe Momir Ilic, der für Kiel aufläuft die kroatischen Torhüter, hier Mirko Alilovic. Foto: dpa
SWP 28.01.2012
5000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz, um dem Handball-EM-Halbfinale zwischen Serbien und Kroatien (26:22) das Gift zu nehmen.

Der Gastgeber der Handball-Europameisterschaft, Serbien, steht nach einem 26:22-Sieg über den nicht geliebten Nachbarn Kroatien im Finale gegen Dänemark (siehe Extra-Artikel). Aber welch Geschichte drumherum:. . .

Kräftige Polizeieinheiten bis hin zum Wasserwerfer sind in einer Stadt mit einem Kopfbahnhof nichts Neues. Jedoch: Als habe sich das serbische Militär, die Polizei des Balkanstaates und sämtliche anderen Sicherheitskräfte des Landes zu einem Betriebsausflug verabredet, so war Belgrad gestern Abend geprägt von Schutzschildern, behelmten Männern und Waffen, kugelsicheren Westen und Tarnanzügen. Es ging nicht um den Kopfbahnhof der serbischen Hauptstadt und dem Thema "Oben bleiben", sondern die Einheiten boten die Stirn den gefürchtet gewaltbereiten Hooligans am Rande des heißen Halbfinals der Handball-EM zwischen den serbischen Gastgebern und den Kroaten. "Wir empfehlen den Fans, nicht nach Belgrad zu kommen", hatte Zoran Gobac sogar noch gewarnt. Der zweite Vorsitzende des kroatischen Handball-Verbandes schob nach diversen Vorfällen die Begründung nach: "Wegen der Sicherheit und des Friedens in den Köpfen der Spieler." Einige Reiseunternehmen hatten tatsächlich die Busse noch vermutlich rechtzeitig gestoppt, dennoch waren bereits Stunden vor dem Spiel kroatische Anhänger rund um die 20 000 Fans fassende Arena zu sehen. Im weiteren Umkreis war den Kneipenwirten untersagt worden, Alkohol auszuschenken. Eine Schnapsidee, wie sich herausstellte. Aus ihren Rucksäcken präsentierten die Fans Bierdosen und andere alkoholische Getränke als wären es Trophäen und sangen sich auf eine Partie ein, die es in sich hatte: Ausgepfiffen - von der Hymne bis zum Schlusspfiff - versanken die Kroaten im Sumpf der Unsportlichkeit des Publikums, das Bengalos zündete. Linksaußen Ivan Nikcevic tat durch sein bekannt provozierendes Auftreten sein Übriges dazu, die Galerie auf den Rängen war am Toben.

Hellwach präsentierten sich die Kroaten um Routinier Ivano Balic dennoch und hielten zur Halbzeit einen 14:13-Vorsprung. Die mit dem künftigen Göppinger Torhüter Darko Stanic gut besetzten Gastgeber jedoch setzten sich vom 17:16 (39.) und 21:19 (48.) in einer aufgeheizten Atmosphäre Schritt für Schritt ab.

Beim 25:20-Vorsprung durch den überragenden Momir Ilic, der bekanntlich sein Geld beim Bundesligisten THW Kiel verdient, gelang dem Gastgeber schließlich der Einzug ins Finale dieser EM. Ilic brachte es am Ende beim glatten 26:22-Erfolg auf acht Tore. Bester Werfer bei den konsternierten Kroaten war Marko Kopljar (7 Treffer). Sie treffen nun im "kleinen Finale" morgen auf Spanien.

Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Serben auch noch verloren hätten. So blieben die befürchteten Tumulte aus - zumindest bis zum Andruck dieser Ausgabe. Ohne Gewähr.