Handball Späth: So kann es nicht weitergehen

Freude sieht anders: Diesen beiden Fans ist der Spaß nach dem 26:26-Heimremis von Frisch Auf Göppingen gegen den Bergischen HC ­gründlich vergangen. Foto: Peter Poller
Freude sieht anders: Diesen beiden Fans ist der Spaß nach dem 26:26-Heimremis von Frisch Auf Göppingen gegen den Bergischen HC ­gründlich vergangen. Foto: Peter Poller © Foto: Foto: Peter Poller
WOLFGANG KARCZEWSKI 10.10.2016

Es kommt selten vor, dass Frisch-Auf-Geschäftsführer Gerd Hofele nach einem Spiel seiner Göppinger Bundesliga-Handballer in der Kabine eine Standpauke hält. Und auch in der Pressekonferenz ergreift er nicht immer das Wort, sondern überlässt diese Aufgabe seinem Sportlichen Leiter Aleksandar Knezevic. Doch nach dem peinlichen 26:26 (15:8)-Heimremis gegen den Abstiegskandidaten Bergischer HC vor 4300 verärgerten Zuschauern in der EWS-Arena war dies „heute angebracht“, wie Hofele selbst feststellte.

Die Göppinger Profis hatten den ersten Durchgang gegen den BHC klar dominiert und ihre Führung vom 1:0 per Siebenmeter durch den besten Schützen Anton Halén (6/3) bis zum 15:8-Pausenstand kontinuierlich ausgebaut. Da nützte es den Gästen zunächst auch nichts, den reaktivierten Österreicher Viktor Szilagyi in der zwölften Minute aufs Feld zu schicken, der im Verlauf der Partie als Spielgestalter mit seiner Übersicht und seinen Anspielen allerdings zum überragenden Akteur avancierte. Auch die Herausnahme von Torwart Björgvin Gustavsson bei eigenen Angriffen trug in Hälfte eins keine ­Früchte.

Doch in den zweiten 30 Minuten brachen die Göppinger förmlich ein und mussten mit ansehen, wie der Bergische HC das Spiel an sich riss und mit einer 10:3-Serie in der 44. Minute zum 18:18 ausglich. Am Ende konnten die völlig verunsicherten Göppinger noch froh sein, dass sie nicht die dritte Heimniederlage im vierten Spiel kassierten. Linkshänder Jens Schöngarth rettete vier Sekunden vor Schluss mit seinem Treffer zum 26:26 den Schwaben wenigstens einen ­Zähler.

„Ich bin extrem enttäuscht und hochgradig unzufrieden“, sagte ein sichtlich geknickter Frisch-Auf-Geschäftsführer Gerd Hofele, „nach der Halbzeit haben wir unseren Spielbetrieb eingestellt. Konzentration, Willenskraft und Leidenschaft haben gefehlt. Das war eine katastrophale zweite Halbzeit.“ Für die Zukunft kündigte der Manager eine härtere Gangart an. „Künftig werden wir keine Undiszipliniertheiten mehr tolerieren.“

Mit dieser Aussage bezog sich Hofele auf die öffentliche Kritik von Linksaußen Marcel Schiller an Trainer Magnus Andersson, der dem Coach in einem Gespräch mit unserer Zeitung vorgeworfen hatte, dass sein taktisches System falsch sei. „Wir haben Schiller vor versammelter Mannschaft gesagt, dass es so nicht geht,“ erklärte Hofele, „jeder einzelne muss sich unterordnen und mehr einbringen als herausholen.“ Trotz des schwachen Saisonbeginns mit zwei Siegen, vier Niederlagen und einem Unentschieden stellt der Manager seinen Coach nicht infrage. „Es hat nie ein Ultimatum gegeben. Wir hatten mit Andersson zwei erfolgreiche Jahre gehabt. Natürlich hatten wir einen schlechten Start, aber deshalb machen wir doch keine Trainerdiskussion auf“, stellte Hofele unmissverständlich fest.

Unterdessen übten sich Trainer Magnus Andersson und seine Spieler in Erklärungsversuchen für den Einbruch in der zweiten Hälfte. „Das Team ist nach der Pause eingeschlafen“, konstatierte Andersson, „nachdem der Bergische HC immer näher herangekommen war, kam Unruhe bei uns rein. Außerdem hatten wir keine Waffen gegen das 7:6-Spiel der Gäste.“ Die Löwen aus dem Bergischen Land spielten im zweiten Durchgang bei eigenen Angriffen fast ausschließlich mit sieben Feldspielern und machten damit den Grün-Weißen das Leben schwer.

„Das war eine gefühlte Niederlage“, sagte Rückraumspieler Lars Kaufmann, „wir hatten eigentlich alles im Griff, aber als der BHC aufholte, waren wir alle verunsichert.“ Seinem Kollegen Daniel Fontaine fehlten nach dem desaströsen Einbruch „einfach die Worte“. Deutlich wurde Kapitän Manuel Späth: „So etwas darf uns nicht passieren. Wir haben den Kopf verloren und einfache Fehler gemacht, da muss sich jeder an die eigene Nase ­fassen. Es muss jedem bewusst sein, dass es so nicht weitergehen kann.“

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