Handball, 3. Liga Sinisa Mitranic baut auf Medizinbälle

Gestenreich erklärt der neue TVN-Trainer Sinisa Mitranic seinen Schützlingen seine Idee vom Handball. Quentin Abadie (rechts, mit Ball) muss eine Aktion kurz unterbrechen, um sie wunschgemäß auszuführen. Links schauen Lukas Fischer und Daniel Reusch zu.
Gestenreich erklärt der neue TVN-Trainer Sinisa Mitranic seinen Schützlingen seine Idee vom Handball. Quentin Abadie (rechts, mit Ball) muss eine Aktion kurz unterbrechen, um sie wunschgemäß auszuführen. Links schauen Lukas Fischer und Daniel Reusch zu. © Foto: Eibner
Neuhausen / Alexander Mareis 12.01.2018

Ebenso wie im Pfullinger Lager ist auch beim TV Neuhausen die Anspannung vor dem Derby der 3. Handball-Liga Süd am Samstag (20 Uhr, Kurt-App-Halle) groß. Mehr als 1200 Zuschauer werden dann auf den Rängen der direkt an der Echaz gelegenen Sportstätte mitfiebern und den bisherigen Zuschauer-Saisonrekord von 1200 aus dem Hinspiel am 1. Dezember in Neuhausen sogar noch leicht übertreffen.

Beim TVN fängt man in gewisser Weise wieder von vorne an. Nach zwei Partien unter Interims­trainer Markus Bühner, der den glücklosen Anel Mahmutefendic nach 13 von 30 Spielen und 10:16 Punkten ablöste, hat nun Sinisa Mitranic das Sagen.

Ein Mann, der als Handballtrainer eigene Vorstellungen und Philosophien hat - und dabei durchaus Unterschiede zu seinen Vorgängern aufweist. Mahmutefendic vertraute vor allem der 6:0-Abwehr und hatte in der Saisonanfangsphase betont: „Zwar gilt mein Hauptaugenmerk dem 6:0, aber wir sind variabel, können je nach Spielsituation und Gegner auf ein 5:1 umschalten. Das 3:2:1, welches die Neuhäuser in den Vorjahren praktizierten, wird man bei mir vermutlich eher selten sehen.“

Ob es daran lag, dass der Niederländer mit bosnischen Wurzeln im Ermstal sein sportliches Glück nicht fand? Immerhin: Als Markus Bühner am 1. Dezember debütierte, ließ er gegen den VfL Pfullingen im Derby auch mit einem 6:0 beginnen. Und der TVN kam überhaupt nicht auf Touren, steuerte einer Heimpleite entgegen. Zur Pause lag man mit 7:9 zurück, in der 38. Minute sogar mit 8:13. Selbst in der 54. Minute beim Stand von 15:17 sprach noch vieles für einen Pfullinger Sieg, ehe der TVN in den letzten sechseinhalb Minuten keinen einzigen Gegentreffer mehr kassierte und mit 19:17 die Oberhand behielt.

3:2:1 als Wunderwaffe

Zweifellos waren die beeindruckenden Einzelleistungen von Torhüter Simon Tölke und Rückraumwerfer Lukas Fischer wichtige Siegfaktoren, der Umstellung auf ein 3:2:1 im zweiten Durchgang maß man im Neuhäuser Lager aber auch eine Bedeutung bei. „Ich konnte mit der Umstellung auf eine 3:2:1-Abwehrformation einen Akzent setzen“, merkte Markus Bühner an.

Sinisa Mitranic (49) will daran anknüpfen. Nicht, weil der TVN das 3:2:1 vor der Mahmutefendic-Ära lange praktizierte. „Ich habe schon immer aufs 3:2:1 gesetzt. Es gibt noch viel zu tun. Ich kann derzeit auch nicht allzu viel verraten, weil wir definitiv noch Zeit brauchen werden. Für meinen Handball, den ich spielen lassen will, benötigt man aber auf alle Fälle mehr Kondition als meine Spieler gegenwärtig besitzen.“

Keine Kritik am Vorgänger

Diesen Hinweis auf die körperliche Verfassung der Ermstäler will Mitranic nicht als Kritik an der Arbeit seiner Vorgänger verstanden wissen. „Anel Mahmutefendic hat sicherlich gute Arbeit abgeleistet. Aber ich habe meine Vorstellungen. Als Spieler einst in der 2. Liga des damaligen Jugoslawien haben wir uns Kraft und Wurfstärke beispielsweise auch durch die Trainingsarbeit mit Medizinbällen geholt. Warum sollen es meine Spieler heute besser haben als ich früher als Spieler? Das ist harte Arbeit, aber es kann uns nach vorne bringen“, macht Mitranic klar.

Nachdem seine Mannschaft zweieinhalb Wochen Trainingspause nach der zweiten Partie unter Bühner (26:32-Niederlage am 9. Dezember gegen die SG Nußloch) hatte, war dem neuen Coach klar, dass er zunächst an der Fitness feilen würde. „Außerdem haben wir an der ersten und zweiten Welle geübt. Sechs Trainingseinheiten und ein Testspiel liegen jetzt hinter uns. Das ist zu wenig, um eindeutige Erkenntnisse zu haben“, macht Mitranic klar.

Gegen die zweite von ihm derzeit trainierte Mannschaft, die A-Jugendlichen des TSV Wolfschlugen aus der A-Jugend-Bundesliga, gewannen die Neuhäuser Drittligahandballer das erwähnte Trainingsspiel klar. Vorgestern Abend wurde eineinhalb Stunden in der Metzinger Öschhalle trainiert, gestern in Neuhausen und heute folgt der abschließende Übungsabend in der Hofbühlhalle vor dem Derby in Pfullingen.

„Ich will Tempohandball sehen. Abbremsen oder Verzögern ist nicht mein Ding, wenn man in Ballbesitz ist. Und um diesen Stil durchzuziehen, braucht man verdammt viel Kraft und Kondition“, lässt der bosnische Kroate keinen Zweifel an seiner Philosophie.

Eine Stammformation hat Sinisa Mitranic noch nicht gefunden. Wer die erste Sechs bildet, muss sich in den beiden abschließenden Trainingseinheiten zeigen. Das Gros der Truppe ist fit. Der langzeitverletzte Nick Witte trainiert zwar schon fleißig mit, und Mitranic bescheinigt dem Ex-Flensburger auch Talent und Trainingsfleiß. Das komplette Übungsprogramm kann der Linksaußen aber noch nicht mitmachen. „Ich setze Nick nicht unter Druck, habe ihn etwas geschont“, so Mitranic.

Keupp ist nicht topfit

Tim Keupp, der Ex-Pfullinger, muss um seinen Einsatz im Derby zittern. „Er hat Knieprobleme, ist nicht topfit. Es wird eng für Samstag“, sagt der TVN-Coach.

Seine Vorbereitung auf den VfL läuft auf Hochtouren. „Zwei Videos von Pfullinger Spielen habe ich schon gesehen, werde aber noch weitere anschauen. Wir sind ebenso wie der VfL topmotiviert. Es ist doch klar, dass keiner dieses Derby verlieren will.“

Mal sehen, mit welcher Überraschung der listige Handballtrainer vom Balkan die Echaztäler zu überraschen versucht. Ein zweites Mal wollen sich die Pfullinger vom Nachbarn aus dem Ermstal nicht düpieren lassen.

Mitranic rätselt über Leistungseinbrüche

Überhaupt nicht erklären kann sich Trainer Sinisa Mitranic, warum der TVN in der Vergangenheit so häufig um die 45. Minute herum leistungsmäßig einbrach. „Ich habe wirklich keine Ahnung.“ An tiefenpsychologische Dinge oder mentale Blockaden aufgrund der zurückliegenden Katastrophensaison in der 2. Bundesliga oder zu vielen Negativerlebnissen in der laufenden Runde will er nicht glauben. „Es muss doch möglich sein, all dies auszublenden und sich auf 60 Minuten Handball zu konzentrieren. Es geht doch immer von vorne los und jede Partie ist für sich zu betrachten.“

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