Handball SHB: Aufholjagd gegen Wernau kam zu spät

Jochen Gerstlauer 09.02.2015
Im Heimspiel gegen Württembergliga-Absteiger Wernau kassierten die Landesliga-Handballer der SG Herbrechtingen/Bolheim eine trotz vieler fragwürdiger Schiedsrichterentscheidungen verdiente 30:33-Niederlage. Zu harmlos agierte die SHB in der Abwehr.
In der Anfangsphase war eigentlich schnell klar, wie die Rollen an diesem Abend verteilt sein sollten. Während die Gäste deutlich offensiver und aggressiver in der Abwehr zu Werke gingen, war die Defensivformation der SHB über 50 Minuten zu harmlos in ihren Aktionen gegen die starke Rückraum-Achse der Wernauer.

In den ersten fünf Minuten bis zum 2:2 fanden Schütz und Konkel noch die Lücken in der Abwehr des Gegners, ehe durch einfache Kreuzbewegungen des HC die Abwehr der SHB ordentlich durcheinander gewirbelt wurde.

Der angeschlagene Torhüter Stängle wurde in der Anfangsphase zu oft von seinen Vorderleuten im Stich gelassen und Wernau zog auf 5:2 davon. Konkel verkürzte nach Zuspiel von Schütz, aber die Gäste erhöhten – begünstigt von technischen Fehlern der Hausherren – wieder auf 7:3. Die Ansprache von Jooß bei der folgenden Auszeit fiel entsprechend laut aus.

Bayik wurde fortan von Jooß auf den starken Spielmacher Bock zur Manndeckung angesetzt. Dies zeigte zunächst auch Wirkung. Wernau wurde im Angriff etwas unsicherer und dank des energisch aufspielenden Schütz sowie einem Kunstwurf des flinken Kresse Kreis nach Anspiel von Adam kamen die Gastgeber auf 5:7 heran. Ruoff per Gegenstoß nach herrlichem Pass von Stängle und Schütz, der beste SHBler in der ersten Halbzeit, hielten den Rückstand bei zwei Toren, ehe Wernau nach einer unberechtigten Zeitstrafe gegen Ruoff auf 12:8 davonziehen konnte. Vor allem Tremmel stellte mit seinen verdeckten Würfen die SHB-Abwehr vor erhebliche Probleme.

Adam gelang dann sein erster Treffer und Klotzbücher wurde vom mittlerweile im SHB-Gehäuse stehenden Seyfried zum Konter geschickt. Sein Kempapass auf Bayik weckte die Kulisse in der Bibrishalle auf und Gästecoach Ilitsch nahm nun die Auszeit. Prompt fanden die Gäste wieder ins Spiel und zogen mit viel zu einfachen Toren kurz vor der Pause auf 17:11 weg. Wie entfesselt agierten die Rückraumakteure der Gäste die 15 der 17 Treffer in Hälfte eins erzielten. Kreisläufer Kresse verkürzte nach tollem Anspiel von Adam noch, ehe Seyfried mit tollen Paraden zumindest noch ein einigermaßen erträgliches Halbzeitresultat sicherte (12:17).

Zwar startete die SHB nach einem schnellen Gegenstoßtor von Ruoff gut in die zweite Halbzeit, aber Wernau antwortete prompt in Überzahl mit drei Treffern in Folge. Beim 13:20 sah es Düster für die Jooß-Sieben aus. Konkel von der Siebenmeterlinie und ein frecher Heber von Ruoff brachten die Hausherren zwar auf 15:20 in Schlagweite, aber Wernau spulte sein Pensum seelenruhig weiter herunter. Beim 16:23 war der alte Abstand wieder hergestellt und die Abwehr der SHB offenbarte nicht nur hier ungeahnte Schwächen im Blockverhalten.

Schütz und der mit Kinnverband spielende Kovacs bliesen dann mit ihren Rückraumknallern zum 19:23 zur vermeintlichen Aufholjagd. Aber die Gäste hatten wieder die passende Antwort parat. Die SHB ließ gute Chancen liegen und in der Abwehr wurde weiter zu harmlos agiert. Beim 19:27 war noch eine Viertelstunde zu spielen und die SHB in Unterzahl. Jooß stellte nach einer Auszeit die Abwehr auf 4/2 um – Weller und Bayik sollten den Spielfluss des HC früh stören. Doch auch dies brachte zunächst nichts.

Der ebenfalls angeschlagene SHB-Kapitän Schuler kam als dritter Torhüter an diesem Abend zum Einsatz und bei einer Überzahlsituation begann endlich die Aufholjagd. Es waren noch fünfeinhalb Minuten Zeit, um einen Sieben-Tore-Rückstand wettzumachen. Bayik aus dem Rückraum läutete die „Mission Impossible“ ein.

Youngster Weller zunächst von außen und dann per Gegenstoß zwangen Gästecoach Ilitsch zweieinhalb Minuten vor Ende beim Stand von 28:32 zur Auszeit. Endlich lief es bei der SHB, doch nun rann die Zeit davon. Schütz hämmerte das Leder noch zum 29:32 in die Maschen, und als Weller von außen sogar zum 30:32 einwerfen konnte, zeigte die Uhr noch 23 Sekunden. Eine offene Deckung bescherte den Gästen mit dem letzten Treffer zum 30:33 den verdienten Sieg gegen Gastgeber, die in der Faschingspause nun ihre Wunden lecken können.

SHB - Wernau 30:33 (12:17)
SHB: Stängle, Seyfried, Schuler; Schütz (6), Adam (1), Ruoff (5), Zeiher (1), Kovacs (3), Klotzbücher, Weller (3), Kresse (2), Konkel (5/3), Bayik (4)
Siebenmeter: SHB 4/3 – Wernau 5/3
Zeitstrafen: SHB 5 (Ruoff, Adam, Zeiher, Schütz, Kovacs) – Wernau  2
Zuschauer: 150