Vier Spieler gestrichen Ohne drei EM-Helden: Der EM-Kader der Handballer

Abwehrspieler Finn Lemke wurde von Handball-Bundestrainer Prokop nicht für die kommende EM nominiert. Foto: Sebastian Gollnow
Abwehrspieler Finn Lemke wurde von Handball-Bundestrainer Prokop nicht für die kommende EM nominiert. Foto: Sebastian Gollnow © Foto: Sebastian Gollnow
Von Nils Bastek und Eric Dobias, dpa 08.01.2018

Nicht nur bei Finn Lemke saß der Schock tief. Der Abwehrchef war einer der überragenden Akteure beim sensationellen EM-Erfolg der deutschen Handballer 2016 - bei der Mission Titelverteidigung in Kroatien muss er aber genau wie Fabian Wiede und Rune Dahmke zunächst zuschauen.

Alle drei Europameister strich Bundestrainer Christian Prokop überraschend aus seinem 16-köpfigen EM-Aufgebot. „Der Hauptgrund für die Entscheidungen ist ein taktischer. Weil an Einsatz, Hingabe und Auffassungsgabe hat es nicht gemangelt“, sagte Prokop. Ihr endgültiges Aus für das am 12. Januar beginnende Turnier ist das aber noch nicht.

Die Ausbootung von Abwehrchef Lemke hat bei seinem Vereinstrainer Michael Roth für Verwunderung gesorgt. „Auf solche Qualität ohne Not zu verzichten, wirft Fragen auf. Wenn einer das alles mitbringt wie Lemke und keine Verletzung hat, ist es schon fahrlässig“, sagte der Coach der MT Melsungen bei Sport1. Beim Hessischen Rundfunk zeigte er sich „sehr überrascht und ein bisschen schockiert“.

SCHOCK: Lemke galt als Abwehrboss der DHB-Auswahl und war nicht nur beim Sieg im EM-Finale gegen Spanien 2016 einer der zentralen Spieler. Jetzt muss der mit 2,10 Metern größte Spieler des DHB-Teams erstmal zu Hause bleiben. Auch die Nichtberücksichtigung von Wiede kam unerwartet. „Das war die schwierigste Entscheidung meiner bisherigen Amtszeit“, sagte Prokop. Wenig überraschend war dagegen, dass der Bundestrainer auch Youngster Marian Michalczik und Linksaußen Dahmke zunächst daheim lässt. Jedem von ihnen bleibt aber eine Hintertür.

NACHNOMINIERUNG: Denn Prokop könnte sie bei Bedarf während des Turniers nach Kroatien beordern. Bereits Anfang Dezember hatte er sein erweitertes EM-Aufgebot von 28 Spielern bekanntgegeben. Bis zu sechs Mal könnte er während der EM aus diesem Aufgebot schöpfen und Spieler entsprechend tauschen. So kann er theoretisch zweimal während der Vorrunde, zweimal während der Hauptrunde und weitere zweimal während des Finalwochenendes tauschen. Entsprechend könnte er auch beliebige Akteure aus seinem 16-köpfigen Aufgebot nach Hause schicken - beispielsweise wenn sich jemand verletzt.

WAHRSCHEINLICHKEIT: Ob Prokop aber tatsächlich jemanden wie Lemke zurückholt, bleibt abzuwarten. Der 39-Jährige favorisiert offenbar flexible Spieler, Lemke überragte im DHB-Team aber bisher als reiner Abwehrspieler. Sollte die Defensive während der EM wackeln, bleibt er eine Option. Wiede würde wohl nur zurückkommen, falls sich Kai Häfner oder Steffen Weinhold verletzen sollten. Theoretisch könnte der Bundestrainer auch Weltmeister Johannes Bitter nachnominieren. Der Torhüter befindet sich ebenfalls im 28er-Aufgebot und stünde bei einer Verletzung von Silvio Heinevetter oder Andreas Wolff bereit.

PAUSE: Für die anderen 16 EM-Spieler beginnt nun ein Kurzurlaub. Bis zum Abflug der DHB-Auswahl am Donnerstag von Berlin nach Zagreb dürfen sie in der Heimat entspannen. „Die sollen Kraft und Energie tanken im Kreis der Familie“, sagte der Bundestrainer. „Und ich hoffe, dass es dann eine längere Zeit in Kroatien wird.“