Vielen war vielleicht gar nicht geläufig, dass im Handball die Transferperiode noch läuft. Besser gesagt: Sie lief bis gestern. Und da hat Erstligist HC Erlangen noch einmal richtig zugelangt, fischte sich mit Nicolai Theilinger den Wunschkandidaten, der im Sommer eh ins Frankenland gewechselt wäre, aus dem Ermstal. Die Bestürzung bei den Fans des TV Neuhausen ist groß - wie erste Reaktionen im Internet zeigten.

Eigentlich wähnte man den Linkshänder noch in einem Vertragsverhältnis. In dem war allerdings eine Ausstiegsklausel verankert. Theilinger hätte den Verein im Sommer also sowieso verlassen, war sich mit den Erlangern handelseinig. Schon seit Anfang des Jahres bemühte sich der HCE um einen vorzeitigen Wechsel. Unmittelbar vor Transferschluss sind die Verantwortlichen des HC Erlangen mit einem finalen Angebot für die sofortige Freigabe von Nicolai Theilinger an den TVN herangetreten. Über die Höhe der Ablöse wurde Stillschweigen vereinbart.

"Die Entscheidung, ihn vorzeitig gehen zu lassen, ist uns alles andere als leicht gefallen. Es war jedoch auch der Wunsch von Nicolai, seinem zukünftigen Verein ab sofort beim Kampf um den Klassenerhalt in der ersten Handball-Bundesliga zu unterstützen. Gegen Zahlung einer wesentlichen Ablösesumme, die uns in die Lage versetzt, finanzielle Altlasten der vergangenen Jahre leichter zu bewältigen, haben wir das Angebot des HC Erlangen angenommen. Auch weil wir überzeugt sind, dass unsere Mannschaft stark genug ist, den vorzeitigen Weggang von ,Theile' aufzufangen", so TVN-Geschäftsführer Alexander Trost in der Pressemitteilung des Vereins. Theilinger kann im Frankenland sein Studium des Energie - und Ressourcenmanagements fortsetzen, außerdem hat sein Vater dort eine Firma.

"Das ist nicht schön. Aber nun müssen wir zeigen, dass wir ein funktionierendes Team sind", kommentierte Trainer und Sportdirektor Aleksandar Stevic den Wechsel. Das Beste müsse man daraus machen, außerdem verweist Stevic darauf, dass Theilinger auch in der Rückrunde der vergangenen Saison verletzungsbedingt nur eingeschränkt zur Verfügung stand.

Auf der rechten Seite herrscht beim TV Neuhausen nun aber, vor dem richtungsweisenden Spiel am Sonntag, 22. Februar, gegen Rostock, absoluter Notstand. Ralf Bader, neben Theilinger der Mann für die Position auf halbrechts, laboriert an einer Ellenbogenverletzung. Rechtshänder werden also aushelfen müssen, was im Handball freilich schon seit Urzeiten so gehandhabt wird.

"Ferdinand Michalik kann es, Daniel Wessig hat es auch immer wieder gespielt", sagt der Coach. Nicht ausgeschlossen, dass nun der A-Jugendliche Jan Reusch in den Kader aufrückt, der zuletzt schon vielversprechende Ansätze bei den Aktiven zeigen konnte.

Für den TV Neuhausen zählt bis zum Saisonende ausschließlich der Klassenerhalt. Von aktuell sechs Punkten Abstand darf man sich nicht blenden lassen. Ohne "Theile" wird es sicher nicht leichter, den immens anspruchsvollen März mit einer Serie von schweren Auswärtsspielen zu überstehen.