Frauenhandball, Bundesliga Nicht konsequent zu Ende gespielt

Anna Loerper war nicht zu bremsen. Zwölf Tore wurden für die Spielmacherin der TuS Metzingen in Nellingen notiert.
Anna Loerper war nicht zu bremsen. Zwölf Tore wurden für die Spielmacherin der TuS Metzingen in Nellingen notiert. © Foto: Eibner
Nellingen / Von Wolfgang Seitz 27.12.2017
Die TuS Metzingen gewinnt das Derby in der Frauenhandball-Bundesliga beim TV Nellingen mit 35:31 (18:12).

Das geht sicher noch besser. Die TuS Metzingen hat sich am Mittwochabend im Derby  beim TV Nellingen wie erwartet durchgesetzt. Der 35:31-Sieg stellt aber nur bedingt zufrieden, weil es lange nach einer deutlicheren Angelegenheit ausgesehen hat. Nach dem 21:29 (49.) kippten die TusSies aber ein bisschen aus der Spur, ohne allerdings den Gastgeberinnen die Gelegenheit auf eine Komplett-Wende zu offerieren. Am 13. Januar trifft man sich an gleicher Stelle wieder in Sachen Pokal.

Gute erste Hälfte

In der ersten Halbzeit gab es wenig auszusetzen am Auftritt der TuS Metzingen, die nach 0:2-Rückstand flugs die Spielkontrolle erlangte und Nellingen alle Wege zum Tor zustellte. Selbst nutzte man jede Gelegenheit zu schnellen Angriffen, die es dank etlicher Balleroberungen zuhauf gab. Isabell Roch zeigte zwischen den Pfosten wieder eine ganz feine Leistung, schickte Marlene Zapf in der achten Minute per Harpune auf die Reise. Aufbauend auf dieses 3:6 legte die TuS konsequent nach, führte nach 13 Minuten 10:3, getroffen hatte Julia Behnke per Gegenstoß. Sehr auffällig agierte in der ersten Hälfte Anna Loerper, die mit sechs Treffern beste Torchützin vor dem Wechsel war, zielsicher in die Lücken stieß, die sich im Nellinger Defensivverbund auftaten. Der Halbzeitstand von 12:18 ging vollkommen in Ordnung, die TusSies leisteten sich gar den Luxus, einige Möglichkeiten zu verschmähen.

Anna Loerper blieb nach Wiederanpfiff auf dem Gas, hatte bis zum 16:23 (40.) weitere vier Mal getroffen. Die TuS operierte mit einer 5:1-Deckung, an deren Spitze Delaila Amega für Unruhe sorgte. Auffällig war die Anfälligkeit der TusSies bei Anspielen an den Kreis, wo Nellingen meist mit dem Doppel Schoeneberg/Issifou auftauchte. Einiges wurde in den Nahwurfbereich durchgesteckt, auch bei personeller Überzahl der Pink Ladies.

Das war aber kein großes Problem, schließlich traf man auch selbst recht beständig, Monika Kobylinska beispielsweise im Doppelpack zum 19:28 (46.). Ab dem 21:29 von Annika Ingenpaß (49.) verringerte sich der Vorsprung sukzessive. Und das war nicht alleine der Verdienst von TVN-Keeperin Anna Bocka. Ihre Mitspielerinnen nahmen dankend sämtliche Angebote an, die ihnen offeriert wurden. Sei es per technischer Fehler, vergebenen Chancen oder Lücken in der Abwehr. Auf Anna Loerpers zwölften Treffer mittels Siebenmeter zum 29:35 (59.) betrieb Nellingen noch doppelte Ergebniskosmetik bis zum 31:35-Endstand. Der Sieg war nie in Gefahr, so etwas kann aber auch ganz bös ins Auge gehen.

Genauso sahen es die Protagonisten, zum Beispiel Torhüterin Isabell Roch: „In der Abwehr haben wir in der zweiten Halbzeit nachgelassen. Zudem haben wir vorne nicht mehr so konsequent abgeschlossen und dann kommt eines zum anderen. Es kann nicht unser Anspruch sein, so zu spielen. Das müssen wir gegen Göppingen am Samstag auf jeden Fall besser machen.“ Maren Weigel zum Spiel: „Nellingen hat vor allem in der zweiten Halbzeit sehr gut gekämpft und ist dadurch rangekommen. Wir waren dafür im Angriff und in der Abwehr zu unkonzentriert und haben einfache Tore ermöglicht. Deswegen wurde es zum Schluss nochmals eng, aber nichtsdestotrotz haben wir zwei Punkte geholt. Das ist das wichtigste.“

Trainer René Hamann-Boeriths: „Ich bin sehr froh, dass wir zwei Punkte geholt haben. Aber wenn wir die Leistung anschauen, war es kein gutes Spiel von uns. In der ersten Halbzeit war die Abwehr okay, aber in der zweiten waren wir ganz schlecht. Das muss ich teilweise auf meine Kappe nehmen, da wir versucht haben, mit einer 5:1-Formation mehr Bälle zu gewinnen. Das klappte zwar zu Beginn, aber in der Folge haben wir das nicht gut gespielt. Ein Sieg mit plus vier Toren das passt, aber Nellingen darf keine 31 Tore werfen. Das müssen wir wieder besser machen.“

So spielten sie

TV Nellingen gegen
TuS Metzingen

31:35

TV Nellingen: Wachter, Bocka - Schoeneberg (4), Wolf (4/1), Blanke (7/4), Ioneac (6), Degenhardt (1), Ahlin (1), Gera (3), Stuttfeld, Issifou (3), Stockhammer, Jäger (2)
TuS Metzingen: Jankovic, Roch - Zapf (3), Amega (1), Kobylinska (6), Loerper (12/4), Minevskaja (1), Karlsson (1), Ingenpaß (1), Großmann (3), Weigel (1), Obradovic (1), Beddies (2), Behnke (3)
Siebenmeter: 6/5 (Wolf scheitert) - 5/4 (Minevskaja scheitert)
Zeitstrafen: Wolf, Blanke (2), Degenhardt (2) - Kobylinska, Weigel
Schiedsrichter: Maike Merz, Tanja Schilha (Oberleuningen, Friedrichshafen)
Zuschauer: 754

Die Titeljagd in der Porsche-Arena

Kurz vor dem Jahreswechsel müssen die TusSies noch einmal ran, begeben sich am Samstag (20 Uhr) in der Stuttgarter Porsche-Arena auf Titeljagd gegen den Nachbarn von Frisch Auf Göppingen. 6157 Zuschauer konnten im vergangenen Jahr gegen den TV Nellingen an gleicher Stelle begrüßt werden – neue Rekordmarke im deutschen Frauenhandball. Ein klein bisschen Luft nach oben bleibt: 6211 passen rein. Wobei man es bei der TuS Metzingen nicht so verbissen sieht. „Über 5000 Zuschauer sind schon ein Erfolg. Es soll ein Fest für den Frauenhandball werden“, sagte TuS-Manager Ferenc Rott vor Wochenfrist.
Aktuelle Zahlen weisen darauf hin, dass seinem Wunsch entsprochen wird. „Es lief über und kurz nach Weihnachten ganz gut“, äußerte sich Christoph Kalf, Assistent der Geschäftsführung, gestern. Bis zum Abend war er sich sicher, würde die Marke fallen. Für ein Handballfest ist also gesorgt, Karten gibt es aber auch noch. Das ist die wohl wichtigste Botschaft. An der Abendkasse werden Kurzentschlossene garantiert fündig, online sowieso. „Da haben wir vergangenes Jahr noch 600 Tickets verkauft. Von Göppingen ist bekannt, dass die Zuschauer wenig im Vorverkauf ordern, weil es in der Halle immer Platz gibt. Da wird also noch einiges gehen. Zweitligist Waiblingen, der das Vorspiel gegen Gröbenzell bestreitet, hat gar kein Online-Ticketing.“ Christoph Kalf blickt dem Samstag optimistisch entgegen. Die Pink Ladies werden Stuttgarts gute Handball-Stube erneut rocken – ob mit oder ohne Rekord. wose.          

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