Alles blickt auf Berlin, wo Deutschland seine Vorrundenspiele bei der Heim-WM austrägt. Da gerät fast in Vergessenheit, dass auch im Süden Handball gespielt wird. Es überrascht ein wenig, dass München, das seit 1993 und dem Konkurs des TSV Milbertshofen keine Bundesliga-Handball mehr zu bieten hat, als Spielort ausgewählt wurde. Doch der Kartenvorverkauf gibt den Organisatoren recht. Obwohl das deutsche Team keine Partie in Bayern bestreitet, ist ein Großteil der Tickets bereits verkauft. „Es war die richtige Entscheidung, in die vier Zentren von Deutschland zu gehen und sich dabei von Handball-Traditionen zu befreien“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Neben Berlin im Osten der Republik und München sind Köln (Hauptrunde) und Hamburg (Halbfinale) die weiteren Spielorte in Deutschland. Auf die drei besten Teams der Gruppe B, die in der Olympiahalle ausgespielt wird, trifft die DHB-Auswahl dann in der Hauptrunde.

Die Spiele in München bieten mit Europameister Spanien, Kroatien, Island, Japan, Bahrain und Mazedonien durchaus brisante Duelle. Im Fokus stehen dabei zumeist die Trainer. So wird Dagur Sigurdsson, der Deutschland 2016 zum EM-Titel und Olympia-Bronze geführt hat, auf seine Heimat Island treffen. Der 45-Jährige trainiert seit zwei Jahren die Asiaten und soll diese für Olympia 2020 in Tokio fit machen. Kein leichtes Unterfangen, besteht die Mannschaft doch hauptsächlich aus Amateuren – die zudem noch überaus höflich sind. So hat Japan beispielsweise bei der WM 2017 die Fair-Play-Wertung gewonnen. „Da waren sie natürlich stolz“ berichtet Sigurdsson, der bei der deutschen Mannschaft das „Bad-Boys-Image“ eingeführt hat, und ergänzt: „Aber das wird nicht noch einmal passieren.“

Topduell am letzten Spieltag

Spanien, das im vergangenen  Januar seinen EM-Fluch besiegt hat und sich nach vier Mal Silber endlich den Titel sichern konnte, und der letztjährige Gastgeber Kroatien werden wohl am letzten Vorrunden-Spieltag den Gruppensieg unter sich ausmachen.

Mit dem Spanier Raoul Gonzalez, der außer Mazedonien auch den europäischen Spitzenklub Paris St.-Germain betreut, trifft ein weiterer Trainer in dieser Gruppe auf sein Heimatland. Gudmundur Gudmundsson ist zwar inzwischen wieder Nationaltrainer der isländischen Auswahl, bekommt es in München aber mit dem Bahrain zu tun, den er zuvor gecoacht und als Zweiter der Asienmeisterschaft zur WM geführt hatte. Das Team aus dem Golfstaat wird mittlerweile von Aron Kristjansson trainiert – einem weiteren Isländer.