Leitartikel Wolfgang Karczewski zu Frisch Auf Kein Platz für Träume

Göppingen / Wolfgang Karczewski 13.10.2018

Seit 100 Tagen steht Hartmut Mayerhoffer beim Handball-Bundesligisten Frisch Auf Göppingen auf der Kommandobrücke. Seine Bilanz fällt zufriedenstellend aus. Einem unerwartet starken Saisonstart mit vier Siegen in fünf Spielen folgten drei Niederlagen hintereinander. Wer nach Saisonbeginn ernsthaft davon geträumt hatte, dass die Grün-Weißen nun mit den Großen der Liga mithalten könnten, wurde nach den jüngsten Punktverlusten eines Besseren belehrt.

Vor allem die Pleiten beim schwäbischen Nachbarn SG BBM Bietigheim und gegen den TBV Lemgo haben die Göppinger und ihre Anhänger auf den Boden der Realität zurückgeholt. Im jüngsten Spiel bei der MT Melsungen war allerdings trotz der 22:25-Niederlage wieder ein Aufwärtstrend zu sehen. Die Handschrift von Mayerhoffer, der basierend auf einer starken Abwehr auf Tempohandball setzt, war in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit schon zu erkennen. Weniger als 25 Gegentore im Schnitt pro Spiel bestätigen diesen Eindruck. Auch in der Offensive spielen sich die Göppinger viele Chancen heraus, die jedoch in mehreren Partien oft kläglich vergeben wurden. Nicht umsonst hat Frisch Auf den schwächsten Angriff der Liga.

Hier muss Mayerhoffer den Hebel ansetzen. Wenn die Abteilung Attacke nur annähernd an die Leistungen der Hintermannschaft herankommt, muss Frisch Auf vor den nächsten Auswärtsaufgaben in Gummersbach (Pokal), Wetzlar, Leipzig und Kiel nicht bange sein. Dennoch: Für Träume ist unter dem Hohenstaufen kein Platz. Auch unter Mayerhoffer wachsen die Bäume in Göppingen nicht in den Himmel.

Für das Management gilt es nun, mit kluger Transferpolitik die Weichen für die Zukunft zu stellen, schließlich laufen am Saisonende gleich sieben Verträge aus, wobei in Joscha Ritterbach bereits ein Akteur die Göppinger im Sommer definitiv verlassen wird. Vor allem auf der Torwartposition brauchen Geschäftsführer Gerd Hofele und Co. ein glückliches Händchen, denn ein starker Torhüter kann mitunter ein Spiel allein entscheiden.

Während in der Liga Ernüchterung eingekehrt ist, liegen die Vorzeichen im Pokalwettbewerb, glaubt man den grün-weißen Anhängern, anders: Bei einem Sieg in Gummersbach am Mittwoch und einem guten Viertelfinal-Los würde der erste Einzug ins Final Four seit 2011 winken. Ein bisschen träumen darf schließlich jeder Fan.

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