Bundesliga Kapitän Kneule für Entzerrung des Spielplans

Frisch-Auf-Kapitän Tim Kneule spricht sich sowohl für die Entzerrung des Terminkalenders als auch für eine längere Sommerpause aus. Allerdings bezweifelt der Regisseur, ob dies umsetzbar ist.
Frisch-Auf-Kapitän Tim Kneule spricht sich sowohl für die Entzerrung des Terminkalenders als auch für eine längere Sommerpause aus. Allerdings bezweifelt der Regisseur, ob dies umsetzbar ist. © Foto: Eibner
Göppingen / Wolfgang Karczewski 06.12.2018

Innerhalb von nur 50 Stunden bestreiten die Bundesliga-Handballer von Frisch Auf Göppingen zwei Heimspiele: Heute (19 Uhr/live auf Sky Sport 6 HD) gastieren die Eulen Ludwigshafen in der EWS-Arena, am Samstag (20.30 Uhr/live auf Sky Sport 1 HD) die Rhein-Neckar-Löwen. Auch die Kurpfälzer müssen heute um 19 Uhr (Heimspiel gegen den SC Magdeburg) ran. Geht es nach Maik Machulla, gehören solche Terminierungen bald der Vergangenheit an.

Der Trainer des Meisters SG Flensburg-Handewitt hat sich in der Handball-Woche für eine Entzerrung des Kalenders ausgesprochen. „Es kann nicht sein, dass wir am Donnerstagabend in Bietigheim spielen und am Samstag in Paris“, sagte er in dem Interview. Der Trainer sprach sich für eine 72-Stunden-Regel aus, sodass zwischen zwei Spielen mindestens drei Tage Pause sind. In Frankreich, dem, was den Klubhandball auf internationaler Bühne angeht, derzeit erfolgreichsten Land, wird diese Regel bereits angewandt.

Auch Frisch-Auf-Kapitän Tim Kneule würde die Einführung einer 72-Stunden-Regel begrüßen, wohlwissend, dass die Göppinger in dieser Saison von der engen Terminierung weit weniger betroffen sind als die Champions-League-Teilnehmer. „Ich verstehe Machulla voll und ganz“, sagt Kneule, „die Belastung für die Mannschaften, die in der Champions League spielen, ist extrem hoch. Es wäre absolut sinnvoll, den Spielplan zu entzerren. Eine bessere Vorbereitung auf die Spiele würde allen guttun“, ist der Mittelmann überzeugt. Allerdings bezweifelt Kneule, ob eine solche Regelung wegen der vielen Spiele und der Hallenbelegungen überhaupt umsetzbar ist.

Ähnliche Erfahrungen wie die Flensburger oder die Rhein-Neckar-Löwen haben die Göppinger in den vergangenen Jahren gemacht, als sie im EHF-Pokal durch ganz Europa tourten und zum Teil strapaziöse Reisen auf sich nahmen. Deshalb begrüßt Kneule das Vorpreschen Machullas. „Man muss so etwas ansprechen. Wenn man es nicht tut, passiert nichts“, erklärt der Frisch-Auf-Regisseur.

Eine Möglichkeit, die Regenerationsphasen der Profis zu vergrößern, hat Uwe Schwenker, Präsident der Handball-Bundesliga (HBL) ins Gespräch gebracht. Er plädiert dafür, die Sommerpause zu verlängern. „Im Moment sind es etwa drei Wochen. Das Doppelte ist mindestens notwendig, damit die Spieler wieder runterkommen“, forderte der HBL-Präsident im NDR.

Auch hier hat er die volle Unterstützung von Kneule. „Pausen sind genauso wichtig wie Training. Das braucht man, um leistungsfähig zu sein“, sagt er, „gefühlt wird der Urlaub immer kürzer. Das ist für den Körper eine extreme Belastung.“ Nach einer kräftezehrenden Saison nahm Kneule im vergangenen Sommer an der Japan-Reise der Nationalmannschaft teil. Wenig später bat der neue Göppinger Coach Hartmut Mayerhoffer wieder zum Training. „Das war eine kurze Erholung, das war schon hart“, erinnert sich der Spielmacher.

Ob Kneule auch bei der WM in Januar für Deutschland spielen wird, ist sehr fraglich, denn der 32-Jährige steht nicht im Aufgebot für das Länderspiel in der kommenden Woche gegen Polen. Kneule: „Die Chancen sind sehr gering, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.“ (mit sid und dpa)

Eulen ohne sechs Stammkräfte nach Göppingen

Personal Während bei Frisch Auf vor dem heutigen Spiel gegen Ludwigshafen nur hinter dem Einsatz von Allan Damgaard und Sebastian Heymann Fragezeichen stehen, ist das Lazarett bei den Eulen ungleich größer: In Azat Valiullin, Pascal Durak, Alexander Feld, Jan Remmlinger, Pascal Bührer und zuletzt noch Kreisläufer Max Haider stehen den Eulen gleich sechs Feldspieler verletzungsbedingt nicht zur Verfügung.

Statistik Die Göppinger Bilanz gegen das Schlusslicht könnte nicht besser sein: Frisch Auf gewann alle sechs Begegnungen mit den Eulen, deren Stammverein die TSG Friesenheim ist. Seit 2017 nennt sich die erste Mannschaft der Handballabteilung „Die Eulen Ludwigshafen“.

Krise Die Eulen haben auf die sportliche Talfahrt mit nur einem Sieg und zwei Unentschieden reagiert und sich am Dienstag mit sofortiger Wirkung von Geschäftsführer Marcus Endlich getrennt. Grund für die Entscheidung seien „unterschiedliche Auffassungen“, teilte der Klub mit. Lisa Heßler, bislang Prokuristin der GmbH, wurde zur neuen Geschäftsführerin berufen.

Kartenverkauf Für die Heimspiele am heutigen Donnerstag (19 Uhr) gegen die Eulen Ludwigshafen sowie am Samstag (20.30 Uhr) gegen Champions-League-Teilnehmer Rhein-Neckar-Löwen können Besucher ein Kombiticket kaufen, das 15 Prozent billiger ist. Diese Eintrittskarten gibt es nur in der Frisch-Auf-Geschäftsstelle und im Online-Ticketshop.

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