Belgrad Hoeneß, Hens und das Universum

THOMAS GRUBER 24.01.2012
Wer sich an die Beziehung des deutschen Sports zu Belgrad erinnert, der kommt an einer Tatsache nicht vorbei: 1976 verloren eben dort die Kicker mit dem Bundesadler auf der Brust das EM-Finale.

Ein zentrales öffentliches Fundbüro findet man in Belgrad nicht. Man kann also nicht mal zu einem gehen, um nach ihm zu fragen. Wo auch, wartet das Zentrum der Millionen-Metropole mit einer weltrekord-verdächtigen Dichte an Wettbüros und Glücksspiel-Kammern auf. Ausgelagert ist ein Fundbüro am Flughafen, aber dort geht es eher um verlorene Gepäckstücke als um Gegenstände, die in der Innenstadt verlustig gingen.

Und da sind wir bei einem Kernproblem: Vielleicht liegt es am Mangel eines Fundbüros, dass der Ball, den Uli Hoeneß 1976 beim Elfmeterschießen im Finale gegen die Tschechen in den Belgrader Nachthimmel drosch, bis heute nicht gefunden wurde. Dies ist mindestens ebenso bedauerlich wie der damalige Verlust des EM-Titels an die Tschechen. Hoeneß, der Metzgersohn aus Ulm und das Gesicht des FC Bayern, hatte ja einmal die Hoffnung geäußert, der Ball würde nach dem Balkan-Krieg bei den Aufräum-Arbeiten gefunden. Nichts wars.

Möglicherweise ist der Hoeneß-Kracher immer noch unterwegs und so wäre ein Hilfe-Ruf beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik im München-nahen Oberpfaffenhofen sinnvoll, schließlich kennen sich diese Spezialisten im Universum aus. Unlängst wurde gar eine zweite Erde namens Kepler 22b gefunden, vielleicht liegt ja dort das Leder mitten in einem Tor und Hoeneß hätte also doch irgendwie den Ausgleich. . .

Zurück ins Hier und Jetzt. Die deutschen Handballer bemühen sich aktuell sehr, die europäische Konkurrenz zu besiegen. Noch ist alles möglich bei dieser EM, auch wenn Kapitän Pascal Hens just in Belgrad an Uli Hoeneß erinnert. Nein, nicht äußerlich - da unterscheiden sich "Pommes" und die rote Bayern-Eminenz schon gewaltig. Während der Hamburger ein beachtliches Maß von 2,02 Metern aufweist, hörte Hoeneß das Wachsen wohl in schwäbischer Weitsicht bei normaler Körpergröße auf - ganz nach dem Motto: "Warum extra zahlen für XXL-Klamotten?" Wer die mitunter recht verzweifelt wirkenden Wurfversuche des Handball-Kapitäns zum Beispiel gegen den Gastgeber Serbien gesehen hat, der erkannte schon eine Ähnlichkeit zum Hoeneß-Fehlschuss. Ein Hens-Knaller aus dem Rückraum ging gleichermaßen hoch übers Tor - und das ohne gegnerische Einwirkung. Auch dieser Ball würde wohl noch über Jahre gesucht werden, böte Handball nicht den Vorteil, in der Halle gespielt zu werden. Die Feldhandball-Bundesliga wurde - Hens im Glück - bereits 1971 eingestellt.