TVN Harte Rote Karte: Wenn einfach zu vieles zusammen kommt

Torabschluss am Kreis: Daniel Reusch (vorne rechts, am Ball) setzt sich hier gegen Hüttenbergs Christian Rompf (links) durch. Jona Schoch (Nummer 9) schaut hinten zu. Foto: Eibner
Torabschluss am Kreis: Daniel Reusch (vorne rechts, am Ball) setzt sich hier gegen Hüttenbergs Christian Rompf (links) durch. Jona Schoch (Nummer 9) schaut hinten zu. Foto: Eibner © Foto: Daniel Reusch (am Ball) setzt sich hier gegen Hüttenbergs Christian Rompf (links) durch. Jona Schoch schaut hinten zu. Foto: Eibner
Metzingen-Neuhausen / Alexander Mareis 20.11.2016

Wenn man oben steht, hat man in entscheidenden Spielmomenten das Quäntchen Glück auf seiner Seite, ist dies nicht der Fall, schüttet Fortuna ihr Füllhorn eben auf der Gegenseite aus. Man sollte es sich bei der Spielanalyse aber nicht zu einfach machen. Und auch die TVN-Spieler gaben hinterher zu, dass einfach ihre Chancenverwertung und ihr anfängliches mangelhaftes Abwehrverhalten wichtige Gründe für die 27:29-Heimniederlage vor 843 Zuschauern in der Hofbühlhalle am Sonntagabend gegen den glänzend in der Tabelle dastehenden Aufsteiger TV Hüttenburg waren.

Doch die Unparteiischen Andreas Briese und Kim von der Beeck aus Köln-Longerich erwiesen sich nun wahrlich nicht als Heimschiedsrichter. „Ich will nicht in der Enttäuschung nach der Niederlage behaupten, dass die beiden Schiris grundsätzlich schlecht gepfiffen haben. Aber meiner Meinung nach haben sie ähnliche Aktionen auf beiden Seiten unterschiedlich bewertet. Uns haben sie zu extrem bestraft, während bei drei unserer Würfe mit gegnerischem Körperkontakt die Pfeife stumm und der eigentlich fällige Freiwurf verwehrt blieb. Hingegen wurde gegen unseren Kreisläufer Daniel Reusch drei Mal ein Stürmerfoul gepfiffen, als er mit gegnerischen Abwehrspielern in die Zweikämpfe ging“, meinte TVN-Trainer Aleksandar Stevic.

Die in der 40. Minute beim Stand von 20:20 verhängte Rote Karte gegen den Neuhäuser Strategen und Junioren-Nationalspieler Jan Reusch empfand nicht nur der „Sünder“ selbst als zu hart. „Ich komme von der Seite, vom Gefühl stehen wir aber zu dritt gegen den gegnerischen Spieler, der dann natürlich unglücklich auf den Rücken fällt. Ich denke aber, dass eine Zeitstrafe auch genügt hätte.“

Kurios: Der Gefoulte selbst, Hüttenbergs linker Rückraumspieler Tim Stefan, hatte die Disqualifikation von Jan Reusch gar nicht mitbekommen. „Ich lag am Boden und später fiel mir im Spielverlauf nicht auf, dass Neuhausen eine Rote Karte kassiert hatte“, so Stefan. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Im besagten Spielverlauf ließ nachlässiges Abwehrverhalten der Gastgeber Torhüter Magnus Becker in der ersten Viertelstunde schier verzweifeln. Erst als Trainer Stevic von einer 5:1-Deckung auf ein 3:2:1 umstellte, gelangen dem TVN-Keeper die ersten Paraden und die Mittelhessen, die sechs Mal bis zur 22. Minute mit jeweils zwei Toren vorne lagen, kassierten in der 27. Minute durchs Frederic Stübers 15:14 den ersten Rückstand und beklagten zur Pause sogar eine Neuhäuser 17:14-Führung.

„Meine junge Mannschaft wurde da aus der Bahn geworfen, nach der Neuhäuser Umstellung aufs 3:2:1 kamen wir nicht mehr so zum Zug. Hätte der TVN seine Chancen am Ende verwertet, wäre es für uns schwer geworden. Weil wir aber ruhig blieben und immer an den Erfolg glaubten, konnten wir die Punkte entführen“, meinte Hüttenbergs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson, der beide Vereine, deren Umfeld und Rahmengegebenheiten „als ähnlich“ empfindet. Neuhausen führte auch nach der Pause mit 18:14 (32.), 19:16 (35.) und 20:17 (37.), doch als der Gast wieder zum 20:20 (39.) ausglich, belauerten sich die beiden Rivalen wie zwei erschöpfte, angeschlagene Boxer. Zum entscheidenden Schlag holte letztlich der TV Hüttenberg aus, dem wie erwähnt die Schirientscheidungen in die Karten spielten. Aus 21:20 wurde ein 21:23 (47.) und auch ein Neuhäuser Kraftakt zur neuerlichen Führung von 25:24 (52.) durch den achtfachen Torschützen Jona Schoch verhinderte den Gästeerfolg nicht mehr.  Nach dem 27:27 durch den diesmal weniger durchschlagskräftigen Andreas Bornemann nach 58:17 Minuten setzten die Hüttenberger mit zwei Nadelstichen den Schlusspunkt.

Beim TVN fehlte gestern übrigens Torhüter Daniel Rebmann, der mit Frisch Auf Göppingen im EHF-Pokal bei Pfadi Winterthur mit 33:30 siegte. Ihn vertrat als zweiter Keeper Yannick Hölzl, der ansonsten beim Landesligisten TVN II zum Einsatz kommt.

So spielten sie

TV Neuhausen – TV Hüttenberg


27:29


TV Neuhausen: Becker, Hölzl (nur bei Siebenmeter) – Stüber (1), Sokicic (n.e.), Wahl (1), D. Reusch (4),Schoch (8), Klingler (5/1), Michalik (4/2), Witte, J. Reusch (1), Bornemann (3).
TV Hüttenberg: Ritschel (bis 11.), Schomburg (ab 11). – Stefan (6), Sklenak, Wörner, Lambrecht (2), Wernig (9/4), Rompf (2), Zörb (1), Fernandes (1), Johannsson (2), Roth, Mappes (6), Hofmann.
Siebenmeter: 3/5 (Klingler 1/2, Michalik 2/3) – 4/5 (Wernig 4/5).
Zeitstrafen: Wahl, D. Reusch, Michalik, Witte – Lambrecht, Rompf, Fernandes, Johannsson (2).
Schiedsrichter: Andreas Briese / Kim von der Beek (Köln-Longerich).
Zuschauer: 843.

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