Handball Handballer reise mit einem guten Gefühl zur EM

Steffen Fäth kann noch einmal zwei Tage ausspannen, bevor in Kroatien die Mission Titelverteidgung beginnt.
Steffen Fäth kann noch einmal zwei Tage ausspannen, bevor in Kroatien die Mission Titelverteidgung beginnt. © Foto: Oliver Schulz
Sebastian Schmid 08.01.2018

Nach der gelungenen Generalprobe ging es für die deutschen Handballer noch einmal nach Hause, bevor sich das Team auf den Weg zur Europameisterschaft macht. Bundestrainer Christian Prokop gab seinen Spielern dabei eine klare Anweisung mit: „Sie sollen Kraft und Energie im Kreis der Familie tanken. Es wird hoffentlich eine lange Zeit in Kroatien.“ Ein letztes Mal in Ruhe ausspannen, bevor es am Mittwoch von Berlin aus nach Zagreb geht, wo Deutschland als Titelverteidiger in der Vorrunde am Samstag auf Montenegro (17 Uhr/live im ZDF),  Slowenien (15. Januar) und Mazedonien (17. Januar, jeweils 18.10 Uhr) trifft.

Nach den zwei klaren Siegen gegen EM-Teilnehmer Island am Freitag in Stuttgart (36:29) und gestern in Neu-Ulm (30:21) tritt die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) die Mission Titelverteidigung laut Prokop mit „einem guten Gefühl“ an.

Eine erste schwere Entscheidung musste der 39-Jährige, für den die Endrunde in Kroatien das erste große Turnier als Nationaltrainer ist, gestern fällen. Anders als in den Jahren zuvor stehen alle Leistungsträger zur Verfügung, Prokop hatte also die Qual der Wahl und musste aus dem 20-köpfigen Aufgebot vier Spieler streichen. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff in der ausverkauften Neu-Ulmer Arena war für die Europameister Rune Dahmke (Kiel), Finn Lemke (Melsungen) und Fabian Wiede (Berlin) die Mission Titelverteidigung (vorerst) beendet. Außerdem wurde Marian Michalczik (Leipzig) aus dem Kader gestrichen. „Wir haben uns für 16 Spieler entschieden, nicht gegen vier“, sagte Prokop.

„Brutal ausgeglichenes Team“

Allerdings erinnerte der Bundestrainer daran, dass vor zwei Jahren mit Julius Kühn und Kai Häfner zwei Akteure erst während des EM-Turniers zum Team gestoßen waren, die in Polen einen entscheidenden Anteil am überraschenden Titelgewinn hatten. In Kroatien könnten bis zum Halbfinale insgesamt sechs Akteure nachnominiert werden.

Die Testspiele gegen Island haben noch einmal eindrucksvoll gezeigt, wie hart der interne Konkurrenzkampf dieses Mal war. Bis auf Michalczik, der lediglich im zweiten Spiel zu einem Kurzeinsatz kam, konnten alle Akteure auf dem Feld überzeugen. Egal in welcher Formation die deutsche Mannschaft auf dem Feld stand, sie hatte die Isländer im Griff. „Unsere Ausgeglichenheit ist brutal“, sagte der aus Schwäbisch Gmünd stammende Häfner, der sich seines EM-Tickets ebenfalls bis zuletzt nicht sicher sein konnte, am Ende aber den Vorzug vor Wiede erhalten hat.

Auf diese Ausgeglichenheit setzt Prokop auch im Turnier: „Wir wollen schwer ausrechenbar sein.“ Anders als beispielsweise Gruppengegner Mazedonien mit Kiril Lazarov ist Deutschland nicht auf einen Superstar angewiesen, sondern will als Team zum Erfolg kommen. Eine Formel, die vor zwei Jahren erfolgreich war. Keeper Andreas Wolff warnt jedoch: „Wir müssen in der Gegenwart leben.“ Viel frischer als das Wintermärchen von Polen ist ihm das WM-Aus im Achtelfinale gegen Katar vom vergangenen Jahr in Erinnerung. „Das ist ein Mahnmal, weil wir gegen eine Mannschaft verloren haben, die nicht besser war, als wir.“

Neben dem guten Gefühl und dem Selbstvertrauen aus den Island-Spielen reisen die „Bad Boys“ also mit einer angemessenen Portion Respekt in die kroatische Hauptstadt. Kiels Steffen Weinhold sieht durchaus anspruchsvolle Aufgaben in der Vorrunde, aus der drei Nationen in die Zwischenrunde einziehen und die Punkte aus den ersten Partien mitnehmen. „Solche Teams haben nicht die Breite im Kader, um acht Partien auf Topniveau zu bestreiten. Aber in den ersten zwei, drei Spielen sind sie heiß – und da treffen wir auf sie.“ Der Europameister ist also von Beginn an gefordert.

Rätselraten um Weltrekord

In der 47. Minute traf Gudjon Valur Sigurdsson gestern per Siebenmeter zum 14:22 aus Sicht der Isländer. Der Hallensprecher in Neu-Ulm verkündete, dass der 38-Jährige damit einen Weltrekord für Länderspiel-Treffer aufgestellt hat. Seine Teamkollegen gratulierten Sigurdsson herzlich. Allerdings ist gar nicht klar, ob es auch wirklich eine neue Bestmarke ist. Denn vor dem Spiel hieß es noch, dass dem Linksaußen in seinem 341. Länderspiel sieben Tore zum Rekord von 1798 Treffer fehlen. In Neu-Ulm erzielte er allerdings nur zwei Tore.  seb