Handball Handball: Schock für HBW Balingen/Weilstetten

Trainer Markus Gaugisch und der HBW Balingen/Weilstetten müssen wohl doch in die 2. Liga.
Trainer Markus Gaugisch und der HBW Balingen/Weilstetten müssen wohl doch in die 2. Liga. © Foto: Eibner
SEBASTIAN SCHMID & AGENTUR 26.06.2014
Die Hamburger Handballer haben in der dritten Instanz überraschend die Lizenz für die 1. Liga erhalten. Damit steht der HBW Balingen/Weilstetten als Absteiger fest. Fans machen ihrem Ärger im Internet Luft.

Der Schock beim HBW Balingen/Weilstetten saß am Mittwochabend tief. Kurz vor 21 Uhr gab die Handball-Bundesliga (HBL) bekannt, dass der HSV Hamburg in letzter Instanz doch noch die Lizenz für die 1. Liga bekommt. Damit steht der HBW als Absteiger fest. Das Team von Trainer Markus Gaugisch hatte die Saison als 16. und damit auf einem Abstiegsplatz beendet. Allerdings war dem HSV wegen massiver finanzieller Probleme sowohl von der Lizenzierungskommission in erster, als auch vom Präsidium der HBL in zweiter Instanz keine Lizenz erteilt worden.

Die Hanseaten zogen daraufhin vor das Lizenz-Schiedsgericht, das am Mittwoch nach achtstündiger Sitzung überraschend dem Champions-League-Sieger von 2013 die Spielgenehmigung "unter gravierenden Bedingungen und weiteren Auflagen", wie es in einer Mitteilung hieß, für die Handball-Beletage erteilte.

"Das ist ein absoluter Schlag ins Gesicht", sagte Bernd Karrer am Mittwochabend, "Ich bin konstatiert, unfassbar." Der HBW-Geschäftsführer verstand die Welt nicht mehr - und war damit nicht allein. Via Facebook verschafften die Handball-Fans aus ganz Deutschland ihrem Ärger Luft. Während die Balinger auf ihrer Seite von Fans aller Vereine die Unterstützung zugesagt wurde, war der Ton auf der Seite der HBL heftig. Dort wurden der Liga "mafiöse Strukturen" vorgeworfen und die Entscheidung als "lächerlich" oder "Skandal" tituliert.

Wie es beim HBW weitergeht, konnte Karrer am Mittwoch noch nicht sagen: "Das ist noch alles zu frisch. Ich muss erstmal drüber schlafen und einen kühlen Kopf bekommen. Wir werden aber nach allen Richtungen schauen, was wir machen können." Für den 53-Jährigen ist klar, dass der Handball in Deutschland mit dieser Entscheidung einen neuen Imageschaden erfährt: "Die Glaubwürdigkeit des deutschen Handballs leidet unheimlich darunter." Durch das Urteil würde dem unseriösen Wirtschaften "Tür und Tor geöffnet". Notfalls könne man sich ja wieder einklagen.

Damit geht die Hängepartie des HBW weiter. Stand Mittwochabend müssen die Balinger den Gang in die zweite Liga antreten. Allerdings muss der HSV nun schnell an Geld kommen. Bis zum 1. Juli (17 Uhr) müssen die Hamburger "liquide Mittel in Millionenhöhe nachweisen", wie HBL-Geschäftsführer Holger Kaiser mitteilte. Sollte das nicht gelingen, wären der HSV erneut raus und Balingen bliebe erstklassig. Allerdings schloss der langjährige Mäzen de Hamburger, Andreas Rudolph, eine finanzielle Hilfe aus. Der Medizintechnik-Unternehmer hat in den vergangenen zehn Jahren über 25 Millionen Euro in den Verein gepumpt.

Dass die Liga auf 19 Vereine aufgestockt wird, schloss Kaiser am Mittwoch aus. Karrer hat den Kampf aber noch nicht aufgegeben: "Man sieht ja - juristisch ist einiges möglich."