Handball Handball-WM: Auftaktgegner Korea auf Friedensmission

Koreas Kang Jeon gu beim Wurf.
Koreas Kang Jeon gu beim Wurf. © Foto: Jörg Carstensen/dpa
Berlin / Sebastian Schmid 10.01.2019

Der Ort des Geschehens könnte kaum passender und geschichtsträchtiger sein. Wenn Deutschland heute gegen ein gemeinsames koreanisches Team die Handball-WM eröffnet (18.15 Uhr/ZDF), dann befindet sich in Sichtweite der Arena die East Side Gallery. Was sich nach einer hippen Kunsthalle anhört, ist mit 1316 Metern das längste verbliebene Stück der Mauer, die Deutschland einst in Ost und West teilte und das Symbol des „Kalten Kriegs“ war.

Nur einen (kräftigen) Handballwurf entfernt treten nun 16 Süd- und vier Nordkoreaner gemeinsam bei der WM an. Um das zu ermöglichen, bog der Weltverbandspräsident Hassan Moustafa ein wenig die Regeln. So dürfen die Asiaten als einzige Nation mit einem 20-Mann-Kader antreten. Rein sportlich hat sich Südkorea als Dritter der Asienmeisterschaften qualifiziert. Nach dem Frauen-Eishockeyteam, das vergangenes Jahr bei den Olympischen Spielen angetreten war, sind die Handballer nun die erste vereinte Herren-Mannschaft der beiden Länder.

Garantie für Nordkoreaner

„Diese Spiel ist geschichtsträchtig und bringt viel Aufmerksamkeit für unsere Sportart“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Auch der (süd-)koreanische Trainer Cho Young Shin hob die politische Bedeutung der Partie hervor und verweist dabei auf die deutsche Vergangenheit: „Mit dem Fall der Mauer ist man den Weg des Friedens gegangen“, sagte er vor dem WM-Start in Berlin: „Deshalb möchten wir als gemeinsames Team zeigen, dass wir als Koreaner auch diesen Weg gehen können.“ DHB-Präsident Andreas Michelmann sieht in dem Auftritt des Teams, das unter dem Länderkürzel COR und einer weiß-blauen Flagge antritt, ein Zeichen: „Es ist nicht die Aufgabe des Sports, Gräben zu ziehen, oder wie ein Amerikaner meint, Mauern zu bauen, sondern diese niederzureißen und Brücken zu bauen.“ Zu der Partie werden neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und IOC-Präsident Thomas Bach auch 200 Mitarbeiter der beiden koreanischen Botschaften in der Arena erwartet.

Rein sportlich werden die Koreaner weniger nachhaltig agieren. Da helfen auch die zusätzliche Spieler im Kader nichts, zumal das nordkoreanische Quartett nicht unbedingt als Verstärkung zu sehen ist. Trotzdem kündigte Trainer Cho Young Shin angesichts der politischen Bedeutung schon einmal an: „Ich kann  versprechen, dass in jeder Partie mindestens ein Nordkoreaner zum Einsatz kommt.“ Das klingt ein wenig wie früher im Schulsport, als jedes Kind einmal den Ball berühren musste, bevor man ein Tor schießen dürfte, damit sich keiner benachteiligt fühlte.

Die deutschen Nationalspieler, die ganz klarer Favorit sind, warnen eher pflichtbewusst vor dem Auftaktgegner, als dass sie ernsthaft befürchten, gegen die Asiaten mit einer Niederlage ins Turnier zu starten. Dass es sich trotzdem um ein besonderes Spiel in einer geschichtsträchtigen  Stadt handelt, ist aber auch ihnen allen bewusst.

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