Handball Handball-WM: Ablenkung durch die Aussortierten

Tobias Reichmann steht auf Abruf bereit.
Tobias Reichmann steht auf Abruf bereit. © Foto: Marco Wolf
Berlin / Sebastian Schmid 12.01.2019

Ihre gute Laune nach dem 30:19-Auftaktsieg gegen Korea wollten sich die deutschen Handballer nicht verderben lassen. Mit Scherzen versuchten sie ein Thema wegzuschieben, das durchaus noch brisant werden könnte. Tobias Reichmann, der kurz vor dem Turnier aus dem WM-Kader gestrichen wurde, hat sich spontan in den Florida-Urlaub verabschiedet. Eine ungewöhnliche Aktion für einen Akteur, der als Einziger auf Abruf bereit steht, sollte sich Rechtsaußen Patrick Groetzki verletzen.

Bundestrainer Christian Prokop will sich mit dem Trip, der so sicherlich nicht mit ihm abgesprochen ist, nicht ablenken lassen. „Ich muss meine Energie in die 16 Mann stecken, die ich hier habe“, sagte der 40-Jährige, der darauf hofft, dass er mit diesen Akteuren – also ohne Verletzung – durch die WM kommt.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning konnte der Fernreise sogar etwas Positives abgewinnen: „Ich finde das sehr weitsichtig, bei den Schneeverhältnissen, die momentan in Süddeutschland herrschen, nach Florida zu reisen.“ Ganz so spaßig, wie dargestellt, ist die Situation allerdings nicht. Wie schnell ein aussortierter Spieler eine Rolle spielen kann, hat Reichmann bei der EM 2016 gesehen.

Als Steffen Weinhold sich verletzte, kam Kai Häfner kurzfristig nach Polen und warf die deutsche Auswahl mit starken Leistungen zum Titel. Auch im vergangenen Jahr bei der EM in Kroatien wurde der zunächst nicht berücksichtigte Finn Lemke nach zwei Partien nachgeholt.

Torhüter Silvio Heinevetter kann es ein Stück weit nachvollziehen, dass Reichmann so reagiert: „Klar, ist da Frustration dabei.“ Auch er ist der Meinung, dass der Linkshänder zur Not mit dem Flugzeug aus Florida schneller zurück ist, als mit dem Auto aus Italien.

Dass nach Michael Kraus, der Bundestrainer Prokop für die Nicht-Nominierung seines Stuttgarter Teamkollegens Johannes Bitter kritisiert hatte („Warum spielen nicht die besten Spieler für Deutschland?“), nun schon der zweite Akteur, der nicht im WM-Kader steht, für Unruhe sorgt, dürften sie beim DHB nicht witzig finden. Auch wenn sie darüber scherzen.

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