Handball WM 2019 Martin Strobel: Mit Sicherheit unverzichtbar

Ein eher seltener Moment: Regisseur Martin Strobel beim Torwurf.
Ein eher seltener Moment: Regisseur Martin Strobel beim Torwurf. © Foto: Engler/Nordphoto
Berlin / Sebastian Schmid 13.01.2019

Es ist kurios: Da bestreiten die deutschen Handballer eine WM im eigenen Land, der Verband erhofft sich dabei eine Medaille sowie einen Schub für die Sportart, für Bundestrainer Christian Prokop geht es um seinen Job – und die zentrale Rolle im Angriffsspiel wird mit Martin Strobel vom HBW Balingen/Weilstetten von einem Zweitligaspieler besetzt. Doch was auf den ersten Blick wie eine Notlösung erscheint, könnte sich als Coup erweisen.

Es ist kein Zufall, dass mit Strobel als Regisseur Deutschland 2016 Europameister wurde und bei Olympia in Rio Bronze holte. Nachdem der introvertierte Spielmacher seinen Rückzug aus der Nationalmannschaft verkündet hatte, folgten zwei enttäuschende neunte Plätze bei der WM und der EM. Ende Oktober überredete Prokop Strobel zum Comeback. Viel Überzeugungsarbeit war jedoch nicht nötig. „Wenn so ein Ereignis wie die Heim-WM ansteht, muss man nicht lange überlegen. Das ist für jeden Sportler das Größte“, sagte Strobel.

Beim der 34:21-Gala im zweiten Gruppenspiel gegen Brasilien zeigte der 32-Jährige, warum Prokop ihm vertraut. Während im Tor Andreas Wolff mit vier Paraden früh für die nötige Sicherheit sorgte, zog Strobel im Angriff die Fäden und verhalf dem DHB-Team zu einem souveränen 9:2-Start. Die Grundlage zu einem nie gefährdeten Erfolg. „Martin hat das Spiel fantastisch geleitet. Das war top, so wie ich es mir von ihm wünsche“, lobte Prokop.

Variables Angriffsspiel

Angeleitet von Strobel war der Angriff variabel. Die Außen um den zehnfachen Torschützen Uwe Gensheimer wurden ebenso eingebunden, wie die Kreisläufer oder die Rückraumspieler mit Steffen Weinhold. Der 32 Jahre alte Linkshänder weiß, was er an seinem Nebenmann hat. „Es ist ein großer Vorteil, dass er mit den meisten von uns schon oft zusammengespielt hat und uns gut kennt“, sagt Weinhold und ergänzt: „Martin macht sich viele Gedanken, wie er die einzelnen Spieler in die richtigen Positionen bekommt.“

Auch der Ex-Balinger Fabian Böhm, dem sich mit Strobel während der WM ein Zimmer teilt, lobt den Spielmacher: „Er gibt unserer Mannschaft eine unheimliche Sicherheit.“ Dass der Schwabe gegen die Topteams an seine Grenzen stößt, glaubt Böhm nicht: „Er hat in der zweiten Liga nichts an Qualität eingebüßt.“

Einer, der Strobels Spielstil maßgeblich geprägt hat, ist Rolf Brack, der ihn in dessen Anfangsjahren in Balingen trainiert hat. „Martins große Stärke ist die Spielsteuerung. Also mit der Mannschaft genau das zu spielen, was in der Situation sinnvoll ist“, erklärt der 65-Jährige. Den ersten Auftritt seines ehemaligen Schützlings gegen Korea sieht Brack kritisch: „Da hat er sich vier technische Fehler geleistet.“

Das ist aber auch der Umstellung geschuldet. Denn zwischen dem Punktspielalltag in der zweiten Liga und einer WM besteht halt doch ein Unterschied. „Das Tempo ist viel höher und das Spiel physischer“, erklärt Strobel. Auch der 141-fache Nationalspieler (162 Tore) musste erst ins Turnier finden.

Ein klassischer Spielmacher

Strobel ist ein „klassischer Spielmacher“, der anders als die modernen Rückraumspieler wie etwa Norwegens Sander Sagosen nicht eine permanente Torgefahr ausstrahlt. Für Brack das große Manko: „Er spielt manchmal zu uneigennützig, zu altruistisch.“ Allerdings trägt der Balinger die Last im Spielaufbau nicht alleine. Gegen Brasilien kamen auch die Berliner Paul Drux und Linkshänder Fabian Wiede auf der Mitte zum Einsatz. „Damit verfügt Prokop über drei Optionen, die in ihrer Variabilität ein Wettbewerbsvorteil werden können“, sagt Brack. Das DHB-Team ist somit schwerer auszurechnen. In Kombination ist die zentrale Position im Angriff also erstklassig besetzt – auch wenn Strobel „nur“ bei einem Zweitligisten spielt.

Nikola Karabatic stößt zum französischen Team

Anders als Deutschland hat sich Titelverteidiger Frankreich zum WM-Auftakt gegen Brasilien sehr schwer getan und nur knapp mit 24:22 gewonnen. Ein Auftritt mit Folgen: Nur einen Tag später holte Trainer Didier Dinart seinen Superstar Nikola Karabatic nach Berlin, der eigentlich wegen einer Fußverletzung für das Turnier abgesagt hatte. Beim 32:21 gegen Serbien kam der 34-Jährige nicht zum Einsatz. Die Fans freuten sich trotzdem, denn Karabatic nahm auf der Tribüne Platz, was zahlreiche Zuschauer nutzten, um sich mit dem dreimaligen Welthandballer fotografieren zu lassen oder sich ein Autogramm zu holen. Wann Karabatic das erste Mal spielen wird, verriet Dinart nicht.

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