Vierzig Minuten lang führten gestern in der EWS-Arena die biederen, aber lange effizienten Gäste vom TBV Lemgo gegen im ersten Durchgang mächtig enttäuschende Göppinger Profis. Doch die nie aufsteckenden Frisch-Auf-Handballer definierten sich nach dem Seitenwechsel neu und warfen angesichts ihrer Personalknappheit alles in die Waagschale, um mit ihrem Anhang am Ende einen noch deutlichen 34:27 (14:16)-Erfolg ausgiebig zu feiern. „Wir haben 120 Prozent gegeben und jetzt bin ich richtig stolz auf unsere Mannschaft“, freute sich der neunfache Torschütze Nemanja Zelenovic mächtig über die beiden Punkte und auf die nach viel Formularkram anstehende Familienzusammenführung mit Ehefrau Jovana und Söhnchen Vukan.

Erste Hälfte nicht vergessen

Während die Party in der Arena auf Hochtouren lief, hatte Trainer Hartmut Mayerhoffer den ersten Durchgang der Partie nicht vergessen: „Ich war mit der ersten Hälfte überhaupt nicht zufrieden, wir haben die Physis vermissen lassen und zu viele, auch einfache Tore kassiert, vorne kamen wir nicht in ein druckvolles Spiel.“ Sein Team brockte sich mit großen Lücken im 6:0-Abwehrverbund einen dauerhaften Rückstand von bis zu vier Toren (10:14 in der 26. Minute) ein, im Angriff brachte Spielgestalter Josip Peric den stotternden Motor mit seinen regelmäßigen Aussetzern nie auf Drehzahl und viele der 4000 Zuschauer machten sich für die Frisch-Auf-Verantwortlichen schon Gedanken, wie es in dieser personellen Konstellation weitergehen soll. Parallel verabschiedeten sich beide Teams mit einem 16:14-Vorteil für die ebenfalls Verletzungs-gebeutelten Ostwestfalen in die Pause.

Variante verschafft Vorteil

Frisch-Auf-Trainer Hartmut Mayerhoffer und sein kleines Team, bei dem Srdjan Predragovic, Christos Erifopoulos und Till Hermann nur auf der Bank saßen, nahmen dem bereits besorgten Anhang aber alle Überlegungen ab. Schon vor dem Seitenwechsel kurz formiert, sollte die Offensiv-Variante mit drei Linkshändern, davon Nemanja Zelenovic und Nicolai Theilinger im Rückraum, der Schlüssel zu deutlich mehr Spielwitz und Torgefahr sein, dazu ersetzte Tim Sörensen nun Marco Rentschler auf Rechtsaußen. Elf Treffer dieses Trios waren genauso entscheidend auf dem Weg zum Erfolgserlebnis wie die nun kräftig zupackende 5:1-Abwehr und der dahinter „fantastisch haltende Daniel Rebmann“, wie Trainer Mayerhoffer befand, während sich Lemgos Geschäftsführer Jörg Zereike als ehemaliger Keeper ärgerte: „Wir müssen uns selber hinterfragen, wenn wir den Torhüter zum König schießen.“

Frisch-Auf-Fans sind begeistert

Die Frisch-Auf-Fans, die zunächst noch fünf ganz schlechte Minuten beider Seiten wegstecken mussten, hatten dafür aber ab der 35. Minute (15:18-Rückstand) richtig Spaß. Theilinger, Zelenovic und Marcel Schiller per Strafwurf stellten den Ausgleich her, während Christian Klimek nach einer Aktion gegen Kreisläufer Kresimir Kozina mit der Roten Karte auf die Tribüne geschickt worden war. Beim 20:19 (41.) sorgte der ebenfalls starke Tim Kneule für die erste Göppinger Führung, nach Sörensens 26:21 per Gegenstoß (50.) bot die Auszeit von TBV-Coach Florian Kehrmann richtig Zeit zum Feiern auf den Rängen. Nach einer torreichen Schlussphase landete Frisch Auf einen 34:27-Sieg und besitzt nun mit 11:11 Zählern ein ausgeglichenes Punktekonto.

„Unsere Umstellung in der Defensive und die zwei Linkshänder im Rückraum waren die entscheidenden Faktoren“, freute sich Hartmut Mayerhoffer anschließend über die aufgegangene Taktik und lobte Team und Fans: „Wir haben schon in der ersten Halbzeit die Unterstützung gespürt, anschließend war die Halle voll da. Meine Mannschaft gibt ihr letztes Hemd und hat sich selbst auf dem Dreck herausgezogen.“

FA Göppingen: Rebmann, Kastelic (n.e.); Theilinger (5), Kneule (5), Bagersted (1), Peric, Sörensen (3), Schiller (5/1), Rentschler (1), Predragovic (n.e.), Erifopoulos (n.e.), Hermann (n.e.), Zelenovic (9), Kozina (5).

TBV Lemgo: Wyszomirski (ab 44.), Johannesson; Elisson (7/1), Kogut (1), Guardiola, Carlsbogard (3), van Olphen, Theuerkauf (5), Zerbe (1), Schagen (2), Cederholm (5), Hangstein (2), Klimek (1).

SR: Baumgart/Wild.

Zeitstrafen: 4:8 Minuten.

Rote Karte: Klimek (38./Lemgo).

Zuschauer: 4000.

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