Das Spiel war längst aus, nach Hause ging fast keiner der 4700 Zuschauer in der EWS-Arena. Nach dem glanzvollen 28:26 (17:13)-Sieg der Frisch-Auf-Profis über den Deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt wurde noch lange gefeiert und gelacht – so prächtig war die Stimmung in der Halle schon lange nicht mehr und jeder Spieler, der noch einmal aufs Parkett kam, wurde mit Szenenapplaus bedacht. „Auch mit Blick auf die Tabelle war es wichtig, dass wir mal wieder einen Großen und dann gleich den Meister geschlagen haben. Das macht mich stolz“, erklärte der Sportliche Leiter Christian Schöne, Geschäftsführer Gerd Hofele schnaufte hörbar durch. Schließlich blies dem Traditionsklub nach der Derby-Pleite vor Wochenfrist ein heftiger Wind ins Gesicht.

Frisch Auf im Vergleich zum Auftritt in Stuttgart nicht wiederzuerkennen

Vollbracht hatte die vom unerwarteten Erfolg gekrönte Energieleistung die Mannschaft von Hartmut Mayerhoffer, der die Diskrepanz zum Stuttgart-Auftritt nüchtern aufarbeitete: „Wir waren diesmal ausgeruht. Meine Führungsspieler müssen 60 Minuten durchspielen, da ist die Regeneration wichtig.“ Und der Frisch-Auf-Coach freute sich mit seinem Team mächtig, dass diesmal der Matchplan aufging: „Wir haben eine richtig, richtig gute Leistung gezeigt, alles investiert und in der ersten Hälfte auch spielerisch sehr stark agiert.“

Seine Truppe, ohne die Verletzten Heymann, Peric und Zelenovic, zeigte von Beginn an ein komplett anderes Gesicht als zuletzt und führte dank Einsatz und Willen nach fünf Minuten mit 4:1, Marco Rentschler hatte einen sehr schönen Spielzug abgeschlossen. Gleich darauf freute sich Daniel Rebmann hinter einer aufmerksamen Abwehr über seine bereits dritte Parade. „Wir haben uns unter der Woche zusammengesetzt und festgehalten, dass wir in Stuttgart nicht die Einstellung hatten, die für Siege nötig ist. Heute haben wir die Antwort gegeben und gezeigt, dass wir gegen jeden Gegner gewinnen können“, bilanzierte der unfassbar starke Frisch-Auf-Torhüter, der in der engen Schlussphase mit seinem Können zum entscheidenden Faktor werden sollte.

Die Mischung aus Spielfreude und Spielwitz im ersten Durchgang begeisterte die Göppinger Fans weiterhin, zunächst hielt nur Holger Glandorf die Gäste bei seinem letzten Auftritt unterm Hohenstaufen im Spiel. Dem Oldie blieb am Ende nur Kopfschütteln: „Die Göppinger waren einfach extrem kampfstark.“

Göppingens Kapitän Tim Kneule überragt mit acht Toren

Dabei ließen sich die Mannen um die beiden überzeugenden Kapitäne Tim Kneule und Jacob Bagersted auch von misslungenen Aktionen nicht ausbremsen. „Wir haben es geschafft, alle Vorhaben umzusetzen, haben extrem gut den Ball laufen lassen und sind immer im Spiel geblieben. Ich bin überglücklich“, hielt Kneule fest, der wie Pouya Norouzinezhad auf mehreren Rückraumpositionen agierte. Nach einem 10:6-Vorsprung ließen die Mayerhoffer- Schützlinge Flensburg zwar auf 9:10 herankommen, doch zur Pause wurde der starke Auftritt mit einer 17:13-Führung belohnt.

Nach dem Seitenwechsel kam Frisch Auf gleich wieder gut in den Rhythmus, setzte sich gar auf 21:16 (39.) ab. Beim 23:19 und einem übers Rebmann-Tor vergebenen Siebenmeter nahm SG-Coach Machulla eine Auszeit, die die Kempa-Kurve mit kollektivem Hüpfen feierte. Eine Überzahl-Situation wäre dann fast zum Stolperstein für die Grün-Weißen geworden, als der Motor eine knappe Viertelstunde vor Schluss plötzlich kräftig stotterte und der Meister Lunte roch. Doch die Gastgeber überstanden auch diese bangen Minuten, die beim 25:25 (56.) und 26:26 (59.) jeweils sogar im Flensburger Ausgleich mündeten. Daniel Rebmanns Glanztaten und die Treffer in Unterzahl von Ivan Sliskovic und Tim Kneule zum 28:26 machten schließlich den Göppinger Glanztag perfekt.

FA Göppingen: Rebmann, Kastelic (n.e.); Neudeck (n.e.), Theilinger (3), Kneule (8), Bagersted (1), Sliskovic (6), Sörensen, Schiller (6/2), Rentschler (2), Goller (n.e.), Hermann, Kozina (1), Norouzinezhad (1).

SG Flensburg: Buric, Bergerud (ab 26.); Golla (5), Glandorf (5), Wanne (2/1), Jeppsson (1), Jondal, Steinhauser (5/1), Heinl, Zachariassen, Sögard (4), Gottfridsson (4), Schöngarth, Jurecki.

SR: Immel/Klein.

Zeitstrafen: 8:4 Minuten.

Zuschauer: 4700.