Lange schwebte die Unsicherheit über der aktuellen Saison in der Handball-Bundesliga (HBL), gestern fiel die Entscheidung der Klub-Vertreter, den Schlussstrich zu ziehen. „Auch Frisch Auf hat mit ja gestimmt, die Vereine entschieden sich nahezu einstimmig für das Abbruchszenario“, erklärte Gerd Hofele, als Geschäftsführer der Göppinger und Vizepräsident Finanzen der HBL in doppelter Mission in das Urteil eingebunden. „Ich bin froh, dass wir Klarheit haben“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Weiß.

Frisch-Auf-Manager: Geisterspiele wirtschaftlich schädlich

Laut Gerd Hofele waren drei Punkte für die Entscheidung elementar: „Gesellschaftlich passt eine Fortsetzung der Saison nicht in die momentane Phase der Pandemie, wirtschaftlich sind Geisterspiele für den Handball sogar extrem schädlich und sportlich bräuchten wir erst einmal einen Trainingsbetrieb, aber es ist ja gar kein Körperkontakt zulässig.“

Für Frisch Auf bedeute der Abbruch nun, so weit nicht schon geschehen, den Kontakt mit den Sponsoren, Freundeskreismitgliedern und Dauerkartenbesitzern zu suchen, die endgültig um den Besuch von fünf Heimspielen gebracht sind. Der Traditionsklub hofft, dass die Fans auf die Rückzahlung der Tickets verzichten.

Göppinger Coach Mayerhoffer: Entscheidung alternativlos

Für Frisch-Auf-Trainer Hartmut Mayerhoffer war die gestrige Entscheidung der 36 Erst- und Zweitligaklubs, die Saison vorzeitig abzubrechen, alternativlos. „Als Sportler will man natürlich immer spielen“, betonte er, „aber es gibt keine andere vernünftige Alternative.“ Die Austragung von Geisterspielen wäre für den Göppinger Coach nicht in Frage gekommen. „Das ist für den Handball kein Thema“, meinte er, „wir sind auf die Zuschauereinnahmen angewiesen. Außerdem wäre der Aufwand, um die Durchführungsbestimmungen umzusetzen, ­immens.“

Seine beiden Kapitäne Tim Kneule und Jacob Bagersted beurteilen die Situation ähnlich. „Das ist schwierig, aber ich glaube schon, dass es die richtige Entscheidung war. Man muss schauen, dass sich die Zahl der Infizierten nicht noch mehr erhöht“, erklärte Kneule. Für die Fans sei der Abbruch allerdings „ein herber Schlag“. Jeder wünsche sich, dass man die Saison zu Ende spielt, schließlich wolle man sich sportlich mit anderen messen, aber es gehe leider nicht, muss nicht nur der Frisch-Auf-Regisseur ein­sehen. Kneule hofft, dass sich die Situation relativ schnell wieder entspannt, damit die Mannschaft gestärkt aus dieser Krise he­rauskommt.

Kapitäns-Kollege Bagersted ist deutlich pessimistischer. Er stellt in Frage, ob die neue Spielzeit mit dann 20 Mannschaften überhaupt nach der Sommerpause beginnen kann. „Das wissen wir alle noch nicht“, meinte der dänische Abwehrchef, „der worst case wäre für mich, wenn wir eine dreimonatige Saisonvorbereitung ohne Mannschaftstraining machen müssten.“

Auf allen Ebenen rückt nun die nächste Saison stärker in den Fokus. „Wir wünschen uns einen Start im September unter normalen Bedingungen“, gesteht Manager Hofele, „müssen aber die Entwicklung bis dahin voraussichtlich immer wieder neu bewerten.“ So würden auch bei der HBL in Arbeitsgruppen Themen wie die Spielplan-Gestaltung, dann mit 20 Mannschaften und deshalb vier zusätzlichen Spieltagen, bearbeitet, das letzte Wort sei aktuell auch beim DHB-Pokalwettbewerb noch nicht gesprochen.

Währenddessen hat Christian Schöne als Sportlicher Leiter mit der Planung vor Ort alle Hände voll zu tun. „Aktuell ändert sich für die Spieler erst einmal nichts“, weiß der ehemalige Frisch-Auf- Kapitän, „sie sind in Kurzarbeit und halten sich individuell fit.“ An Urlaub ist für die Leistungssportler auch trotz Saisonabbruch vorerst nicht zu denken. „Für uns ist jetzt wichtig, auf welchen Start-Termin planen wir hin, wie periodisieren wir die Vorbereitung, auch wenn natürlich alles auf wackligen Beinen steht. Wir haben nach wie vor mehr Fragen als Antworten.“

Entscheidungen in Frauen- und Jugendbundesliga gefallen


Frauen-Bundesliga Seit dem 18. März ist die Saison 2019/20 der 1. und 2. Liga der Handball-Bundesliga der Frauen (HBF) abgebrochen und wird nicht zu Ende gespielt. Auf Grundlage des Bundesratsbeschlusses des Deutschen Handballbundes (DHB) hat die HBF nun Entscheidungen zur Wertung der abgebrochenen Saison getroffen sowie Regelungen für die kommende Spielzeit aufgestellt. Zur Ermittlung der Tabellenplatzierungen wird dabei die Abbruchtabelle unter Zuhilfenahme der Quotientenregelung herangezogen. Aus der 2. Bundesliga steigen Buchholz-Rosengarten sowie Union Halle-Neustadt auf. Da es keine Absteiger gibt, wird die 1. Bundesliga für die Saison 2020/21 von 14 auf 16 Teams aufgestockt. In der Saison 2019/20 wird kein Deutscher Meistertitel vergeben, für die Endrunde um den DHB-Pokal wird eine Verlegung in die zweite Jahreshälfte geprüft.

Nachwuchs Auch die Jugendbundesliga und die ­Pokalrunde mit Frisch Auf Göppingen sind gestern vom DHB endgültig beendet worden.