Nach dem endgültigen Abbruch der Saison in der Handball-Bundesliga richtet sich bei Frisch Auf Göppingen der Blick nach vorne. Trainer Hartmut Mayerhoffer hofft, dass die nächste Saison wie geplant im September beginnen kann, wie er im Interview mit unserer Zeitung betont.

Herr Mayerhoffer, die Bundesliga-Saison wurde bereits vor mehr als sechs Wochen vorläufig abgebrochen. Jetzt folgte das endgültige Aus. Wie sieht seitdem Ihr Tagesablauf aus?

Hartmut Mayerhoffer: Ich bin zu Hause bei meiner Familie in Augsburg. Wir halten uns, wie es vorgegeben wird, viel in den eigenen vier Wänden auf. Man lebt etwas eingeschränkt, aber es gibt genügend zu tun. Es ist einiges liegen geblieben. Was das handballerische angeht, beschäftige ich mich aus Trainersicht mit der Analyse der bis zum Aussetzen der Liga stattfindenden Saison beziehungsweise mit der zeitlichen und inhaltlichen Planung der bevorstehenden Spielrunde.

Was geschah in den Tagen nach dem letzten Spiel in Hannover?

Schon unmittelbar nach der Rückkehr aus Hannover war offen, wie es weitergeht. Wir haben danach noch trainiert, aber es war schon abzusehen, dass ein Shutdown kommen könnte. Dann haben sich die Ereignisse überschlagen und es war klar, dass wir nicht mehr trainieren dürfen. Das letzte Training fand am Freitag nach dem Hannover-Spiel statt.

Der Zeitpunkt des vorläufigen Abbruchs traf das Team sportlich gesehen ziemlich hart ...

Richtig, wir waren sehr gut drauf, die Siege zuletzt gegen Flensburg und in Hannover waren absolute Highlights. Es wären noch attraktive Heimspiele zum Beispiel gegen Melsungen, die Rhein-Neckar-Löwen und Magdeburg gekommen. Alles interessante Spiele, aber das sportliche rückt in dieser Zeit natürlich in den Hintergrund.

Seit Karfreitag dürften Profisportler in Baden-Württemberg, beispielsweise Fußballer oder Handballer, unter strengen Auflagen wieder trainieren. Ist bei Frisch Auf Göppingen momentan an ein reguläres Training zu denken?

Nein, wir können leider nicht zusammen trainieren. Handball ist eine Vollkontaktsportart, deshalb macht das keinen Sinn. Außerdem befinden wir uns in Kurzarbeit. Die Spieler halten sich deshalb individuell fit.

Wo Sie gerade die Kurzarbeit ansprechen: Was hat diese für Konsequenzen?

Wir dürfen den Spielern keine Trainingspläne an die Hand geben. Alles beruht auf Freiwilligkeit. Da kommt es auf die Selbstdisziplin eines jeden an. Aber da habe ich überhaupt keine Bedenken und vollstes Vertrauen in die Eigenmotivation und Eigenverantwortung der Spieler. Jeder hält sich möglichst fit im Rahmen seiner häuslichen Möglichkeiten, ob das nun Laufen ist oder Kraftübungen. Ich weiß, meine Spieler sind in dieser Hinsicht sehr kreativ. Für einen Profisportler ist es nun mal wichtig, diese körperliche Fitness auf einem gewissen Niveau zu halten.

In der kommenden Saison wird in der Bundesliga mit 20 statt mit 18 Mannschaften gespielt, es gibt keine Absteiger, dafür steigen Coburg und Essen auf. Ist das aus Ihrer Sicht die richtige Entscheidung?

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Diese Lösung ist vernünftig, gerade wenn man die Situation der möglichen Absteiger bedenkt. Die kommende Spielzeit wird eine Übergangssaison werden. Wir haben zwar vier Spiele mehr, dafür könnte es aber sein, dass es im DHB-Pokal weniger Partien gibt. Darüber wird zumindest derzeit gesprochen.

Durch die Quotientenregelungen, die die Handball-Bundesliga an diesem Dienstag beschlossen hat, tauschen die Füchse Berlin und die Rhein-Neckar-Löwen die Plätze, sodass die Löwen in der nächsten Saison im EHF-Pokal antreten dürfen. Halten Sie die Quotientenregelung für ­gerecht?

Gerecht und ungerecht liegen in diesem Fall ganz nah beieinander. Es wird bei so einer Entscheidung immer Härtefälle geben, über die diskutiert werden könnte. Letztendlich musste aber ja eine Entscheidung seitens der HBL getroffen werden.

Die Corona-Krise wird uns noch eine ganze Weile in Atem halten. Glauben Sie, dass die kommende Saison regulär im September beginnen wird?

Die Bundesregierung hat bekanntlich entschieden, dass bis zum 31. August keine Großveranstaltungen mit vielen Zuschauern stattfinden dürfen. Ich persönlich hoffe natürlich, dass es bald wieder vor vollen Rängen in der Hölle Süd zu spannenden Handballspielen kommen wird.

Zur Person: Hartmut Mayerhoffer


Stationen Hartmut Mayerhoffer (50) besitzt bei Frisch Auf einen Zweijahresvertrag bis Sommer 2022, ist verheiratet und zweifacher Vater, seine Familie wohnt in Augsburg. Nach fünf Jahren bis Sommer 2018 bei der SG BBM Bietigheim in der ersten und zweiten Bundesliga suchte der ehemalige Zweitliga-Handballer des VfL Günzburg eine neue Herausforderung als Trainer und fand sie unterm Hohenstaufen, nachdem sich der Tradi- tionsverein am Ende der Saison 2017/18 von Rolf Brack getrennt hatte.