Die Profis von Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen haben ein schnelles Zeichen gesetzt: Die insgesamt 20 Spieler, die zum Kader zählen, verzichten samt Trainer in den Monaten März bis Juni auf große Teile ihrer Gehälter. Das Management hatte in den vergangenen beiden Tagen zunächst mit dem fünfköpfigen Spielerrat gesprochen, dann die ganze Mannschaft informiert und schließlich mit jedem Akteur individuelle Vereinbarungen getroffen. Geschäftsführer Gerd Hofele (Foto: Staufenpress) sprach von einer Solidarität, „die bei mir Gänsehaut verursacht hat“, bat aber auch um Verständnis, keine Zahlen nennen zu können. Ausgegangen werden kann aber von einem deutlich sechsstelligen Betrag. „Das bedeutet für Frisch Auf einen richtig großen, aber auch unbedingt notwendigen Schritt, weil uns in der aktuellen Situation ganz große Einschnitte treffen“, so Hofele, „wir sind ein Zuschauersport und haben derzeit keine Geschäftsgrundlage.“

Außenwirkung von Bedeutung

Der erfahrene Manager weiß um die Wirkung dieser Team-Entscheidung nach einem transparenten Gesprächsprozess: „Wir warten nicht nur auf staatliche Hilfe, sondern fangen bei uns selbst an. Die Mannschaft ist vorbildlich vorausmarschiert und hat ihren herausragenden Charakter bestätigt.“ Schließlich seien die Personalkosten der höchste Ausgabenposten, zugleich habe der Verein keine rechtliche Möglichkeit, die Gehälter einseitig zu beschneiden. „Wir müssen jetzt zusammenhalten. Gemeinsam mit allen Fans, Dauerkartenbesitzern, Zuschauern und Sponsoren sind wir bei Frisch Auf eine große grün-weiße Familie. Uns alle eint die besondere Verbindung zu diesem geilen und emotionalen Verein. Deshalb leisten auch wir Spieler unseren Teil zur Lösung dieser Krise“, teilen die beiden Spielführer Jacob Bager­sted und Tim Kneule mit. Hofele sieht mit diesem Angebot der Profis einen ersten Schritt im Konzept, die Corona-Krise zu überstehen, gemacht, allerdings müssten weitere Bereiche folgen.

Kurzarbeit bleibt ein Thema

So schickt Bundesligist SC Magdeburg seine Spieler in Kurzarbeit, Liga-Konkurrent MT Melsungen prüft derzeit ebenfalls, ob er einen Antrag auf Kurzarbeitergeld bei der Agentur für Arbeit stellen soll. Auch Zweitligist HSV Hamburg denkt laut über diesen Schritt nach. Für Gerd Hofele ist diese Option eine von vielen. „Natürlich ist Kurzarbeit allgemein in der Liga ein Thema“, bestätigt er. Das wurde auch bei einer erneuten Telefonkonferenz der Bundesligaklubs am Mittwoch deutlich. Alle Vereine müssten schauen, so Hofele, welche Möglichkeiten es gibt, den finanziellen Schaden bestmöglich abzufedern, schließlich gehe es um die Firma Frisch Auf Göppingen und die Arbeitsplätze.

Für alle Beteiligten ist das Thema völlig neu. In Göppingen sei er im Abstimmungsprozess mit diversen Personen, unter anderem mit dem Aufsichtsrat. Kurzarbeit sei für die Zweitligaklubs ein großes Thema, da dort die Gehaltsstruktur anders ist. Neben dieser Möglichkeit könnte man die Liquidität über staatliche Darlehen sicherstellen. In der Schweiz, hat Hofele erfahren, stellt die Berner Kantonalbank kleinen und mittleren Unternehmen finanzielle Hilfen zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen bereit. Den Unternehmen werden als Sofortmaßnahme 50 Millionen Franken mit Sonderdarlehen zur Verfügung gestellt.

Hoffnung auf Wiederaufnahme des Spielbetriebs

Der Geschäftsführer ist sich des Ernsts der Lage bewusst: „Wir haben massive Einschnitte, das hatten wir in dieser Form noch nicht.“ Seine Finanzplanung, die er im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens der Handball-Bundesliga (HBL) aufstellen muss, sei durch die Corona-Krise hinfällig. Die HBL hofft laut Hofele, die aktuelle Saison im Juni noch zu Ende spielen zu können, wichtiger aber sei, „dass wenigstens die neue Runde normal beginnen kann“. Für den Manager müsste ein Tag in diesen Zeiten eigentlich mehr als 24 Stunden haben, so intensiv ist er mit Frisch Auf und den Sorgen und Nöten des Klubs beschäftigt.

Nationalspieler muss zu Hause bleiben


Gesundheit Da sich Nationalspieler Jannik Kohlbacher mit dem Coronavirus infiziert hat, müssen alle Mannschaftskameraden aus der DHB-Auswahl in häusliche Quarantäne. Das betrifft auch Göppingens Linksaußen Marcel Schiller, der gemeinsam mit Kohlbacher am Lehrgang der Nationalmannschaft vergangene Woche in Aschersleben teilgenommen hatte.