Zum Glück ist Julius Kühn groß und kräftig. Der Rückraum-Hüne der Deutschen Nationalmannschaft hatte also kein Problem damit, sich durch lautes Klopfen in der Kabine bemerkbar zu machen. Dort war der 26-Jährige nämlich in der Halbzeit der Partie des deutschen Teams gegen Weißrussland bei der Handball EM in Österreich versehentlich eingesperrt worden. „Zum Glück steht vor den Kabinen immer ein Security-Mann. Und der ist dann auch gekommen und ich konnte befreit werden“, berichtete Kühn nach dem überzeugenden 31:23-Sieg des deutschen Teams. Mit dem ersten Erfolg der Hauptrunde kehrt so langsam auch die Lockerheit im deutschen Lager zurück. „Ich darf es gar nicht laut sagen, aber ich habe ihn zunächst gar nicht vermisst“, sagte Bundestrainer Christian Prokop schmunzelnd zu dem Vorfall.

Prokop fragt Kastening: „Wie heißt du?“

In der Vorrunde gab es schon einmal eine kuriose Szene beim deutschen Team, als Prokop in einer Auszeit den Namen von Timo Kastening vergessen hatte und den Rechtaußen plötzlich fragte: „Wie heißt du?“ Nach vier EM-Partien wird das dem Bundestrainer nicht mehr passieren. Kastening ist bislang der große Gewinner im deutschen Team.

Eigentlich ist der Rechtaußen vom TSV Hannover-Burgdorf nur als Nummer zwei hinter Tobias Reichmann zur EM gereist. Inzwischen hat er dem Europameister von 2016 den Stammplatz abgenommen. Gegen Weißrussland wurde Kastening mit sechs Toren und einer hundertprozentigen Trefferquote zum Spieler der Partie gewählt. Immer fing der 1,80 Meter große Außen die Pässe der Weißrussen ab und lief alleine aufs Tor zu.

Timo Kastening: Als DJ für die Musik in der Kabine zuständig

„Der schleicht sich da irgendwo bei seinen 1,50 Meter raus“, scherzte Teamkollege Uwe Gensheimer nach der Partie, als er auf Kastenings Qualitäten als Balldieb angesprochen wurde. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, wie der Team-DJ verrät (Kastening ist in der deutschen Kabine für die Musik vor und nach dem Spiel verantwortlich). „Ich schaue mir vor den Spielen Videos der Gegner an und schaue, wie ich am besten den Ball klauen kann.“ Wichtig ist dabei, dass er gleich beim ersten Mal Erfolg hat. „Dann wächst der Druck auf den Passgeber“, verrät Kastening.

Mit gerade einmal elf Länderspielen gehört der 24-Jährige zu den unerfahrenen Akteuren im Team. Auf der anderen Seite bringt er die Unbekümmertheit mit, die den deutschen Spielern bislang bei diesem Turnier abging und hat sich dadurch ganz schnell zu einem wichtigen Faktor im deutschen Spiel gemausert. Seinen Namen hat Bundestrainer Prokop nun auf jeden Fall jederzeit parat.