Wenn es nach Dänemarks Handball-Superstar Mikkel Hansen geht, dann kommt es am 27. Januar zu einem Wiedersehen mit seinem deutschen Vereinskollegen Uwe Gensheimer auf der größten aller Bühnen: dem WM-Finale vor eigenem Publikum.

„Es wäre natürlich etwas ganz Besonderes, gegen einen PSG-Mitspieler wie Uwe anzutreten“, sagte der 31 Jahre alte Rückraumspieler von Paris Saint-Germain über ein mögliches Finalduell der beiden WM-Gastgeber jüngst dem „kicker“.

Dänemark träumt von einem Wintermärchen, so wie es Deutschland 2007 erlebt hat. Dreimal hat das kleine Land bei Weltmeisterschaften bisher Silber gewonnen, auch bei EM und Olympia standen sie ganz oben - doch ein WM-Sieg ist den Dänen bisher immer verwehrt geblieben. Das soll sich in diesem Jahr ändern. Und die Chancen stehen gut.

„Die Vorfreude bei mir und in ganz Dänemark ist gigantisch. Wir sind alle aufgeregt, denn wir haben zum zweiten Mal nach der EM 2014 ein großes Turnier in unserer Heimat. Die WM wird riesig!“, sagte Hansen dem „kicker“. Er ist sich sicher: Die Spiele in Kopenhagen und Herning, den beiden dänischen Austragungsorten, werden allesamt ausverkauft sein.

Am 10. Januar startet Dänemark in Kopenhagen gegen Chile ins Turnier. Im Anschluss zieht das Team von Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen für die restlichen Vorrundenspiele nach Herning um, wo Tunesien, Saudi-Arabien, Österreich und schließlich das innerskandinavische Duell gegen Vize-Weltmeister Norwegen warten. Die sportbegeisterten Dänen, in deren Land Handball traditionell eine größere Rolle spielt als in Deutschland, werden in den Hallen überwiegend Rot tragen und ihre geliebte Nationalflagge, den Dannebrog, schwenken.

Als offizielles Ziel haben die Dänen wie auch die deutsche Mannschaft das Halbfinale ausgegeben. Die Fachleute sind sich aber einig: Jacobsens Team hat das Zeug zu mehr. Nicht nur Gensheimer zählt Dänemark zum engen Favoritenkreis. Der dänische Handballhistoriker Thomas Ladegaard sagte etwa dem Fernsehsender TV2, niemals habe sein Land eine größere Chance auf den WM-Titel gehabt als 2019.

„Das hier ist auf dem Papier vermutlich die stärkste dänische Mannschaft aller Zeiten“, sagte Ladegaard. Und nicht nur der Kader spricht für Dänemark, wie er sagt: Hinzu komme ein geschickter Trainer, der Heimvorteil und die Tatsache, dass Frankreich, Kroatien und Spanien in der anderen Turnierhälfte auftauchen - eben in der deutschen. Entscheidend sei aber vor allem ein Faktor: dass alle Topspieler verletzungsfrei durchs Turnier kommen.

So groß die Chance für Dänemark ist, so hoch ist der Erwartungsdruck. Über den sagt Starspieler Hansen: „Die Erwartungshaltung ist hoch, aber im Endeffekt machen wir uns den Druck nur selbst.“ Gleichzeitig räumt er ein: „Wenn du in einem entscheidenden Spiel fünf oder zehn Minuten schlecht spielst, bist du raus. So ist Handball.“

Genau diese Erfahrung haben die Dänen ausgerechnet kurz vor dem WM-Start machen müssen. Das zweite Testspiel gegen Ungarn ging mit 25:28 verloren, nach einem für die Dänen frustrierenden 8:16 nach der ersten Halbzeit. „Die erste Hälfte war erschreckend schlecht“, urteilte Jacobsen. Torwart Niklas Landin warnte laut der Zeitung „Jyllands-Posten“ im Anschluss: „Wir dürfen niemals selbstgefällig werden.“

Nicht nur die verpatzte Generalprobe macht Dänen-Coach Jacobsen Sorgen, sondern auch die Verletztenliste: Lasse Svan von der SG Flensburg-Handewitt musste während des Ungarn-Spiels ebenso behandelt werden, wie sein Flensburger Kollege Rasmus Lauge. Nikolaj Markussen, mit offiziellen 2,12 Metern der Leuchtturm im Team, laborierte zuletzt mit seinem Fuß, Mads Mensah von den Rhein-Neckar Löwen mit seiner Hand.

Hansen dagegen hatte zuletzt ein paar Tage frei bekommen, um vor dem sportlichen Höhepunkt einen ganz privaten zu erleben: Am Samstag kam sein Sohn Eddie Max zur Welt, wie er auf Instagram mitteilte.

Historiker Ladegaard bei TV2

Dänemarks vorläufiger Kader

Hansen auf Instagram

WM-Spielplan

Dänischer Handballverband