Über 70 Minuten hinweg hatten sie gekämpft, geackert und phasenweise geglänzt, doch einer hatte etwas dagegen, dass die Handballer von Frisch Auf Göppingen das Viertelfinale im DHB-Pokal erreichen: Andy Schmid. Mit wichtigen Treffern und Anspielen sorgte der Regisseur der Rhein-Neckar-Löwen in der Verlängerung dafür, dass die Grün-Weißen mit einer 34:36 (16:14, 29:29)-Niederlage im Gepäck die Heimreise antreten mussten und sich damit im Achtelfinale aus dem laufenden Pokalwettbewerb verabschiedeten.

„Die Chance hier zu gewinnen war noch nie so groß wie heute“, ärgerte sich Frisch-Auf-Kapitän Jacob Bagersted. Nicht nur für ihn, sondern auch für seinen Trainer Hartmut Mayerhoffer war Löwen-Mittelmann Schmid der Matchwinner: „Die überragende Spielführung von Schmid hat das Spiel mitentschieden. Er hat am Ende sehr abgezockt gespielt.“

Der 36-jährige Schweizer, von 2014 bis 2018 fünf Mal hintereinander zum besten Spieler der Liga gewählt worden, erzielte in der zwei Mal fünfminütigen Verlängerung drei Tore und glänzte mit starken Anspielen. Insgesamt zehn Mal trug sich Schmid in die Torschützenliste ein und war damit bester Werfer der Partie. Löwen-Kreisläufer Jannik Kohlbacher traf als zweitbester sieben Mal, ebenso wie Frisch-Auf-Linksaußen Marcel Schiller.

„Was soll man über Andy Schmid sagen?“, stellte Göppingens Kreisläufer Kresimir Kozina resigniert fest, „er ist seit zehn Jahren einer der besten Bundesligaspieler. Dennoch können wir stolz sein auf uns, schließlich sind die Rhein-Neckar-Löwen nicht irgendeine Mannschaft. Unsere Leistung war kein Zufall, sondern zeigt, wie stark wir sind.“

Die Göppinger, die auf Rückraumschütze Ivan Sliskovic verzichten mussten, dessen Oberschenkelverletzung aus dem vergangenen Spiel gegen den TVB Stuttgart sich als Muskelfaserriss entpuppt hatte, erwischten einen Traumstart. In der sechsten Minute netzte Rechtsaußen Tim Sörensen zum 5:1 ein. Die Vier-Tore-Führung hatte auch nach Sebastian Heymanns Treffer zum 10:6 in der 15. Minute Bestand. Danach fing sich der Favorit und kam mehrere Male bis auf ein Tor heran. Bereits in der 27. Minute erhielt Frisch-Auf-Abwehrchef Bagersted seine zweite Zeitstrafe. Dennoch ließ ihn sein Coach bis zum Schluss auf dem Feld. „Das war eine schwierige Situation. Ich musste Kohlbacher loslassen, wenn er am Kreis an den Ball kam, sonst hätte ich wieder eine Strafe kassiert“, erklärte der Däne. Doch Frisch Auf kam mit der Situation gut zurecht und führte zur Pause mit 16:14.

In der zweiten Hälfte hielten die Löwen, angefeuert von den 3753 Zuschauern in der SAP-Arena, dagegen, nutzten Göppinger Fehler und gingen in der 54. Minute durch Nationalspieler Patrick Groetzki mit 26:23 in Front. Das Spiel schien zu Gunsten der Löwen gekippt zu sein, doch Frisch Auf stemmte sich gegen den drohenden Pokal-K.o., und Linkshänder Nicolai Theilinger sorgte mit seinem Gewaltwurf zwei Sekunden vor Schluss für den 29:29-Ausgleich. In der Verlängerung mutierte Löwen-Regisseur Schmid endgültig zum Matchwinner.

Rhein-Neckar-Löwen: Appelgren, Palicka (ab 15.); Schmid (10/1), Gensheimer (4/1, Kirkelökke (2), Lagarde, Tollbring, Abutovic, Mensah Larsen, Fäth, Groetzki (6), Guardiola (1), Petersson (5), Nielsen (1), Ganz, Kohlbacher (7).

Frisch Auf Göppingen: Rebmann (48.-63.), Kastelic; Theilinger (3), Kneule (3), Heymann (6), Bager­sted, Peric (2), Sörensen (5), Schiller (7/1), Rentschler (n.e.), Predragovic (n.e.), Erifopoulos (n.e.), Hermann (n.e.), Zelenovic (2), Kozina (6).

SR: Blümel/Loppaschewski.

Zeitstrafen: 16:8 Minuten.

Zuschauer: 3753.