Handball Großes Zittern vor dem Derby

Verzweifelt und verärgert: Frisch-Auf-Trainer Magnus Andersson (rechts) und der Sportliche Leiter Christian Schöne sind sichtlich unzufrieden.
Verzweifelt und verärgert: Frisch-Auf-Trainer Magnus Andersson (rechts) und der Sportliche Leiter Christian Schöne sind sichtlich unzufrieden. © Foto: Stephan Weber
Göppingen / Von Wolfgang Karczewski 23.09.2017

Nur vier Punkte holte Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen in den ersten Saison­spielen gegen die Abstiegskandidaten Ludwigshafen, Gummersbach, Minden (jeweils auswärts) und Lemgo. Am morgigen Sonntag um 12.30 Uhr (live auf Sky) kreuzen die Grün-Weißen mit dem TBV Stuttgart in der EWS-Arena die Klingen.

„Wir wollten alle drei Auswärtsspiele gewinnen“, sagte Rückraumspieler Daniel Fontaine nach dem enttäuschenden 27:27-Heimremis gegen den TBV Lemgo. Als Saisonziel hatten sich die Göppinger das Erreichen des sechsten Platzes vorgenommen. Nach dem enttäuschenden Saisonstart ist dieses Vorhaben erst einmal in weite Ferne gerückt. „Jetzt müssen wir uns neu orientieren“, bestätigt Fontaine, „gegen Stuttgart wollen wir unbedingt gewinnen. Es gibt keine Ausreden mehr“, stellt der 28-Jährige unmissverständlich fest.

Auch sein Sportlicher Leiter Christian Schöne bekennt, dass er mit der Punktausbeute nicht zufrieden ist: „Wir hatten uns sicherlich mehr erwartet.“ Ausdrücklich lobte er den neuen Linksaußen Joscha Ritterbach, gegen Lemgo mit sieben Toren bester Göppinger Werfer. Doch ausgerechnet der Neuzugang aus Hamm avancierte zum tragischen Helden, denn wenige Sekunden vor Spielende beging er ein Foul und verursachte einen Siebenmeter, den Tim Hornke zum 27:27-Endstand verwandelte.

„Ich kann nicht viel über ihn schimpfen“, sagte Frisch-Auf-Trainer Magnus Andersson, „schließlich hat er mit seinen sieben Toren bei acht Versuchen für den Punkt gesorgt.“ Andere Spieler hingegen wie Jens Schöngarth, Primoz Prost und Fontaine blieben weit unter ihren Möglichkeiten. Deshalb musste sich Coach Andersson auch die Frage gefallen lassen, warum er nicht Rückraumshooter Sebastian Heymann eine Chance gegeben hat. „Er war keine Option heute“, meinte der Schwede. Im Nachhinein, so Andersson, sei man immer schlauer.

Nach einer komfortablen 10:4-Führung (18. Minute) hatte die Mannschaft um den zuverlässig agierenden Kapitän Zarko Sesum mehr und mehr den Faden verloren und ermöglichte es den Gästen, Tor um Tor aufzuholen. Mehrfach hatte Frisch Auf in Durchgang zwei noch die Chance, entscheidend davonzuziehen, doch Jacob Bagersted, Kresimir Kozina und Ritterbach vergaben in aussichtsreichen Situationen.

„Dann kommt die Unsicherheit hinzu und Abstimmungsprobleme in der Abwehr. Keiner hat mehr Selbstvertrauen, um aufs Tor zu gehen“, erklärt Fontaine. Das einzig Gute an der misslichen Lage sei, dass man bereits am Sonntag die Möglichkeit habe, zu zeigen, was die Mannschaft kann.

Doch die Anspannung im Umfeld und die Nervosität im Team nach den enttäuschenden Auftritten sind vor dem morgigen Derby deutlich spürbar. „Jetzt heißt es Kopf hoch und weiter kämpfen“, gibt Trainer Andersson die Parole aus. Tabellennachbar TVB Stuttgart (4:6 Punkte) geht hochmotiviert in das Nachbarschaftsduell, schließlich liefen in Mi­chael Kraus, Simon Baumgarten, Michael Schweikardt und Manuel Späth gleich vier Akteure in der Vergangenheit bereits für die Göppinger auf.

Lemgo verdient für faire Geste Respekt

Fairplay Kurz vor der Pause der Partie zwischen Frisch Auf und dem TBV Lemgo kam ein Gästespieler beim Pass von Allan Damgaard mit den Fingerspitzen an den Ball und lenkte diesen ins Aus. Als die Schiedsrichter auf Einwurf für Lemgo entschieden, war die Aufregung auf Göppinger Seite groß, doch das Spiel wurde schnell fortgesetzt. Bei der nächsten Unterbrechung, ein Freiwurf für Lemgo, wies TBV-Coach Florian Kehrmann die Schiris auf den Fehler hin, Kreisläufer Christoph Theuerkauf spielte den Ball zu Tim Kneule von Frisch Auf  und gab damit das Lemgoer Angriffsrecht ab – den Respekt für diese faire Geste zeigte der Applaus von den Rängen. Christian Schöne, Sportlicher Leiter von Frisch Auf, gestand: „Hut ab, das habe ich in meiner
ganzen Laufbahn noch nie erlebt.“ haz