Handball Frisch-Auf-Trainer Mayerhoffer: Kumpeltyp und Autoritätsperson

Göppingen / Sebastian Schmid 01.08.2018

Noch muss sich Hartmut Mayerhoffer von seinem Handy durch Göppingen navigieren lassen, um das ihm empfohlene Restaurant zu finden. Und noch wird er dort nicht von den anderen Gästen erkannt. Doch beides wird sich schon bald ändern. Das Eine, weil der 49-Jährige bald eine Wohnung unter dem Hohenstaufen beziehen wird. Das Andere, weil er als Trainer der Frisch-Auf-Handballer Stadtgespräch sein wird.

Ein Unbekannter ist er in der Handball-Region ohnehin nicht mehr. In den vergangenen fünf Jahren hat Mayerhoffer den Zweitligisten SG BBM Bietigheim trainiert und hat diesen zweimal in die erste Liga geführt. Davor hat er den Regionalligisten TSV Friedberg binnen vier Jahren vom Abstiegskandidaten zur Meisterschaft geführt. Bei beiden Stationen hat der zweifache Vater weitaus mehr erreicht, als der Mannschaft zugetraut worden war. Etwas, was sie sich auch bei Frisch Auf vom Neuen erhoffen. Deshalb haben Geschäftsführer Gerd Hofele und der Sportliche Leiter Christian Schöne Mayerhoffer verpflichtet.

„Eine andere Hausnummer“

Für den ist das Engagement bei den Grün-Weißen der nächste Schritt seiner Trainer-Karriere. Denn bislang hat der ganz große Druck bei seinen bisherigen Stationen gefehlt, in denen es eher familiär zuging. Nach zwei durchwachsenen Spielzeiten mit zwei zehnten Plätzen in der Abschlusstabelle  sowie zwei Trainerentlassungen in der abgelaufenen Saison sieht das in Göppingen nun anders aus. „Wir haben einen Trainer gesucht, mit dem wir eine Aufbruchsstimmung erzeugen können“, erklärt Hofele die Personalentscheidung.

Mayerhoffer weiß, dass er beim sechsfachen Europapokalsieger vor einer schwierigen Herausforderung steht: „Das ist schon nochmal eine andere Hausnummer, was die Erwartungshaltung betrifft.“ Der Trainer des Jahres der 2. Liga hat sich aber bewusst für diesen Schritt entschieden. „Ich hätte auch in einer Wohlfühloase sein können, aber nur so kommst du weiter.“

Dass er nach fünf erfolgreichen Jahren Bietigheim den Rücken kehren wird, stand für ihn schon früh in der abgelaufenen Saison fest. Obwohl seine Mannschaft auf Aufstiegskurs war, entschied Mayerhoffer sich bereits im November, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern – obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch kein neues Engagement in Aussicht hatte. Für ihn war klar, dass nun der nächste Schritt folgen muss, um sich in der für ihn „noch immer besten Liga der Welt“ zu etablieren. Dass seine Spieler sich von dem früh bekannt gegebenen Abschied nicht aus der Spur bringen haben lassen und als Vizemeister den zweiten Erstliga-Aufstieg nach 2014 geschafft haben, rechnet Mayerhoffer dem Team hoch an: „Das spricht für jeden einzelnen der Spieler.“

Aber auch für Mayerhoffer, dem es gelingt, die richtige Balance zwischen Kumpeltyp und Autoritätsperson zu finden. Die Amerikaner nennen solche Trainer „Player’s Coach“ – als jemand, für den die Profis gerne spielen. Mit seiner offenen und authentischen Art hat Mayerhoffer auch die Frisch-Auf-Verantwortlichen überzeugt. „Wir haben sehr schnell auf einer Wellenlänge gefunkt“, berichtet Gerd Hofele. Daneben war seine Philosophie des Tempohandballs bei der Entscheidung ausschlaggebend. Dass Mayerhoffer in der 1. Liga bislang keine Erfolge nachweisen kann – mit Bietigheim stieg er 2015 umgehend ab – haben die Göppinger Macher durchaus auf dem Schirm. Aber sie sehen darin eine Möglichkeit. „Das ist auch für Hartmut eine Chance. Und man merkt schon in den ersten Wochen der Vorbereitung, dass er Erfolg haben will“, sagt Hofele.

Schweres Auftaktprogramm

Der neue Coach steht aber nicht nur wegen der Tradition und der Erwartungshaltung der Göppinger vor einer schwierigen Aufgabe. Wegen der „Wichtigkeit der Entscheidung“ (Hofele) ließ man sich bei Frisch Auf Zeit mit der Trainersuche. Erst Ende Juni wurde der neue Kommandogeber präsentiert. Das Team für die kommende Saison war zu diesem Zeitpunkt bereits zusammengestellt. Mayerhoffer sieht darin kein Problem und geht mit dieser Tatsache ebenso optimistisch um, wie er allgemein an die Aufgabe herangeht. „Wenn ich nicht von der Mannschaft überzeugt gewesen wäre, dann hätte ich den Job ja nicht machen müssen.“

Angesichts des schweren Auftaktprogramms mit dem Heimspiel gegen den EHF-Pokalsieger Füchse Berlin, bei Meister Flensburg-Handewitt und dann wiederum in der EWS-Arena gegen Hannover/Burgdorf bleibt den Göppingern keine Zeit, sich langsam in die Liga hineinzutasten. Ein erfolgreicher Auftakt würde zum Start für etwas Ruhe unterm Hohenstaufen sorgen und das Leben von Mayerhoffer angenehmer gestalten. Denn spätestens wenn die Saison begonnen hat, werden die Göppinger den neuen Trainer ihres Vorzeigeklubs im Restaurant erkennen.

Als Aktiver in der 2. Bundesliga gespielt

Vier Jahre lang hat Hartmut Mayerhoffer als Aktiver in der zweiten Liga für den VfL Günzburg gespielt. Als bei seiner nächsten Station in Aichach der Trainer entlassen wurde, übernahm er mit 30 Jahren den Job. „Ein fließender Übergang, der früher als geplant kam“, erinnert Mayerhoffer sich. Von Aichach aus ging es zum damaligen Regionalligisten HSG Langenau/Elchingen, bevor er den TSV Friedberg (Regionalliga) und dann den Zweitligisten SG BBM Bietigheim übernahm. seb

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