EnBW dreht den Geldhahn zu

Ulrich Weiß (vorn) und Gerd Hofele sind jetzt gefragt. Foto: Peter Poller
Ulrich Weiß (vorn) und Gerd Hofele sind jetzt gefragt. Foto: Peter Poller
HARALD BETZ 27.02.2012
Die Göppinger Handballer stehen ohne Hauptsponsor für die neue Saison da. Energiekonzern EnBW dreht dem Bundesligisten den Geldhahn komplett zu. Dami fehlen Frisch Auf 400 000 Euro jährlich.

Der Jubel über die wichtigen beiden Punkte der Göppinger Bundesliga-Handballer am Samstagnachmittag gegen den TuS N-Lübbecke und auch den Dreijahresvertrag für Neuzugang Bojan Beljanski wurde fast erstickt, als Frisch-Auf-Geschäftsführer nach dem leidenschaftlichen 27:25-Erfolg vor 4600 Zuschauern in der EWS-Arena das Wort ergriff. "Unser Hauptsponsor EnBW verlängert nicht, das hat ausschließlich Budget-Gründe" - nüchterne Worte, ausgesprochen auf der Pressekonferenz nach dem Punktspiel, verkündeten das Aus einer zwölfjährigen Partnerschaft, die dem Europapokalsieger zuletzt rund 400 000 Euro jährlich in die Kasse spülte. Es ist die mit Abstand größte Einzelsumme, um den 4,5-Millionen-Etat des Profiklubs zu finanzieren.

Während sich der Energie-Riese in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit den "konzernweiten Sparmaßnahmen, die auch eine Reduktion der Sponsoringaktivitäten insgesamt erforderlich machen", für den drastischen Schritt nachvollziehbar rechtfertigt, ist man sich auf Seiten des Traditionsvereins durchaus bewusst, dass auch die Entscheidung der Stadt Göppingen, den Stromkonzessionsvertrag mit der EnBW zum Jahresende zu kündigen, eine wesentliche Rolle gespielt hat.

Ein Beleg dafür könnte sein, dass Frisch-Auf-Manager Hofele von Seiten der Karlsruher Marketingstrategen immer wieder aufgrund bester Preis-Leistungs-Analysen eine weitere Zusammenarbeit signalisiert wurde, jetzt aber die "Hiobsbotschaft" (Hofele) sehr überraschend ins Haus schneite. "Das lange Zögern könnte der großen Attraktivität unserer Verbindung geschuldet gewesen sein", vermutet Hofele. Dennoch kam es jetzt zum Vertrags-Aus am Saisonende. Das letzte Wort könnte die EnBW Regional AG in Stuttgart mit ihrem Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Bruder gesprochen haben.

Für Frisch Auf heißt es nun, zu einem unangenehm späten Zeitpunkt noch einen Namen für die Brust der Profis zu finden, nur noch bis 30. Juni ist der Platz belegt. "Wir glauben, dass wir aufgrund unserer Attraktivität einen neuen Hauptsponsor präsentieren können", gab sich Gerd Hofele trotz aller Enttäuschung ähnlich kämpferisch wie zuvor seine Mannschaft auf dem Parkett.

Ulrich Weiß, Frisch-Auf-Aufsichtsratsvorsitzender und als Göppinger Stadtrat für den Rückkauf des Stromnetzes, kannte längst die "Drohung" mit dem Ausstieg, weiß aber auch um die "prekäre Lage" des Energiekonzerns. "Wir werfen die Flinte nicht ins Korn und dürfen jetzt ja auch mit anderen Energiekonzernen reden", sieht Weiß erste neue Ansätze.

"Jetzt müssen wir akribisch arbeiten und intensiv suchen", gab Hofele die Parole für die nächsten Tage aus. Für den Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Weiß ist die Verteilung der Summe auf mehrere Geldgeber zumindest vorläufig denkbar

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