Handball Croatia calling: Schmids EM-Tagebuch

Uwe Gensheimer will mit den Deutschen in Kroatien den Titel holen.
Uwe Gensheimer will mit den Deutschen in Kroatien den Titel holen. © Foto: Monika Skolimowska/dpa
Sebastian Schmid 17.01.2018
Sebastian Schmid berichtet von der Handball-EM und beschreibt im Tagebuch das Drumherum des Sportevents in Kroatien.

Teil 4, 17. Januar: Ein Lichtblick im Stress
Im Idealfall, also dem Finaleinzug, ist man als Journalist bei der EM etwas mehr als zwei Wochen von zuhause weg. Da stellt sich früher oder später ein klein wenig Heimweh ein, so dass man über jede (gute) Nachricht aus der Heimat froh sein kann. Das Dumme ist nur, dass keiner sich meldent, wenn man mal Zeit und nichts zu tun hat (was selten genug vorkommt).

Den meisten fällt stattdessen während eines Spiels der deutschen Mannschaft ein, dass da ja jemand in der Arena in Zagreb live dabei ist. Dann wird nach der Stimmung vor Ort oder der Meinung zu einzelnen Szenen und Spielern gefragt.

Vor allem direkt nach einer Partie interessieren sich viele zuhause für eine erste Einschätzung aus der Arena. Was allerdings daheim vergessen wird, ist, dass mit dem Schlusspfiff vor Ort der Stress erst so richtig anfängt. Es gilt, möglichst schnell den Text fertig zu bekommen, damit er auch in allen Ausgaben erscheint. Zuvor muss noch mit den Spielern geredet und die Pressekonferenz mit den Trainern besucht werden.

 Nach der turbulenten und unübersichtlichen Schlussphase beim 25:25 gegen Slowenien kamen besonders viele Nachrichten an. Es gab Ratschläge („Bring Dich in Sicherheit! Oder mach auf Slowene.“), Regelfragen ( „Kannst Du mir erklären, was da gerade bei Slowenien – Deutschland passiert?“) oder generelle Nachfragen („Krasses Spiel. War bestimmt ´ne geile Stimmung live vor Ort?“).

Just als der Zeitdruck und Stress am größten war, kam dann von meiner Frau eine Nachricht samt Foto: Sie wollte wissen, ob mir die darauf abgebildete Lampen für unser Schlafzimmer gefallen.

Teil 3, 16. Januar: Meine zehn Sekunden Ruhm
Andy Warhol hat es vorhergesagt. „In Zukunft wird jeder für 15 Minuten weltbekannt sein“, hatte der 1987 verstorbene amerikanische Künstler verkündet. Er sollte recht behalten – nur dass in meinem Fall der Ruhm nur zehn Sekunden dauerte und auch nur auf Deutschland beschränkt war.

Eine Geschichte, die ich schon vergessen hatte und die mir bei der EM dank Désirée Krause wieder einfiel. Die 27-Jährige ist in Zagreb vor Ort, um für die Handball-Bundesliga zu berichten. Das erste Mal haben wir uns bei der WM 2013 in Spanien gesehen, wo wir berühmt wurden. Es war der 15. Januar und Deutschland spielte in der Vorrunde gegen Argentinien. Désirée und ich saßen zufällig auf der Tribüne nebeneinander, als unsere Handys plötzlich mehrmals klingelten.

Der Grund: Beim Stand von 22:18 wurde Deutschland ein Siebenmeter zugesprochen. Bevor der ausgeführt wurde, schwenkte die Kamera ins Publikum und der Kommentator erklärte: „Hier ein Blick auf die Handball-Prominenz.“ Im ZDF live zu sehen waren die WM-Helden von 2007 Christian „Blacky“ Schwarzer, Daniel Stephan, Heiner Brand – und eben Désirée und ich, die direkt daneben saßen. Freunde und Familien teilten uns umgehend per SMS mit, dass wir im TV zu sehen waren.

Désirée hat die Szene damals von Freunden als Video geschickt bekommen – ein ewiger Beweis, dass wir in einer Reihe mit den größten deutschen Handballer stehen beziehungsweise sitzen. Andy Warhol hatte tatsächlich recht – nur mit der Dauer hat er sich ordentlich vertan. Aber besser zehn Sekunden Ruhm als gar keinen.

Teil 2, 15. Januar: Draußen vor der großen Stadt

Ob es am Ende das Vertrauen in die EM-Organisatoren oder die Bequemlichkeit war, sich nicht groß um eine Unterkunft zu kümmern, ist nicht mehr wichtig. Fakt ist, dass auch dieses Mal das offizielle Medienhotel gebucht wurde. Nachdem vor zwei Jahren die Unterkunft in Polen keinen Grund zur Klage gab, ließ die Hygiene bei der WM 2017 doch sehr zu wünschen übrig (im Hotel – nicht beim Berichterstatter).

Da frei nach Franz Beckenbauer die Kroaten aber keine Franzosen sind, ging es in Zagreb erneut ins Medienhotel – das okay ist, aber einen großen Makel hat. Es befindet sich (knapp) außerhalb Zagrebs. Deshalb dauert es auch, bis man im Hotel der deutschen Handballer ist, wo die Pressetermine stattfinden.

Um die Lage der Journalisten-Unterkunft zu verdeutlichen, folgt in groben Zügen einmal der Weg vom Stadtzentrum zum Hotel: Altstadt, Innenstadt, Randbezirke, letzte Tram-Station, letzte Häuser, letzte Busstation, großes Einkaufszentrum vor der Stadtgrenze, ein wenig Einöde, Medien-Hotel. Dauer für diese Strecke mit der Tram und einem abschließenden Fußmarsch: 75 Minuten.

Aber die Abgeschiedenheit ist sicherlich nur gut gemeint. Der Veranstalter wollte bestimmt, dass die Medienvertreter sich voll auf die Arbeit konzentrieren können und nicht vom Trubel der Restaurants und Bars in der Innenstadt abgelenkt werden. Ein Plan, der aufgeht.

Teil 1, 13. Januar: Die Crux mit der Bux

Vor jeder Reise steht die schwierige Frage, was man mitnimmt und was nicht. Die Erfahrung eines jeden mehrtägigen Hotel-Aufenthalts hat bislang gezeigt, dass trotz reiflicher Überlegung immer zu viel mitgenommen wird. Eine verlässliche Hochrechnung ist eben nicht einfach. Noch schwieriger wird sie, wenn man nicht weiß, wie lange man weg sein wird.

Da ist es auch egal, ob man auf ein einfaches Jeden-Tag-eine-frische-Unterhose-Prinzip oder ein komplexes Rotation-Wende-System mit Mehrfachbenutzung setzt. Grundlage jeder fundierter Unterbuxen-Rechnung ist die Gesamtanzahl von Reisetagen (das gilt übrigens auch für Socken, die praktischerweise stets im Paar mitzuführen sind).

Der Einfachheit halber, klammert man sich bei solch schwerwiegenden Entscheidungen an Bewährtes. Zumal nicht nur bei den deutschen Handballern ein Hauch von Aberglaube verbreitet ist. Also wurde auf die in Polen bereits erfolgreich praktizierte Pack-Logik zurückgegriffen. Geplant wurde für 14 Tage, also für die Vor- und die Zwischenrunde. Eine Rechnung, die einige Kollegen vor zwei Jahren wohl ebenfalls als sinnvoll erachtet hatten. Denn als das deutsche Team ins Halbfinale eingezogen war, machten sich nicht wenige Journalisten auf der Suche nach frischer Ware auf den Weg in die Krakauer Kaufhäuser. Ob sie davor auf das Jeden-Tage-eine-Frische-Prinzip oder das Wende-Wechselsystem gesetzt hatten, wollte aber keiner verraten.