Handball Ein neuer Zuschauerrekord liegt in der Luft

Die Frisch-Auf-Frauen, hier Linksaußen Iris Guberinic beim Wurf im Auswärtsspiel in Leverkusen vor zwei Tagen, wollen heute Abend im schwäbischen Derby gegen die TuS Metzingen einen großen Kampf abliefern.
Die Frisch-Auf-Frauen, hier Linksaußen Iris Guberinic beim Wurf im Auswärtsspiel in Leverkusen vor zwei Tagen, wollen heute Abend im schwäbischen Derby gegen die TuS Metzingen einen großen Kampf abliefern. © Foto: Eibner
FRANK HÖHMANN 30.12.2017

Es geht weiter Schlag auf Schlag für die Göppinger Bundesliga-Handballerinnen: Drei Tage nach dem Auswärtsspiel in Leverkusen müssen die Frisch-Auf-Frauen heute um 20 Uhr in der Stuttgarter Porsche-Arena gegen den schwäbischen Rivalen TuS Metzingen ran. Ein absoluter Kracher ist das, dem Spielerinnen und Fans beider Mannschaften schon lange entgegenfiebern. Derbys zwischen Göppingen und Metzingen bergen große Brisanz, beide haben sich zigmal in Liga eins und zwei gegenübergestanden.

Ein weiterer Grund für die Vorfreude ist der anvisierte Zuschauerrekord für ein Spiel der Frauenhandball-Bundesliga. Vergangene Spielzeit erst hat Metzingen den Rekord des HC Leipzig gebrochen. 6157 Zuschauer verfolgten vor einem Jahr das Derby zwischen Metzingen und Nellingen in der Porsche-Arena.

Diese beeindruckende Zahl soll an diesem Samstag noch einmal gesteigert werden. Metzingens Geschäftsführer Ferenc Rott will die Halle komplett füllen (6200). Der Vorverkauf läuft gut. Auch viele Göppinger werden ihr Team beim Schlagerspiel in der Landeshauptstadt anfeuern. Beide Teams haben mit ihren jüngsten Auswärtssiegen zudem beste Werbung für das Rekord-Derby betrieben.

Es ist also kein alltägliches Ligaspiel, das da auf die zuletzt so erfolgreiche Mannschaft von Trainer Aleksandar Knezevic wartet, die am vergangenen Samstag Dortmund bezwang und am Mittwoch mit einem 24:20-Erfolg bei Bayer Leverkusen aufhorchen ließ. Diesen Schwung wollen die Göppingerinnen in die Partie mitnehmen und dem alten Rivalen aus dem Ermstal einen heißen Tanz liefern. Mit 8:8 Punkten können sie ganz gelassen in das große Derby gehen.

„Nervös sind wir nicht wirklich“, sagt Prudence Kinlend, die in den beiden vorangegangenen Begegnungen 13 Tore warf und unheimliche Dynamik und Durchsetzungsvermögen zeigte. „Das Spiel gegen Metzingen ist das dritte innerhalb von sieben Tagen. Da bleibt keine Zeit, um Nervosität aufkommen zu lassen. Aber natürlich verleiht jedes Derby ein ganz besonderes Gefühl, da die Stimmung von vornherein etwas aufgeheizt sein wird.“ Die 25-Jährige will mit ihren Teamkolleginnen im letzten Spiel des Jahres nochmals alle Kräfte mobilisieren. „Gute Gegner liegen uns tendenziell eher. Aber wir müssen an unsere Grenze gehen, um mithalten und eventuell eine Siegchance haben zu können. In einem Derby entscheiden oft auch der Wille und die intensiven Emotionen darüber, wer die Punkte mit nach Hause nimmt.“

Prudence Kinlend ist sich der Schwere der Aufgabe bewusst. Schwächephasen wie zu Beginn der zweiten Hälfte bei den Werks­elfen darf man sich gegen den Tabellenzweiten, der bislang nur beim Tabellenführer Thüringer HC verlor (30:33), nicht erlauben. „Metzingen ist gut besetzt und steht nicht umsonst so weit oben in der Tabelle. Wir müssen versuchen, keine Gegenstöße zuzulassen und benötigen wie in ­Leverkusen wieder eine gute ­Abwehr.“

Das weiß auch Knezevic. Der Coach der Frisch-Auf-Frauen hofft, dass sein Team „positiven Druck“ in die Partie mitnimmt und es durch die vielen Zuschauer zu einer erneuten Topleistung beflügelt wird. Die Favoritenrolle obliege eindeutig dem mit nationalen und internationalen Topspielerinnen besetzten Derbygegner, der unter anderem die Nationalspielerinnen Anna Loerper, Julia Behnke, Shenia Minevskaja oder die frühere Göppinger Torhüterin Jasmina Jankovic in seinen Reihen hat. „Metzingen ist immer Favorit. Aber wir wollen versuchen, sie zu ärgern. Vielleicht ein wenig mehr. In Buxtehude oder Bietigheim haben wir gezeigt, dass wir gegen die Topmannschaften bestehen können. Wir hatten sogar eine kleine Chance, die Partien zu drehen.“

Was alles möglich ist, hat Aufsteiger Bensheim/Auerbach am Mittwoch gezeigt. Die „Flames“ trotzten dem amtierenden Meister Bietigheim beim 24:24 sensationell einen Zähler ab. Die Frisch-Auf-Frauen hoffen heute auf einen ähnlichen Coup. Zu verlieren haben sie gegen einen der Topfavoriten auf die Meisterschaft rein gar nichts.