Im Duell um die deutsche Handball-Meisterschaft hofft Rekordmeister THW Kiel auf das große Zittern beim Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt.

Die Flensburger müssen am letzten Saisonspieltag beim ehrgeizigen Siebten Bergischen HC antreten, die Kieler haben zur gleichen Zeit (alle Spiele am Sonntag 15.00 Uhr/Sky) den Zwölften TSV Hannover-Burgdorf zu Gast.

Schon ein Unentschieden reicht der SG (62:4 Punkte) zur Titelverteidigung. Verliert die Mannschaft von Trainer Maik Machulla jedoch, wären die zweitplatzierten Kieler (20:6) mit einem Sieg erstmals seit 2015 wieder Meister. „Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Trotzdem bleibt ein Fünkchen Hoffnung“, sagt THW-Kreisläufer Hendrik Pekeler.

Die Flensburger lassen Sticheleien der Konkurrenten erst gar nicht an sich ran. „Wir sollten nicht so viel über die Situation nachdenken“, rät Flensburgs rechter Rückraumschütze Magnus Röd. Geschäftsführer Dierk Schmäschke gibt zu: „Man ist schon angespannt. Das lässt sich nicht vermeiden. Wichtig ist, dass die Mannschaft ruhig bleibt - und diesen Eindruck habe ich.“ Den Unkenrufen zum Trotz verspricht Schmäschke: „Jetzt machen wir den letzten Schritt.“

Wie die Sache auch ausgeht: Holen die Kieler mit ihrem scheidenden Trainer Alfred Gislason nach dem Gewinn von DHB- und EHF-Cup nicht auch noch die dritte Trophäe in dieser Saison, so winkt ihnen zumindest ein Trost: der inoffizielle Titel „Bester Zweiter in der Geschichte der Bundesliga“. Denn einen Vize mit lediglich sechs Minuspunkten gab es bisher nicht. Der HSV Hamburg hatte 2010 mit sieben Miesen die Meisterschale verpasst.

Schafft die SG ihren dritten Meistertitel, wird das allenthalben als gerecht angesehen. „Die Flensburger spielen eine hervorragende Saison. Sie sind immer ruhig geblieben, treten abgeklärt auf - im Gegensatz zum vergangenen Jahr“, meint Uwe Schwenker, Präsident der Handball-Bundesliga GmbH, und sieht die nervenaufreibende Spannung als Beleg für die wachsende Ausgeglichenheit der Liga. „Die Bundesliga ist in der Breite herausragend und weiterhin die Top-Handball-Liga Europas.“

Mit der Schale im Gepäck werden Schwenker und HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann nach Düsseldorf fahren, wo die Flensburger spielen. Ein Duplikat der Trophäe wird nach Kiel gebracht. „Man kann ja nie wissen“, sagt Bohmann und lobt: „Von der Dramaturgie hätte die Saison nicht besser laufen können.“

Wenngleich auch Bohmann nicht glaubt, dass sich die Flensburger noch ausbremsen lassen. „Im vergangenen Jahr ist ihnen die Meisterschaft zugeflogen. Dieses Jahr spielen sie eine extrem kontinuierliche Saison trotz des Generationswechsels. Da greift ein Rädchen ins andere. Das ist eine tolle Mannschaft. Hut ab!“, schwärmt Bohmann.

Nicht nur die Titelvergabe wird am letzten Spieltag entschieden, auch der Streit um die Plätze im EHF-Cup und der Abstieg. Um den sechsten internationalen Startplatz sind noch die MT Melsungen, die Füchse Berlin und Flensburgs Gegner Bergischer HC im Geschäft. Zudem ist der Abstiegskampf „höchst dramatisch“, wie Schwenker ergänzt.

Mittendrin im verzweifelten Ringen um den Klassenverbleib steckt Traditionsverein VfL Gummersbach, dem der erste Absturz in die Zweitklassigkeit seit 53 Jahren droht. Der Drittletzte muss in einem Abstiegsfinale zum Vorletzten SG BBM Bietigheim. Beide sind punktgleich (13:53). Ein Remis reicht dem um 20 Tore besseren VfL. Selbst der Tabellenletzte Eulen Ludwigshafen (12:54) kann sich mit einem Sieg gegen GWD Minden retten.

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