Handball-EM Nur einer traut Deutschen den Titel zu

So wie hier Tobias Reichmann vor zwei Jahren, wollen die deutschen Handballer auch diesmal wieder den kontinentalen Titel feiern.
So wie hier Tobias Reichmann vor zwei Jahren, wollen die deutschen Handballer auch diesmal wieder den kontinentalen Titel feiern. © Foto: Imago
Raum Geislingen / Von Thomas Friedrich 12.01.2018
Bei der Handball-EM sehen Trainer der Region Deutschland im Halbfinale. Nur Ralf Riethmüller glaubt aber an den Titel.

Morgen um 17.15 Uhr startet die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in Zagreb gegen Montenegro in das Unternehmen Titelverteidigung. Nach dem beinahe sensationellen Triumph vor zwei Jahren, geht die Mannschaft des neuen Bundestrainers Christian Prokop diesmal von Beginn an als Titelanwärter ins Rennen. Auch die Trainer der drei überregional tätigen Teams aus dem Raum Geislingen trauen Deutschland eine Menge zu.

Prokops umstrittene Kaderzusammenstellung findet auch bei den Experten nicht nur ungeteilte Zustimmung. Die Ausbootung des langjährigen Abwehrchefs Finn Lemkes kann TVA-Coach Andreas Frey nicht nachvollziehen. Frey wird Lemke als „tragende Säule der letzten Turniere“ bei den Titelkämpfen in Zagreb vermissen. Den Melsunger zu Hause zu lassen, findet Frey eine„äußerst riskante Entscheidung“ des Bundestrainers, an der er sich messen lassen müsse.

Die Kollegen Hans-Jürgen Beutel (FSG Donzdorf/Geislingen) und Ralf Riethmüller (SG Kuchen-Gingen) haben an Prokops Personalentscheidungen dagegen nichts auszusetzen. Ein Trainer „weiß im Normalfall, welcher Spieler welche Perspektiven hat“, vertraut Beutel dem deutschen Coach. Auch Riethmüller kann die Nominierung nachvollziehen. „Jeder Trainer hat seine eigenen Ideen und sollte sie umsetzen dürfen“, sagt er und sieht daher „keinen Grund, schon vorab zu kritisieren“.

Der KuGi-Coach strahlt aus dem Trio auch den größten Optimismus aus, was die Titelchancen der deutschen Mannschaft angeht. „Die Jungs schaffen das wieder“, sagt er. Zu den härtesten Rivalen der DHB-Auswahl zählt er Weltmeister Frankreich sowie Dänemark und Gastgeber Kroatien. Kollege Beutel nennt ebenfalls die üblichen Verdächtigen. Auch für ihn kommt der künftige Europameister aus diesem Quartett. Die größten Chancen räumt er Gastgeber Kroatien ein, der Heimvorteil mache „immens viel aus“. Viel origineller macht’s auch Frey nicht. Er hat denselben Favoritenkreis wie die Kollegen. Für ihn zählt Kroatien aber nicht zu den natürlichen Titelanwärtern, der Gastgeber ist Freys „persönlicher Geheimfavorit“ hinter seinem Titelkandidaten Nummer eins. Der heißt Frankreich, den Weltmeister erwartet der TVA-Coach „leider“ wieder ganz vorn. Der deutschen Mannschaft traut er das Finale zu, mit einer kleinen Einschränkung: „Nur, wenn sie nicht schon vorher auf Frankreich trifft“.

So unerwartet Deutschland vor zwei Jahren auftrumpfte, könnte auch diesmal ein Team alle Experten Lügen strafen. „Es gibt immer eine Mannschaft, die weiter kommt als man es ihr zugetraut hat“, sagt Riethmüller. In dieser Rolle sieht er in diesem Jahr am ehesten die Schweden, Kollege Beutel hat deren skandinavischen Nachbarn Norwegen auf der Rechnung. Damit’s für Deutschland wieder mit dem Titel klappt, brauche es „eine ähnlich überragende Torwartleistung“ wie vor zwei Jahren. Damals waren Andreas Wolf und Carsten Lichtlein kaum zu bezwingen.

Letztlich komme es bei allen Teams auf die Physis an, mutmaßt Riethmüller. In einem langen Turnier schwinden am Ende die Kräfte, dann „wird man sehen, wer in den entscheidenden Phasen noch Power hat“. Um die deutsche Mannschaft macht er sich in dieser Hinsicht keine Sorgen. „So wie sie aufgestellt ist“, sollte es ganz weit gehen. Die Kollegen hätten nichts dagegen. Beutel und Frey sind nicht erpicht darauf, dass ihre Titelvoraussagen eintreffen. Ein Europameister Deutschland ist ihnen viel lieber. Und das wäre diesmal, auch ohne Lemke,  keine Überraschung.

So sehen es die Experten

Welche Spieler vermissen Sie im EM-Kader?

Wie weit kommt Deutschland?

Wer holt den Titel?

Ralf Riethmüller

Keinen


Mindestens ins Halbfinale


Deutschland

Hans-Jürgen Beutel

Keinen


Mindestens ins Halbfinale


Kroatien

Andreas Frey

Finn Lemke


Ins Finale, außer sie treffen vorher auf Frankreich

Leider wieder Frankreich

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