Volker Schurr kommt beruflich weit herum. Der 49-jährige Göppinger bereist als Mitarbeiter einer Spezialfirma für Textilchemie Norddeutschland, die Benelux-Staaten und Brasilien. Auch sein großes Hobby führt den Gebietsverkaufsleiter in die ganze Welt: Schurr ist seit der Weltmeisterschaft 2015 in Katar Teamkoordinator der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Auch bei der Heim-WM, die am heutigen Donnerstag um 18.15 Uhr (live im ZDF) in der Berliner Mercedes-Benz-Arena mit der Partie des Co-Gastgebers Deutschland gegen ein gesamt-koreanisches Team beginnt, ist Schurr ganz nah am Geschehen.

„Der Handball spielt eine große Rolle in meinem Leben“, sagt der Göppinger. Sein Aufgabengebiet rund um die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) ist groß: „Ich bin für das Equipment zuständig und helfe überall dort, wo ich gebraucht werde und das 24 Stunden am Tag. Sei es bei Absprachen, Kommunikation, Videos, Teambuilding oder beim Torwartraining. Ich kümmere mich auch um die Wäsche und den Einkauf von speziellen Dingen. Ich bin sozusagen die rechte Hand von Bundestrainer Christian Prokop und das Bindeglied zwischen Mannschaft und Offiziellen.“

Als DHB-Vizepräsident Bob Hanning vor gut vier Jahren bei allen Bundesligisten nach einem möglichen Teamkoordinator anfragte, schlug Frisch-Auf-Manager Gerd Hofele Schurr vor, der selbst jahrelang Teambetreuer beim Göppinger Bundesligisten war. „Dann haben wir es bei der Nationalmannschaft getestet. Ich kannte ja einige Spieler wie zum Beispiel Oliver Roggisch noch aus alten Frisch-Auf-Zeiten. Es hat beim DHB von Anfang an alles super gepasst“, erzählt Schurr.

Sein größtes Erlebnis mit der Nationalmannschaft, die er nicht nur bei den großen Turnieren wie Europameisterschaft, Weltmeisterschaft oder den Olympischen Spielen betreut, sondern auch bei Lehrgängen und sonstigen Länderspielen, war der Gewinn der EM 2016 in Polen. „Das war bislang nicht zu toppen, zumal keiner damit gerechnet hatte“, so der Göppinger, der in seiner Jugend nur in der Schule Handball gespielt hat. Damals war Schurr Volleyballer bei Frisch Auf, verletzte sich jedoch und musste seine Karriere früh beenden.

Vor dem diesjährigen Turnier ist der DHB-Teamkoordinator optimistisch: „Wir können etwas Großes erreichen. Wenn wir es schaffen, so zu spielen, wie wir es uns vorstellen und es uns gelingt, das Publikum zu elektrisieren, dann können wir unser Primärziel Halbfinale erreichen. Danach entscheidet die Tagesform.“

Von Bundestrainer Prokop, der nach der schwachen EM im vergangenen Jahr stark in der Kritik stand, hält Schurr viel. „Er ist ein guter Taktiker und sehr akribisch. Er übt verschiedene Abwehrvarianten, geht auf die Mannschaft ein, macht Teambuildingmaßnahmen. Dennoch lässt er den Spielern ihre Freiheit“, charakterisiert er den ehemaligen Leipziger Übungsleiter.

In der DHB-Auswahl genießt Schurr ein hohes Ansehen. „Bei ihm läuft das alles total reibungslos. Den kannst du gefühlt auch nachts um zwei anschreiben und fragen, ob er noch ein paar Socken hat. Dann würde er sie dir vorbeibringen“, sagte Linkshänder Steffen Weinhold in einem Interview mit der Zeitung „Der Westen“.

Bereits vor drei Jahren, nach dem EM-Gewinn in Polen, sprach die NWZ mit dem Göppinger über seine Erlebnisse rund um das Nationalteam. Damals wusste er nicht, was er mit seiner Goldmedaille machen soll. Falls Deutschland in diesem Jahr Weltmeister wird und Schurr erneut die wichtigste Plakette bei einem großen Turnier erhalten sollte, hat er eine Lösung parat. Schurr: „Ich habe zwei Söhne. Dann bekommt jeder von ihnen eine Goldmedaille.“ Die Bronzemedaille, die er von den Olympischen Spielen in Rio mit nach Hause brachte, behält der 49-Jährige hingegen für sich.