Handball DHB-Team hat Auftaktgegner in schlechter Erinnerung

Steffen Weinhold (Mitte), hier im Testspiel gegen Island, war 2013 dabei, als die deutsche Mannschaft in Podgorica gegen Montenegro die EM-Teilnahme verspielte.
Steffen Weinhold (Mitte), hier im Testspiel gegen Island, war 2013 dabei, als die deutsche Mannschaft in Podgorica gegen Montenegro die EM-Teilnahme verspielte. © Foto: dpa
Zagreb / Sebastian Schmid 13.01.2018
Die deutschen Handballer starten gegen Montenegro in die EM. Ein Gegner, der international nicht zu den Topteams gehört - und trotzdem Deutschland eine historische Pleite verpasst hat.

Christian Prokop wollte vor dem EM-Auftaktspiel der deutschen Handballer am Samstag (17.15 Uhr/live im ZDF) gegen Montenegro nicht zu viel verraten. Nachdem der Bundestrainer erzählt hatte, dass er beim Check-in am Berliner Flughafen Übergepäck hatte und Nachzahlen musste, reagierte er auf die Frage, für wie viele Tage er denn gepackt hat, ausweichend. „Unser Ziel ist es, ein tolles Turnier zu spielen“, antwortete der 39-Jährige nur und verwies darauf, dass die Konzentration auf dem ersten Spiel liegt.

Immerhin seine Gefühlslage verriet Prokop. Wie beim gesamten Team hat sich bei ihm vor dem Auftakt in der 15 200 Zuschauer fassenden Arena Zagreb ein Mix aus Vorfreude und Anspannung  eingestellt. „Es wird jetzt Zeit, dass es endlich los geht“, beschrieb Rückraumspieler Kai Häfner die Stimmung im Lager des Titelverteidigers.

Erfolgreich und attraktiv

Die Mission ist klar: Deutschland möchte zwei Jahre nach dem EM-Sieg erneut bei der Titelvergabe ein gewichtiges Wörtchen mitreden. „Wir wollen erfolgreichen, aber auch attraktiven Handball spielen.“ So soll eine ähnliche Euphorie wie vor zwei Jahren entstehen. Montenegro könnte dafür genau der richtige Auftaktgegner sein. Das Team von Trainer Dragan Djukic ist keine Top-Nation, auch wenn die Zwischenrunde das erklärte Ziel ist. Bislang ist bei drei EM-Teilnahmen noch kein Sieg gelungen. Allerdings sind die Montenegriner auch kein „Fallobst“, wie Prokop klarstellte. Dass das Team zum Stolperstein werden kann, mussten nicht nur die Russen erfahren, die in der EM-Qualifikation an Montenegro scheiterten.

Auch Deutschland hat schon eine bittere Erfahrung mit dem Balkan-Team hinter sich. Am 12. Juni 2013 unterlag die damals von Martin Heuberger betreute DHB-Auswahl mit 25:27 in Podgorica, nachdem man schon das Hinspiel in der EM-Qualifikation in Mannheim mit 27:31 verloren hatte. Die Folge dieser bitteren Pleiten: Zum ersten und bislang einzigen Mal fanden die nationalen Titelkämpfe 2014 ohne Deutschland statt. „Daran kann ich mich erinnern“, sagte Steffen Weinhold, der damals genauso wie Keeper Silvio Heinevetter, Patrick Groetzki, Patrick Wienczek und Kai Häfner dabei war. Deshalb warnt er vor dem Auftaktgegner: „Sie sind sehr heißblütig und spielen ein bisschen dreckig.“

Der Linkshänder vom THW Kiel hatte im Vorfeld ohnehin bereits darauf hingewiesen, dass Teams wie Montenegro oder auch Gruppengegner Mazedonien zwar in der Breite nicht so gut aufgestellt sind wie die deutsche Auswahl, aber vor allem in den ersten Partien eines Turnier gefährlich sind. Allerdings muss Montenegro verletzungsbedingt auf Star-Spieler Vuko Borazan von Champions-League-Sieger Vardar Skopje und Stammkeeper Nebosja Simic verzichten.

Angesichts dieser Ausfälle besteht die größte Gefahr darin, dass die deutschen Spieler den Gegner unterschätzen, während dieser befreit aufspielen kann. Das weiß auch Prokop: „Montenegro hat nichts zu verlieren, während wir zum Favoritenkreis gehören.“ Eine Aussage, die vermuten lässt, dass er seinen Koffer so gepackt hat, dass es bis zum Finalwochenende reicht.

Hitziges Duell an Gastgeber Kroatien

Auftakt Gastgeber Kroatien ist mit einem Prestige-Erfolg in die Handball-EM gestartet. Im hitzigen Duell mit Nachbar Serbien setzten sich die Kroaten am Freitagabend in Split deutlich mit 32:22 (14:9) durch. Luka Stepancic und Manuel Strlek erzielten jeweils sechs und damit die meisten Treffer für die Kroaten, die sich im eigenen Land den Titel zum Ziel gesetzt haben. Der ehemalige Berliner Petar Nenadic war bester Serbe und warf ebenfalls sechs Tore. Die kroatischen Fans hatten vor der Partie die serbische Nationalhymne niedergepfiffen. Im ersten Topspiel des Turniers wendete Weltmeister Frankreich eine Auftaktpleite gegen Mitfavorit Norwegen ab (32:31).

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