Frisch Auf Coach kritisiert pfeifende Fans

Frisch-Auf-Coach Magnus Andersson hat derzeit einen schweren Stand. Nicht nur sportlich läuft es gerade nicht rund. Morgen müssen die Göppinger nach Mannheim zum Landes-Derby gegen den deutschen Meister Rhein-Neckar-Löwen. Foto: Eibner
Frisch-Auf-Coach Magnus Andersson hat derzeit einen schweren Stand. Nicht nur sportlich läuft es gerade nicht rund. Morgen müssen die Göppinger nach Mannheim zum Landes-Derby gegen den deutschen Meister Rhein-Neckar-Löwen. Foto: Eibner © Foto: Eibner
Göppingen / WOLFGANG KARCZEWSKI 14.10.2016

Obwohl die Mannschaft seit dem 26:26 (15:8)-Heimremis gegen den dezimierten Abstiegskandidaten Bergischer HC am Samstag nicht mehr gespielt hat, liegt eine ereignisreiche Woche hinter Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen. Vor allem hinter den Kulissen brodelte es gewaltig. Die Kritik am Team und seinem Trainer Magnus Andersson war heftig, nachdem die Mannschaft gegen den BHC einen Sieben-Tore-Pausenvorsprung noch aus der Hand gegeben hatte.

In den sozialen Netzwerken forderten einige Fans unverhohlen den Rauswurf von Coach Andersson. Die vernichtende Kritik ging dem Verein zu weit. Auf ihrer Facebook-Seite forderten die Göppinger ihre Anhänger auf, sich mit Kommentaren, die „unter der Gürtellinie sind oder sogar persönlich beleidigend“, zurückzuhalten. Jeder habe das Recht, seine Meinung zu äußern, allerdings müssten dabei die in der Kritik stehenden Spieler, Trainer und Verantwortlichen „mit Würde behandelt“ werden, heißt in dem Facebook-Eintrag. Frisch Auf werde alles dafür geben, um wieder in die Erfolgsspur zurückzukommen, ruft aber gleichzeitig die Fans dazu auf, „zusammenzustehen und gemeinsam alles für den Klub zu geben“.

Trainer Andersson hat sich mit der Kritik der Fans unter der Woche im Internet nicht beschäftigt. „So etwas lese ich nicht. Das habe ich früher auch nie gemacht“, sagt er. „Kritik gehört dazu, damit habe ich keine Probleme. Natürlich werde ich kritisiert, aber ich bin auch unheimlich selbstkritisch. Es ist doch klar, dass wir alle mit unserem Saisonstart nicht zufrieden sind. Aber es ist schon etwas komisch: Vor drei Monaten war ich ein richtig guter Trainer, und jeder hat mir auf die Schulter geklopft. Jetz bin ich auf einmal der schlechteste Trainer der Welt“, wundert sich Andersson.

Kein Verständnis hat der Schwede dafür, wenn seine Spieler ausgepfiffen werden. Zuletzt traf dies Linksaußen Marcel Schiller, der im Heimspiel gegen die Bergischen Löwen in der Schlussphase zwei Mal frei vor dem Tor an Keeper Christopher Rudeck gescheitert war. „Das gefällt mir gar nicht, schließlich macht er das nicht mit Absicht. Das hilft der Mannschaft nicht weiter“, ärgert sich Andersson. Angesprochen auf die Pfiffe gegen Schiller, stellte Frisch-Auf-Geschäftsführer Gerd Hofele fest: „Das interessiert mich nicht. Wir müssen alle einen guten Job machen, das ist wichtig.“

Ausgerechnet in dieser explosiven Gemengelage müssen die Grün-Weißen am morgigen Sonntag um 15 Uhr zum Landesderby beim deutschen Meister Rhein-Neckar-Löwen (live auf Sport 1) antreten. „Ich hoffe, dass wir dort einen Punkt holen können“, sagt Trainer Andersson, „wir dürfen dort nicht mit Angst auftreten. Wir müssen guten Handball spielen, und natürlich muss alles funktionieren.“ Verzichten muss der Schwede nach wie vor auf seinen Spielmacher Tim Kneule, der sich nach seiner Sprunggelenksverletzung im Aufbautraining befindet. Regisseur Nummer zwei, Zarko Sesum, der im Heimspiel gegen den Bergischen HC in der Schlussphase in der Abwehr aufs Spielfeld kam, wird in Mannheim längere Einsatzzeiten bekommen, kündigte Andersson an. Allerdings ist noch nicht klar, ob er auch im Angriff spielen kann, weil er noch nicht richtig springen könne, so der Coach.

Anderssons Bilanz gegen die Löwen gibt allerdings wenig Anlass zu Hoffnung: In vier Spielen gab es zum Teil deutliche Niederlagen. Und der letzte Ligasieg in Mannheim liegt elf Jahre zurück.

„Gemeinsam für Frisch Auf“ – Der Facebook-Eintrag des Vereins in Auszügen

„Liebe Frisch-Auf-Fans, wir stecken derzeit in einer sportlich schwierigen Situation. [...] Wir können Euren Unmut sehr gut verstehen, denn auch wir sind mit der aktuellen Situation absolut nicht zufrieden. [...] Uns zu kritisieren und auf gewisse Punkte hinzuweisen, ist völlig in Ordnung. [...] Jedoch sollte die Kritik nicht unter der Gürtellinie oder sogar persönlich beleidigend ausfallen. Leider mussten wir in verschiedenen Foren und bei Facebook in Kommentaren in Bezug auf unseren Trainer, unsere Spieler und Verantwortlichen aber zum Teil genau dies feststellen. Liebe Fans, so geht das nicht! Jeder hat natürlich das Recht, seine Meinung zu äußern, aber bitte immer auf eine respektvolle Art und Weise. [...] Unsere Trainer, unsere Spieler und Verantwortlichen haben das Recht, mit Würde behandelt zu werden. Wir werden alles dafür geben, dass wir aus dieser schwierigen Situation heraus und wieder in die Erfolgsspur kommen. Wir werden es aber nur schaffen, wenn wir alle jetzt zusammenstehen und gemeinsam alles für unseren Klub geben. [...]

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel