Sevilla Brüder-Trio trifft mit Chile auf die weltbesten Handballer

Zwei Brüder machen gemeinsame Sache gegen Mazedonien: Die chilenischen Nationalspieler Erwin Jan (links) und Harald Feuchtmann. Foto: handballspain2013
Zwei Brüder machen gemeinsame Sache gegen Mazedonien: Die chilenischen Nationalspieler Erwin Jan (links) und Harald Feuchtmann. Foto: handballspain2013
Sevilla / SEBASTIAN SCHMID 16.01.2013
Harald, Emil und Erwin Feuchtmann spielen mit Chile bei der Handball-WM gegen die besten Spieler der Welt. Für das Brüder-Trio ein riesiger Unterschied zum Liga-Alltag in der deutschen dritten Liga.

Normalerweise spielt Harald Feuchtmann gegen Teams aus Nieder-Roden, Großsachsen oder Groß-Umstadt. Momentan stehen dem 25-Jährigen jedoch Spieler wie der dänische Welthandballer von 2011, Mikkel Hansen, oder der mazedonische Torschützenkönig der EM 2011, Kiril Lazarov, gegenüber.

Feuchtmann, der beim bayerischen Drittligisten TSV Friedberg spielt, hat sich mit Chile für die WM in Spanien qualifiziert. Dabei treffen die Südamerikaner in Sevilla in ihrer Gruppe auf Europameister Dänemark, Mazedonien, Island, Russland und Katar. "Solche Mannschaften sind nicht unsere Liga. Unser Ziel ist es, Erfahrung zu sammeln", sagt Harald Feuchtmann.

Während es für den Linksaußen die erste WM ist, waren seine beiden Brüder Emil Ludwig (30) und Erwin Jan (29) bereits bei der Turnier-Premiere vor zwei Jahren dabei. In Schweden wurde Chile zwar Letzter, immerhin gelang durch ein 29:29 gegen die Slowakei ein Punktgewinn. Morgen soll nun der erste WM-Sieg her. "Wir wollen das Spiel gegen Katar gewinnen", berichtet Harald Feuchtmann.

Bei der 28:30-Niederlage im Auftaktspiel überraschte Chile nicht nur den Gegner, sondern auch sich selbst. "Wir waren besser als wir erwartet hatten", sagte Rückraumspieler Emil Feuchtmann, der gemeinsam mit seinem Bruder Erwin für den deutschen Drittligisten Aschersleben spielt. Gegen Island folgte ein deutliches 22:38. "Der Trainer hat den jungen Spielern mehr Einsatzzeiten gegeben", erklärt Harald Feuchtmann.

Das Abschneiden bei der WM ist ohnehin unwichtig. Für Chile gilt es, sich für die Olympischen Spiele 2016 in Brasilien zu qualifizieren. Da der Gastgeber gesetzt ist, stehen die Chancen für Chile gut, sich gemeinsam mit Argentinien, das zusammen mit Brasilien den Handball in Südamerika dominiert, in Rio dabei zu sein. Die Feuchtmanns sind übrigens nicht das einzige Brüder-Trio bei der WM. Im argentinischen Trikot laufen Sebastian, Pablo und Diego Simonet auf. Letzterer lobt den Ländernachbarn. "Chile hat eine starke Mannschaft."

Die beiden WM-Teilnahmen haben dem Handballsport in Chile einen Schub verpasst, auch wenn er weiterhin eine Randsportart ist. "Handball ist in den letzten ein, zwei Jahren schon populärer geworden", sagt Harald Feuchtmann. Es werden sogar Freundschaftsspiele im Fernsehen übertragen.

Er selbst kam wie seine Brüder über den Vater zum Handball. Der ist Sportlehrer und gründete in Punta Arenas einen Verein, in dem die Söhne das erste Mal den Ball aufs Tor warfen. Über die Junioren-Nationalmannschaft landete das Brüder-Trio zunächst bei spanischen Zweitliga-Klubs, von da aus ging es nach Deutschland. Der deutsche Nachnamen stammt übrigens vom Großvater, der in den 30er- Jahren nach Chile auswanderte.

Auch wenn sich für Harald Feuchtmann mit der WM-Teilnahme gemeinsam mit seinen Brüdern bereits ein Traum erfüllt hat, gibt es noch einen weiteren: der Aufstieg in die zweite Liga. Dabei sieht es ganz gut aus - Friedberg ist Spitzenreiter in der dritten Liga Süd. "Wenn es dieses Jahr nicht klappen sollte, dann halt nächstes Jahr", sagt Harald Feuchtmann.

Anders als 2011 werden die Eltern aus beruflichen Gründen nicht zur WM reisen, um ihren Söhnen die Daumen zu drücken. Dafür wird Schwester Inga (27) kommen. Die spielt in Spanien Handball und ist - wie könnte es anders sein - chilenische Nationalspielerin.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel