Frisch Auf Brack nicht niedergeschlagen: Können in den Spiegel schauen

Frisch-Auf-Trainer Rolf Brack lamentiert an der Seitenlinie. Seine Göppinger hatten keine Chance gegen den deutschen Rekordmeister  THW Kiel. Dennoch war die Niederlage für den 64-Jährigen kein Beinbruch.
Frisch-Auf-Trainer Rolf Brack lamentiert an der Seitenlinie. Seine Göppinger hatten keine Chance gegen den deutschen Rekordmeister THW Kiel. Dennoch war die Niederlage für den 64-Jährigen kein Beinbruch. © Foto: Peter Poller
Göppingen / Von Wolfgang Karczewski 23.12.2017

Nach der 22:29 (8:14)-Heimniederlage der Frisch-Auf-Handballer im Bundesliga­spiel gegen den deutschen Rekordmeister THW Kiel stand auf Göppinger Seite ein Mann im Mittelpunkt, der gar nicht auf der Platte stand: Zarko Sesum. Der Mannschaftskapitän der Grün-Weißen hatte sich im Training eine Adduktorenzerrung zugezogen und musste ebenso wie die Langzeitverletzten Anton Halén, Sebastian Heymann, Tomas Urban und Adrian Pfahl ­passen.

„Das Fehlen von Sesum hat uns schwer zu schaffen gemacht“, befand Frisch-Auf-Trainer Rolf Brack, der bereits vor einigen Wochen betont hatte, dass der serbische Nationalspieler für ihn der wichtigste Spieler, was Abwehr und Angriff betrifft, sei. „Wenn Sesum fehlt, hat Göppingen wenige Optionen im Mittelblock“, hatte auch sein Gegenüber Alfred Gislason erkannt und seine Mannschaft dementsprechend darauf eingestellt. Auch Sesums Mitspieler Kresimir Kozina, der fast die ganze Partie über durchspielen musste, führte das Fehlen seines Mannschaftskameraden als einen wichtigen Grund für die Niederlage an. „Ich bin eigentlich niemand, der nach Ausreden sucht, aber Sesum hat uns sowohl in der Abwehr als auch im Angriff sehr gefehlt“, sagte der Kroate.

Hinter der Ersatzbank mussten die verletzten Sesum, Pfahl und Co. mit ansehen, wie der THW Kiel nach einer Göppinger 2:0-Führung sein Spiel aufzog und unter Mithilfe seines überragenden Torhüters Andreas Wolff auf acht Tore davonzog (14:6/28. Minute). Mit zwei Gegenstoßtoren nach Kieler Nachlässigkeiten konnte Rechtsaußen Marco­ Rentsch­ler das Ergebnis zur Pause aus Frisch-Auf-Sicht noch etwas freundlicher gestalten.

„Ich hatte gedacht, dass unsere zwei technischen Fehler, die zu diesen Gegentoren geführt haben, noch teuer werden könnten“, gestand Gislason. Doch der Kieler Coach sollte sich irren. Zwar kamen die Göppinger vor der Saisonrekordkulisse von 5400 Zuschauern in der EWS-Arena in der 36. Minute durch Torjäger Marcel Schiller, mit 5/3 Toren am Donnerstagabend erfolgreichster  Frisch-Auf-Werfer, auf 12:16 heran. Doch nach einer Parade des gut aufgelegten Daniel Rebmann, der zur Pause Primoz Prost ablöste, scheiterte Kreisläufer Kozina beim Tempogegenstoß an Kiels Keeper Wolff.

„Wenn er die Chance genutzt hätte, wäre es vielleicht noch einmal interessant geworden“, vermutete Göppingens Sportlicher Christian Schöne. So aber mussten sich die tapfer kämpfenden Frisch-Auf-Profis in ihr Schicksal ergeben und zusehen, wie die Zebras unter der Regie des bärenstarken Slowenen Miha Zarabec Tor um Tor bis zum 29:22-Endstand davonzogen.

Göppingens Trainer Brack konnte dennoch mit der Niederlage leben. „Neben dem Berlin-Spiel (das Frisch Auf zu Hause mit 32:38 verlor, Anm. d. Red.) war das Spiel gegen Kiel das einzige, dass wir nicht gewinnen konnten“, befand er. Viel mehr hätten ihn in den vergangenen Wochen die knappen und unnötigen Niederlagen geärgert. Dennoch könnten seine Mannschaft und er nach der verlorenen Partie gegen Kiel in den Spiegel schauen.

Coach dementiert Kontakt zum TVB Stuttgart

Trainerfrage In der EM-Pause soll sich entscheiden, wer Frisch Auf Göppingen in der kommenden Saison trainieren wird. Coach Rolf Brack und die Göppinger Vereinsführung wollen sich nach dem letzten Spiel des Jahres am Mittwoch gegen Hüttenberg zusammensetzen und über eine mögliche weitere Zusammenarbeit sprechen. Unterdessen brodelt unterm Hohenstaufen bereits die Gerüchteküche. So soll Brack bei Bundesliga-Konkurrent TVB Stuttgart als Nachfolger von Markus Baur im Gespräch sein. Doch der Göppinger Trainer dementiert Kontakte zur Stuttgarter Vereinsführung. Er habe mit keinem Verantwortlichen des TBV gesprochen, so Brack.

Kaderplanung Frisch-Auf-Torwart Primoz Prost, dessen Vertrag ebenfalls im Sommer 2018 ausläuft, hat betont, dass er gern in Göppingen bleiben möchte. Er fühle sich unterm Hohenstaufen sehr wohl, so der Routinier. Auch hier steht die Entscheidung noch aus. Bei Linkshänder Jens Schöngarth stehen die Zeichen derzeit allerdings eher auf Abschied. Es gebe zwar derzeit keine Tendenz, sagt der Rückraumshooter, doch es sei Fakt, dass er „im System von Rolf Brack nicht unbedingt gesetzt“ sei.

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