Göppingen „Karle“: An ihm kommt keiner vorbei

Karl-Heinz Eberhard, den alle nur „Karle“ nennen, hat in der EWS-Arena alles im Griff.
Karl-Heinz Eberhard, den alle nur „Karle“ nennen, hat in der EWS-Arena alles im Griff. © Foto: Peter Poller
Göppingen / Wolfgang Karczewski 22.03.2018
Jeder, der schon einmal in der EWS-Arena war, kennt ihn, doch keiner weiß, wer er wirklich ist: Karl-Heinz Eberhard.

In seinem Personalausweis steht, dass Karl-Heinz „Karle“ Eberhard eine Körpergröße von 1,60 Meter aufweist. Er selbst sagt, er sei nur 1,50 Meter groß. Wie dem auch sei: Fest steht, dass der klein gewachsene Mann in der EWS-Arena eine Res­pektsperson ist, die auch vor großen Namen nicht zurückschreckt. In der 5600 Zuschauer fassenden Göppinger Halle ist der 62-Jährige das Mädchen für alles, wie er sagt. „Ich richte die Kabine her, stelle Essen und Trinken bereit, betreue die Schiedsrichter, helfe beim Aufbau und bin Zeitnehmer“, gibt Eberhard einen Einblick in seine Arbeit.

Begonnen hatte alles vor 45 Jahren. Über einen Arbeitskollegen kam Eberhard, der in Bartenbach lebt und seit einem Jahr im Vorruhestand ist, zu seinem Job in der Arena, die damals noch Hohenstaufenhalle hieß. Zunächst fungierte er als Ordner. Später suchten die Handballerinnen jemanden, der Gegnerinnen und Schiedsrichter betreut und stießen dabei auf Eberhard. „Ich habe Ja gesagt“, erzählt „Karle“, „aber nur unter einer Bedingung: Ich wollte ein Weckle und ein Bier. Das war dann o.k.“

Heute bekommt Eberhard, der 31 Jahre lang als Felgenkontrolleur und Staplerfahrer bei der Firma Südrad in Ebersbach gearbeitet hat, für seine Tätigkeit nicht nur Essen und Trinken, sondern auch Geld – zumindest dann, wenn die Profis von Frisch Auf Göppingen spielen.

Doch nicht nur bei den Erstligapartien der beiden Göppinger Teams, sondern auch bei jedem Jugendspiel der Grün-Weißen schaut Eberhard nach dem Rechten. Zwei Stunden vor Spielbeginn schließt er mit Handball-Abteilungsleiter Karl Friederich die Halle auf. Da er früher auch oft den Hallenboden von Schweißflecken befreit hat, nennen ihn heute alle Karle, den Wischer.

Obwohl er eigentlich ein ruhiger Zeitgenosse ist, kann Eberhard auch aus der Haut fahren. Zum Beispiel, wenn Jugendliche mit Straßenschuhen den Hallenboden betreten oder in der Kabine Unsinn machen. „Da kann ich auch sehr streng sein. Auf den Boden darf man nicht drauf, das schadet ihm. Und in der Kabine alles rumliegen zu lassen, geht auch gar nicht“, stellt er unmissverständlich fest.

Dabei macht Eberhard auch vor großen Namen nicht halt. Als Nationaltorhüter Silvio Heinevetter von den Füchsen Berlin nach dem verlorenen EHF-Pokalendspiel im vergangenen Jahr die Kabinentür demolierte und seine Mannschaftskameraden „die Kabine wie einen Saustall“ hinterließen, beschwerte sich „Karle“ bei Füchse-Manager Bob Hanning. „Der hat dann seine Spieler aus dem Bus geholt. Die sind im Gänsemarsch zurück in die Kabine gegangen und haben alles sauber gemacht. Und Hanning hat gesagt, dass wir die Rechnung für die Tür nach Berlin schicken sollen“, schildert Eberhard seine Erlebnisse. Ob die Hauptstädter auch für den Schaden aufkamen, weiß der „Wischer-Karle“ allerdings nicht.

Bei aller Neutralität als Zeitnehmer schlägt das Herz von Eberhard grün-weiß. Schon vor Jahren, als die Göppinger Handballerinnen noch in der Regionalliga spielten, gründete er gemeinsam mit drei weiteren Anhängern den Frisch-Auf-Frauen-Fanklub. Wenn die Zeit es zulässt, begleitet Eberhard die Frisch-Auf-Teams auch zu besonderen Auswärtsspielen. „Ich war schon zwei Mal beim Final Four in Hamburg. Nur nach Nantes (dort fand 2016 das Endrundenturnier um den EHF-Pokal statt, die Red.) konnte ich nicht mitfahren, da war ein Jugendspiel“, erklärt der pflichtbewusste Vorruheständler.