Granollers "Schreckliche Stadt" mit Tradition

Der Ex-Göppinger Jaume Fort ist nun Funktionär. Archivfoto: Ralf Poller
Der Ex-Göppinger Jaume Fort ist nun Funktionär. Archivfoto: Ralf Poller
Granollers / SEBASTIAN SCHMID 14.01.2013
In Granollers kämpft das deutsche Team ums Achtelfinale. Die Stadt hat eine lange Handball-Tradition, doch viele Fans kommen nicht mehr in die Halle. Die Wirtschaftskrise ist deutlich spürbar.

Es erinnert an die Bielefeldverschwörung. Die kursiert als Dauerwitz im Internet und besagt, dass es Bielefeld gar nicht gibt, sondern Berichte über die Stadt Teil einer großen Verschwörung sind. Mit Granollers scheint es ähnlich. Es taucht nicht im Spanien-Reiseführer auf, und auch im Stadtführer von Barcelona wird es nicht erwähnt, obwohl es ein Vorort der Metropole ist.

Doch Granollers existiert, es ist einer der sechs Austragungsorte der Handball-WM und Gastgeber der deutschen Mannschaft. Dass die Stadt nicht erwähnt wird, liegt einfach daran, dass es wenig Erzählenswertes gibt. Zirka 250 Freiwillige sind vor Ort im Einsatz, damit die WM reibungslos über die Bühne geht. Fragt man bei den einheimischen, zumeist jugendlichen Helfern nach, wie es sich hier lebt, bekommt man fast immer dieselbe Antwort: "Es ist schrecklich."

In der Tat macht Granollers trotz seiner 60 000 Einwohnern nicht den Eindruck, dass viel geboten wird. Es ist eine katalonische Industriestadt, deren wenige Sehenswürdigkeiten bei einem gemütliche Spaziergang in guten 30 Minuten zu bewältigen sind. Wer etwas unternehmen will, geht nach Barcelona.

Der Palacio de los Deporties wurde also nicht ausgewählt, weil die Stadt so schön ist. "Granollers hat eine lange Handball-Tradition", berichtet Jaume Fort. Der Spanier ist verantwortlich, dass der Spielbetrieb reibungslos über die Bühne geht, die Regeln des Internationalen Handball-Verbands eingehalten werden und sich alle Teams wohl fühlen. "Competition Director" nennt sich Fort, der in Deutschland kein Unbekannter ist. Von 1999 an lief der 180-fache Nationalkeeper für den TBV Lemgo auf, bevor er von 2001 bis 2004 das Trikot von Frisch Auf Göppingen trug.

Den örtlichen Handball-Klub vergleicht der Gewinner der olympische Bronzemedaille von 1996 mit Frisch Auf Göppingen. "Beides sind Vereine mit einer großen Handballtradition." Wobei die Zeit der Spanier in den 60er und 70er Jahre schon lange zurück liegt. Mittlerweile hat man sich den Ruf eines Ausbildungsvereins erworben. Trotz der Nähe zum FC Barcelona ist Handball in Granollers die beliebteste Sportart. Die Kinder werfen den Ball lieber, als ihn zu kicken.

Volle Hallen garantiert das nicht. "Die Wirtschaftskrise ist deutlich zu spüren", sagt Fort. Das Geld sitzt nicht mehr so locker. 500 Fans verirren sich bei normalen Erstligaspielen in die 5200 Zuschauer fassende Arena. "Wenn Barcelona kommt, sind es immerhin über 2000", sagt Fort. Unweit von Lionel Messi und Co. tun sich andere Vereine und Sportarten schwer. Einen guten Fußballklub gibt es in Granollers nicht. Vielleicht würde das helfen, die Stadt bekannter zu machen. Eine Garantie ist es nicht. Trotz der Arminia existiert die Bielefeldverschwörung weiter. In Granollers ist übrigens ein Journalist aus Bielefeld - er behauptet, die Stadt gibt es.

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