Geislingen „Ich habe nur schlafenden Riesen wachgeküsst“

Trainer Andreas Frey bei einer Ansprache an sein Team: „Mir war klar, dass ich kein Himmelfahrtskommando übernehme.“
Trainer Andreas Frey bei einer Ansprache an sein Team: „Mir war klar, dass ich kein Himmelfahrtskommando übernehme.“ © Foto: Thomas Madel
Geislingen / Von Thomas Friedrich 16.05.2018
TVA-Trainer Andreas Frey über eine starke Saison seiner Landesliga-Handballer und den in der Relegation knapp verpassten Aufstieg.

Die Krönung einer außerordentlichen Saison blieb dem TV Altenstadt verwehrt. Nach dem völlig überraschenden zweiten Platz in der Landesliga scheiterte die Mannschaft in der Aufstiegsrelegation zur Württembergliga am TV Flein und der HSG Böblingen/Sindelfingen.

Mit ein paar Tagen Abstand, wie weh tut der verpasste Aufstieg noch?

Klar tut’s noch weh, ich habe es auch noch immer nicht abgehakt. Es war ja nicht so, dass wir keine Chance hatten. Gegen Flein hätten wir sicher gewonnen, wenn wir unsere vielen klaren Torchancen genutzt hätten. In Böblingen waren wir einfach nicht gut drauf.

Trübt das Scheitern in der Relegation die überraschend gute Saison Ihres Teams?

Auf gar keinen Fall. Es hat ja keiner erwartet, dass wir so weit oben stehen. Das war großartig, überragend.

Was waren denn die Gründe, warum der TVA am Ende fast sensationell Zweiter wurde?

Gute Frage. Als ich letztes Jahr in Altenstadt zusagte, war mir schon klar, dass ich kein Himmelfahrtskommando übernehme. Ich wusste, dass die Jungs was können.  Meine Aufgabe war einfach nur die, den schlafenden Riesen wachzuküssen.

Der Riese streckte dann gleich mächtig seine Glieder.

Dass es gleich im ersten Jahr so klappt, konnte wirklich keiner ahnen. Die Mannschaft hat schlicht ihr Potenzial komplett ausgeschöpft, die Relegation war dann einfach zu viel für sie.

In welcher Hinsicht?

Sie war mental zu anstrengend. Aufstiegsspiele sind Nervenkitzel, das ist eher was für Routiniers. Junge Spieler brauchen Erfahrung, die haben sie jetzt gemacht, und die bringt sie auch weiter.

Ihre junge Mannschaft war der Relegation  nervlich nicht gewachsen?

Wir haben dort wahrscheinlich unsere beiden schwächsten Spiele der gesamten Saison abgeliefert. Die Gegner waren sicher nicht stärker als die Topteams in unserer Staffel. Kommen wir an unsere Leistungsgrenze heran, gewinnen wir beide Spiele. Das haben wir nicht geschafft. Man darf aber nicht vergessen, dass in unserer Start-Sieben drei 18-Jährige spielten.

Mit ihrem Abschneiden hat die Mannschaft Erwartungen geweckt. Kann sie denen gerecht werden?

Es liegt auch in meinem Aufgabenbereich, klarzustellen, worum es künftig geht.

Und worum geht es?

Wir wollen auch kommende Saison oben mitspielen, aber starten sicher nicht als klarer Titelanwärter.

Sieht die Mannschaft das auch so?

Die Jungs setzen sich sicher den Aufstieg zum Ziel, egal was ich sage.

Auch das Umfeld hegt nach dieser Saison sicher gewisse Erwartungen.

Die Euphorie im Umfeld war groß. Es sollte aber niemand glauben, dass wir diese grandiose Runde einfach toppen können. Es kommen zwei starke Absteiger aus der Württembergliga, auch Steinheim und Reichenbach sind enorm stark.

Gibt es personelle Änderungen?

Ich gehe davon aus, dass alle Spieler bleiben. Aus der zweiten Mannschaft und der Jugend kommen gute Jungs dazu, wir werden gut aufgestellt sein.

Ein Gutes hat der verpasste Aufstieg ja vielleicht doch: Das emotionale Derby gegen die SG Kuchen-Gingen gibt’s auch in der kommenden Saison.

Stimmt, es gibt es wieder das Derby – leider. Ich hätte gerne darauf verzichtet. Aber nun spielen wir die Derbys eben – und wollen sie gewinnen.

Im ersten Jahr gleich durchgestartet

Andreas Frey war viele Jahre Spieler bei der SG Kuchen-Gingen und anschließend dort gemeinsam mit Martin Frey Trainer. Nach einem Jahr als alleinverantwortlicher Coach nahm er im Frühjahr 2017 das Angebot des TV Altenstadt an. Der 41-Jährige führte den TVA auf Anhieb auf Rang zwei.