Belgrad "Es ist unglaublich schade"

THOMAS GRUBER 26.01.2012
Ins kalte Wasser geworfen wurde gestern der Ur-Balinger Martin Strobel. Er machte seine Sache gegen Polen gut, aber am Ende blieb für den Vollblut-Handballer nach dem Halbfinal-Aus gegen die Polen nur Frust.

Blutleer wirkte Martin Strobel nach der 32:33-Niederlage gegen Polen. Das Halbfinale bei der Handball-EM so dicht vor Augen, dann das bittere Aus. "Es ist unglaublich schade", meinte er mit leiser Stimme und blickte ins Nichts.

Seine Laufbahn ist bislang ein ständiges Auf und Ab: Als Strobel 2008 seinen Heimatverein HBW Balingen/Weilstetten verließ, um beim Bundesliga-Rivalen TBV Lemgo den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen, da sagten viele Handball-Experten dem Spielmacher eine große Zukunft voraus. Kurz bevor er der Stadt am Fuße der Burg Hohenzollern den Rücken kehrte, war der in Rottweil geborene "Jungstar" zum besten Rückraum-Mitte-Spieler der Junioren-WM gewählt worden, bei der Deutschland Zweiter geworden war. Doch nach einem erfolgreichen Jahr in Lemgo geriet die Karriere des Riesentalents ins Stocken. "Eineinhalb Jahre sind nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe", meint der 25-Jährige rückblickend, "aber es gibt im Sportlerleben immer mal Situationen, die einen zurückwerfen." Den Wechsel nach Lemgo, wo es zwischendurch hinter den Kulissen mächtig herging, bereut er dennoch nicht. "Ich denke schon, dass es der richtige Schritt war." Während seines Zwischentiefs war er aus dem Kader der Nationalmannschaft herausgefallen. Durch harte Arbeit schaffte Strobel jedoch wieder den Anschluss und den Sprung in den Kader für die EM in Serbien. Allerdings musste er sich mit der Rolle des 16. Mannes zufrieden geben. Gestern endlich, im sechsten EM-Spiel gegen Polen, wurde Strobel für seine Ausdauer belohnt: "Ich honoriere damit nicht nur seine Leistungen im Training und seine professionelle Einstellung hier in Serbien, sondern nehme ihn auch in der Überzeugung dazu, dass er unser Spiel variabler machen wird", erklärte Bundestrainer Martin Heuberger die Nachnominierung fürs Spiel gegen Polen. Im verlorenen Vergleich hatte Strobel durchaus dann Akzente gesetzt, vor allem sein Defensivverhalten war in Ordnung. Heuberger lobte ihn: "Martin hat seine Aufgabe sehr gut erfüllt, Kompliment an das Team-Play, das er gezeigt hat."

Sich einzufügen ins Team, das sei ihm nicht schwer gefallen. "Ich habe an allen Besprechungen teilgenommen und im Training ganz normal mittrainiert", so Strobel. Die Situation als 16. Mann ertrug er tapfer und ohne jegliches Murren. Täglich absolvierte er zusätzlich zum üblichen Pensum Lauf- und Krafttraining. Innerhalb der Nationalmannschaft fühlt sich Strobel gut aufgehoben. Das Besondere an der aktuellen Mannschaft sei trotz des Scheiterns hervorzuheben: "Der Zusammenhalt im Team ist unheimlich stark, er ist vielleicht ausgeprägter als in den Jahren zuvor", erklärt der Regisseur.

Wie die Zukunft des 25-Jährigen aussieht? Sein Vertrag beim TBV Lemgo läuft zum Ende der Saison aus, mit dem neuen Trainer Dirk Beuchler käme er klar, "den Weg, den er einschlägt gefällt mir." Im Februar werde man sich nochmals zusammensetzen.