Göppingen / Frank Höhmann

Die Fastenzeit hat gerade erst begonnen, doch bei den Göppinger Bundesliga-Handballerinnen soll der Verzicht schon heute enden, wenn es in der heimischen EWS-Arena um 19 Uhr gegen den TSV Bayer 04 Leverkusen geht. Nach fünf Heimniederlagen in Folge soll es ein Erfolgserlebnis vor eigenem Publikum geben.

„Wir haben dieses Jahr zuhause noch nicht gewonnen und wollen diese schwarze Serie endlich beenden“, sagt Michaela Hrbkova. Die Torjägerin der Frisch-Auf-Frauen setzt dabei auf den Push-Effekt des jüngsten 27:26-Erfolges beim VfL Oldenburg. „Dieser Sieg und auch der davor in Halle waren unheimlich wichtig für uns. Daraus nehmen wir viel positive Energie mit“, so die Tschechin. Hrbkova weiß, dass die Werkselfen mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch unter den Hohenstaufen anreisen werden und Wiedergutmachung für die 25:32-Heimschmach gegen das bis dato sieglose Schlusslicht Union Halle-Neustadt betreiben wollen.

Halle scheint so etwas wie der Leverkusener Angstgegner zu sein: Denn bereits im Viertelfinale des DHB-Pokals scheiterte die Mannschaft von Trainer Robert Nijdam, der das schwere Erbe nach der Ära Renate Wolf antrat, am Team aus Sachsen-Anhalt und verpasste damit den Einzug ins Final-Four-Turnier Ende Mai in Stuttgart. So muss sich der Göppinger Gegner voll und ganz auf die Liga konzentrieren, um das erklärte Ziel Europapokalplatz zu erreichen. „Wir wollen uns für den internationalen Wettbewerb qualifizieren“, sagt Rechtsaußenspielerin Amelie Berger, die nach der Saison zur SG BBM Bietigheim wechseln wird. An eben jene Amelie Berger haben die Frisch-Auf-Frauen keine besonders guten Erinnerungen, war es doch die Nationalspielerin, die ihnen in der vergangenen Spielzeit zwei Sekunden vor Schluss die Punkte abnahm.

Das soll heute nicht passieren: „Wir wollen mit unseren Fans im Rücken zwei Punkte holen und den fünften Rang verteidigen. Dieser Platz gefällt uns sehr“, sagt Hrbkova. Wäre jetzt Schluss, hätten die Frisch-Auf-Frauen den Sprung ins internationale Geschäft vollzogen. „Wir waren in der eigenen Halle immer stark. Diese Stärke müssen wir uns ins Gedächtnis rufen“, fährt Hrbkova fort. Mit zwei Punkten könnte man Leverkusen vor dem mit Spannung erwarteten Derby in Metzingen erst einmal um drei Zähler abhängen. „Es wird nicht einfach, aber wenn wir mit dem gleichen Teamgeist auftreten wie zuletzt, hoffe ich, dass wir uns und unsere Fans mit zwei Punkten belohnen“, so die routinierte Frisch-Auf-Akteurin.

Das ist das erklärte Ziel von Aleksandar Knezevic, der noch nicht weiß, ob und in welcher Verfassung Annika Blanke und Edit Lengyel zur Verfügung stehen, die bis Mitte der Woche weiter krank waren. „Das Spiel in Oldenburg hat viel Kraft gekostet. Dazu kam die lange Reise. Da war es erst einmal wichtig, den Akku wieder so gut wie möglich aufzuladen.“ An die unschöne Heimserie verschwendet der Frisch-Auf-Coach keine Gedanken. In der Vorsaison habe man gegen Buxtehude und Blomberg in der eigenen Halle auch nicht gewonnen und sei trotzdem Sechster geworden. „Das hätten wir natürlich gerne geändert. Aber es kommen noch genügend Heimspiele, in denen wir punkten können.“ Am besten schon gegen den direkten Kontrahenten Leverkusen, der jüngst mit den drei Rode-Schwestern Jennifer, Joanna und Elaine sowie Mia Zschocke und Anna Seidel verlängert hat. Kim Berndt dagegen geht zu Zweitliga-Spitzenreiter Rosengarten-Buchholz. Ins Rheinland zurückkehren wird neben der Göppingerin Prudence Kinlend auch Pia Adams vom TV Beyeröhde. Im Hinspiel konnte Frisch Auf beim 26:26 einen Zähler entführen. Beim zweiten Aufeinandertreffen sollen es nun deren zwei werden.