Handball Knezevic macht Handball momentan viel Spaß

Mächtig stolz: Trainer Aleksandar Knezevic hat mit den Frisch-Auf-Frauen die letzten vier Bundesliga-Spiele gewonnen.
Mächtig stolz: Trainer Aleksandar Knezevic hat mit den Frisch-Auf-Frauen die letzten vier Bundesliga-Spiele gewonnen. © Foto: Thomas Madel
HARALD BETZ 12.01.2018
Als Trainer hat Aleksandar Knezevic Frisch Auf zuletzt zu vier Siegen geführt, als Geschäftsführer freut er sich über zufriedene Zuschauer.

Nach der Weltmeisterschafts-bedingten Unterbrechung in der Frauenhandball-Bundesliga ist das Team von Frisch Auf Göppingen durchgestartet: Vier bemerkenswerte Siege stehen zu Buche, gegen Dortmund, in Leverkusen,  vor fast 6000 Zuschauern in Stuttgart gegen Metzingen und zuletzt gegen Oldenburg holten Torjägerin Michaela Hrbkova und ihre Kolleginnen jeweils zwei Punkte und sprangen mit 12:8 Punkten auf Tabellenplatz fünf – sehr zur Freude auch von Trainer und Geschäftsführer Aleksandar Knezevic.

Aleksandar Knezevic, befindet sich Ihre Mannschaft aktuell in der Bundesliga auf einem Höhenflug?

Aleksandar Knezevic: Das ist durchaus treffend formuliert, unsere Serie ist überragend. Ich bin selbst begeistert, denn dieses sehr gute, teilweise überragende Auftreten kann man auch als Trainer nicht voraussehen. Je länger diese Serie hält, umso besser.

Kommen nach diesen Siegen mehr Rückmeldungen aus der Öffentlichkeit bei Ihnen an als sonst?

Absolut, die Resonanz ist groß. Neue Leute und alte Bekannte sind gleichermaßen begeistert und nehmen Kontakt auf. Sie waren live dabei oder haben die Spiele im Internet gesehen.

Wie lassen sich diese Erfolge gegen namhafte Konkurrenten erklären?

Die Mannschaft hat viel investiert und schon in der Saisonvorbereitung toll mitgezogen. Wir haben uns in der Abwehr und im Angriff stark verbessert und im taktischen Bereich weiterentwickelt. Zudem ist die Einstellung der Spielerinnen bemerkenswert. Wer in Leverkusen nur 20 Treffer kassiert oder gegen Metzingen in einer Halbzeit 19 Tore schießt, liefert hinten wie vorne erstklassige Arbeit ab.

So kann es weitergehen, oder?

Wir trainieren auf jeden Fall fleißig weiter und wollen unsere Einstellung beibehalten. Aber wir dürfen nicht vergessen: Vor Jahresfrist haben wir in der Hinrunde auch super gespielt und in der Rückrunde viel Kraft gelassen und dann nicht mehr so gut ausgesehen.

Im Moment macht Ihr Team aber einen sehr gefestigten Eindruck, befürchten Sie einen Leistungsabfall?

Nein, die Mannschaft macht einen sehr stabilen Eindruck. Ich bin jetzt in der neunten Saison als Trainer verantwortlich und nach Umbrüchen braucht es einfach Zeit für den Aufbau eines Teams, das geht nicht über Nacht. Diese Saison haben wir beispielsweise mit der Verpflichtung von Alexandra  Sviridenko einen weiteren Schritt gemacht. Sie verleiht der Abwehr noch mehr Qualität und ist variabel im Rückraum einsetzbar. Wir sind wieder ein bisschen breiter aufgestellt.

Wie steht es um Ihre drei WM-Rückkehrerinnen?

Lina Krhlikar, die mit Slowenien im Achtelfinale stand, kam angeschlagen mit einer Erkältung und Schulterproblemen zurück und hat deshalb zuletzt kaum gespielt. Michaela Hrbkova und Petra Adamkova stießen mit Tschechien ins Viertelfinale vor und sind fit, speziell mit Petra am Kreis bin ich aktuell sehr zufrieden.

Können oder müssen die Frisch-Auf-Frauen jetzt ihr Saisonziel nach oben korrigieren?

Unser Saisonziel Nummer eins bleibt es, so schnell wie möglich den Klassenerhalt zu sichern. In Phase zwei wollen wir die Top-Ten erreichen. Wenn wir dann, wie aktuell, an den Plätzen für den Europapokal schnuppern oder diese gar erreichen, sind wir die Letzten, die das nicht gerne spielen würden. Aber wir bleiben bodenständig. Es sind gerade zehn Spiele absolviert, 16 kommen noch und wir konzentrieren uns immer auf das nächste.

Dieses Wochenende steht das Pokal-Vertelfinale an, Frisch Auf muss zuschauen. Bedauern Sie dies?

Wir haben in der letzten Runde verloren und sind raus, so ist das im Pokal. Nächstes Jahr versuchen wir wieder unser Glück.

In der Liga wartet am Wochenende darauf die Neckarsulmer Sportunion auf Frisch Auf. Werden Sie Ihren Höhenflug fortsetzen?

Es ist ein Derby in fremder Halle bei einer guten Truppe. Ich denke, die Chancen stehen fünfzig zu fünfzig. Wir wollen natürlich gewinnen und werden uns ganz auf uns fokussieren.

Machen Sie sich denn parallel Gedanken über die Mannschaft der kommenden Saison?

Natürlich bin ich in Gesprächen mit unseren Spielerinnen, was deren Zukunft und mögliche Vertragsverlängerungen angeht. Acht Spielerinnen besitzen ja Kontrakte für die nächste Runde, sechs Verträge laufen im Sommer aus.

Die Frauen-Bundesliga vergibt mittlerweile wie bei den Männern ein Jugendzertifikat. Warum hat Frisch Auf dieses nicht erhalten?

Wir haben uns nicht dafür beworben, weil unsere zweite Mannschaft in der Württembergliga nicht hoch genug spielt, um die Kriterien zu erfüllen. Alle anderen Punkte hätten wir erfüllt. Aktuell arbeitet eine Kommission an einer Änderung der Kriterien, dann soll es wie im Männerbereich mehr Optionen, etwa bei den zweiten Mannschaften, geben, um das Zertifikat zu erhalten. Dann sind auch wir dabei.

Ihr Team spielt zur Zeit regelmäßig vor toller Kulisse, in der Porsche- Arena gar vor 5740 Zuschauern. Daheim gab es zuletzt 1650 Besucher gegen Oldenburg. Freut sich da der Geschäftsführer Knezevic über die Einnahmen mehr als der Trainer Knezevic über den Sieg?

Gegen Dortmund waren ja auch schon 1300 Fans in der Halle, das ist eine schöne Kulisse und ich denke, die Zuschauer waren auch zufrieden mit unseren Auftritten. Aus Sicht des Geschäftsführers hilft es uns sehr, wenn die Halle voll ist, für den Trainer ist es interessant, wie seine Mannschaft dem Druck durch ein großes ­Pub­likum standhält. Solche Spiele sind also für den Trainer und den Geschäftsführer ein Genuss.

Zur Person: Aleksandar Knezevic

Als Geschäftsführer und Trainer lenkt Aleksandar Knezevic (49) die Geschicke der Bundesliga-Handballerinnen von Frisch Auf Göppingen. Der langjährige Handballprofi bei Frisch Auf und Olympia-Vierte ist verheiratet und hat zwei Kinder.