Frisch Auf Tim Kneule: „Alle ziehen richtig gut mit“

Als Spielmacher Dirigent des Göppinger Profi-Ensembles: Tim Kneule geht mit Frisch Auf in seine 13. Saison.
Als Spielmacher Dirigent des Göppinger Profi-Ensembles: Tim Kneule geht mit Frisch Auf in seine 13. Saison. © Foto: Cornelius Nickisch
Göppingen / Harald Betz 21.08.2018
Tim Kneule geht als Mannschaftskapitän in seine 13. Saison bei Frisch Auf und freut sich über die gute Stimmung im Team.

Attraktiven Handball zeigen, Aufbruchstimmung verbreiten,  die Vergangenheit abhaken – beim Handball-Bundesligisten Frisch Auf Göppingen blickt man optimistisch auf das neue Spieljahr. Neu ist auch der Mannschaftskapitän: Urgestein Tim Kneule führt in seiner 13. Saison im grün-weißen Trikot das Team des Traditionsvereins aufs Spielfeld. Der 32-jährige Familienvater steht zwei Tage vor dem Heimspiel gegen die Füchse Berlin Rede und Antwort.

Ihr Äußeres prägt aktuell ein markanter Vollbart, in der Vergangenheit haben Sie auch mal lange Haare mit einem Stirnband gebändigt. Legen Sie Wert auf einen eigenen Stil?

Tim Kneule: Nicht bewusst, aber ich gehe momentan den Trend ein bisschen mit. Ich hatte einfach Lust darauf, das mal auszuprobieren. Sollte mich der Bart stören, wird er wieder gekürzt.

Gehen Sie auch Mode-Trends mit?

Eher nein, ich bin relativ schlicht unterwegs und shopping-faul. Da muss mich eher meine Frau zum Einkaufen auffordern oder auch mal etwas im Internet bestellen.

Wie gefällt Ihnen denn das neue Frisch-Auf-Trikot?

Ich bin super zufrieden mit unserer neuen Ausrüstung, das Design gefällt mir richtig gut. Dazu kommt, dass wir jetzt auch Synthetik-Trainingsshirts haben, die nicht mehr so schnell reißen, wenn es zur Sache geht. Bei den bisherigen Baumwollshirts waren pro Training meist zwei bis drei zerrissen.

Am vergangenen Wochenende hat sich Frisch Auf im DHB-Pokal den Achtelfinal-Einzug gesichert. Beim 25:24 über Zweitligist Balingen ging es aber wohl enger her als von Frisch Auf angestrebt, oder?

Nach dem Abpfiff war ich alles andere als zufrieden, nach der Videoanalyse bin ich wieder besser gestimmt, denn ich habe viele gute Dinge gesehen. Nach dem 11:11 sind wir auf 23:17 weggezogen, nur die letzten zehn Minuten waren dann schlecht von uns.

Sie führen in Ihrer 13. Saison unterm Hohenstaufen das Göppinger Team nun als Kapitän aufs Spielfeld. Was bedeutet dies für Sie?

Ich bin sehr stolz darauf, nun voran zu gehen. Ich durfte dies in der Vergangenheit ja schon übernehmen, wenn mein Vorgänger Zarko Sesum ausgefallen ist. Es macht mir viel Spaß, in meiner neuen Funktion mit den Teamkollegen zu kommunizieren.

Haben Sie ein Vorbild bei der Ausübung des Amts?

Ich werde mich auf jeden Fall an Manuel Späth und Zarko Sesum orientieren, zumal ich die Arbeit der beiden als Mitglied des Mannschaftsrats schon etwas näher beobachten konnte. Sie haben auch mal unangenehmere Themen konsequent angesprochen und sind im Falle einer Undiszipliniertheit eingeschritten. Ich möchte wie sie als Respektsperson wahrgenommen werden.

Aktuell versprüht der Frisch-Auf-Kader in der Außendarstellung eine gute Stimmung. Ist die Atmosphäre intern auch so gut?

Ist sie wirklich, unter uns Spielern funktioniert es seit Beginn der Vorbereitung wirklich prima, alle ziehen richtig gut mit. Schließlich will sich jeder unter dem neuen Trainer Spielanteile sichern und der Konkurrenzkampf lebt. Aber auch wenn man sich im Training weh getan hat oder Kritik einstecken musste, haben wir anschließend wieder gemeinsam unseren Spaß. Ich habe den Eindruck, dass wir wieder enger zusammenstehen.

Welchen Anteil hat der neue Trainer Hartmut Mayerhoffer daran?

Einen großen Anteil, denn er ist sehr kommunikativ und sucht den Kontakt mit jedem Spieler. Gleichzeitig vermittelt er seine Spielphilosophie mit großem Engagement. Wenn er völlig verschwitzt im Training mit uns arbeitet, macht das Eindruck. Jeder Spieler fühlt sich angenommen und verstanden und gibt nochmal ein paar Prozent mehr.

Mit Ihnen, Allan Damgaard und Josip Peric streitet sich ein Trio um die Dirigentenrolle. Droht hier Unruhe?

Ich glaube, wir sind mit drei Mittelmännern exzellent aufgestellt, da wir unterschiedliche Typen sind. Ich habe ja in der Vorbereitung auch teilweise halblinks gespielt. Wir wollen uns gut ergänzen und können mehr wechseln. Dann bringt jeder einen Tick mehr Frische rein und das höhere Tempo kann der Schlüssel zum Erfolg sein.

In der vergangenen Saison lief es oft nicht wie gewünscht. Welche Schulnote geben Sie der Runde 2017/18?

In der Bundesliga gibt es eine Vier, weil es gerade noch ausgereicht hat, Platz zehn war keinesfalls befriedigend. Aber unser Abschneiden in den anderen Wettbewerben war zufriedenstellend mit dem Pokalviertelfinale, das wir in Hannover nur knapp verloren haben, und der Final- Four-Teilnahme im EHF-Cup.

Welche Note würden Sie gern in der neuen Saison erreichen?

Natürlich wünscht man sich eine Eins, aber wir werden wohl wieder Höhen und Tiefen erleben, wobei ich überzeugt bin, dass es deutlich mehr Höhen sein werden. Mit der momentanen Stimmung im Team können wir positiv überraschen. Gleichzeitig dürfen wir uns bei diesem Hammer-Auftaktprogramm mit Berlin, Flensburg und Hannover nicht gleich verrückt machen lassen, egal, wie es läuft.

Auf internationalem Parkett steht die Handball-WM im eigenen Land an. Wie sehen Sie Ihre Chancen im Nationalteam?

Ich bin selbst gespannt, wie es weitergeht. Ausschlaggebend sind meine Leistungen im Verein, denn ich zähle mich nicht zum Stammpersonal des Bundestrainers. Ich möchte mich für Einladungen empfehlen und würde mich über eine WM-Nominierung natürlich freuen.

Jetzt kommen erst mal am Donnerstag die Berliner Füchse in die EWS-Arena. Wie geht es aus?

Wir müssen uns keinesfalls verstecken, aber auch eine super Leistung abrufen. Wenn wir alles aus uns herausgeholt haben, bin ich unabhängig vom Endstand zufrieden. Dann werden auch unsere Fans, denen wir  einen attraktiven Handball zeigen wollen, zufrieden sein.

Zur Person: Tim Kneule

Karriere: Im Jahr 2006 kam Tim Kneule (32)  vom TV Neuhausen/Erms. Der zweifache Familienvater und 30-fache deutsche Nationalspieler war bei allen vier EHF-Pokalsiegen von Frisch Auf am Ball und besitzt in Göppingen einen Vertrag bis 2020.

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