"Alla" hat Handball im Blut

Schon Alena Vojtiskovas Oma, Mutter und Tante spielten Handball. Foto: Constantin Fetzer
Schon Alena Vojtiskovas Oma, Mutter und Tante spielten Handball. Foto: Constantin Fetzer
HOLGER RIEGEL 20.11.2013
In ihrer achten Saison spielt Alena Vojtiskova bei den Erstliga-Handballerinnen von Frisch Auf Göppingen. An allen großen Erfolgen war sie beteiligt.

Dass Linkshänderin Alena Vojtiskova überhaupt beim Handball landete, war keineswegs zufällig. "Der Handball liegt bei uns einfach im Blut", plaudert die ehemalige tschechische Nationalspielerin, die von allen nur "Alla" genannt wird, aus der Familienchronik. Und das vollkommen zurecht, denn neben ihrer Mutter und Tante war auch die Großmutter schon im Handball aktiv. Zu Omas Zeiten war es allerdings noch nicht der Hallenhandball. "Sie spielte Nationalhandball, da waren die Tore größer und das Feld auch", erinnert sich Alena Vojtiskova an Omas Erzählungen.

Gemeinsam mit ihrer Mutter, die in der höchsten Liga am Ball war, erlebte sie ihre Kindheit großteils in der Halle: "Ich bin dort mit Bällen um mich herum aufgewachsen", erzählt die Nummer 55 von Bundesligist Frisch Auf Göppingen. Und so war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die heute 29-Jährige selbst begann mit dem Ball zu werfen. Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr war sie aktiv, doch dann verlor der Handball für sie seinen Reiz.

"Ich wollte etwas anderes machen, ging zur Leichathletik und begann mit dem Tanzen", schildert sie ihren sportlichen Werdegang. Doch lange hielt die Liebe zu Ballett und Stepptanz nicht an. Nach nur einem Jahr kam es zum Comeback auf dem Spielfeld. "Ich hatte gemerkt, dass das nichts für mich war, aber mir hat auch die Mannschaft gefehlt", erzählt sie.

Von nun an startete Alena Vojtiskova handballtechnisch voll durch. Mit ihrem Heimatverein spielte sie zwar nicht in der höchsten Liga, glänzte jedoch als mit Abstand beste Torschützin ihres Teams. So folgte der Wechsel in ihre Geburtsstadt Jindrichuv Hradec, die seinerzeit die beste Jugendmannschaft in Tschechien stellte. Doch es war nur eine Zwischenstation, denn schnell wurde der Topklub Slavia Prag auf die Linkshänderin aufmerksam.

Alena Vojtiskova zog in die Hauptstadt und in ein nicht alltägliches Quartier: "Ich wohnte in einem Internat mit Nonnen", erzählt sie. Handballerisch ging es stetig aufwärts, auch wenn die Trennung von zu Hause nicht leicht fiel: "Nach den Wochenenden daheim wollte ich oft nicht wieder zurück", berichtet sie.

Doch der Erfolg heilte die Sehnsucht, denn inzwischen war sie nicht nur fester Bestandteil bei Slavia, sondern auch Mitglied in der tschechischen Nationalmannschaft. So wurde der VfL Oldenburg auf die Blondine aufmerksam. Der Trainer des VfL war seinerzeit ein Landsmann und wollte die Linkshänderin unbedingt. Durch den Wechsel nach Deutschland wuchs die Entfernung zur Heimat auf 800 Kilometer, aber Alena Vojtiskova fand mit Helga Schuhmann, bei der sie wohnte, eine echte Ersatzmama.

Nur zwei Jahre später klopfte Frisch Auf an, und aus dem angedachten Zweitliga-Engagement wurde dank des unerwarteten Aufstiegs der Frisch-Auf-Frauen 2006 gleich die Erstklassigkeit. Es war der Beginn einer tollen Zeit unter dem Hohenstaufen, die so schnell nicht enden soll.

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